Schule und Freizeit besser vereinbaren

Von Lea Moser ‒ 27. März 2026

Am Montagabend fand der öffentliche Publikumsanlass zum Projekt «Erweiterte Tagesstrukturen» im Gemeindesaal Zollikon statt. Es wird eine bessere Verknüpfung von Schulunterricht und Betreuung angestrebt – Letztere soll freiwillig bleiben.

Muriel Hammer, Projektleiterin des Projekts «Erweiterte Tagesstrukturen», stellte das Grobkonzept vor. (Bilder: lmo)
Muriel Hammer, Projektleiterin des Projekts «Erweiterte Tagesstrukturen», stellte das Grobkonzept vor. (Bilder: lmo)

Bereits seit dem Schuljahr 2003/2004 gibt es in Zollikon die Freiwillige Tagesschule für Primarschülerinnen und -schüler. Damit nimmt die Gemeinde eine Vorreiterrolle ein: Nebst der Stadt Zürich war sie die erste im Kanton, die ein solches Gesamtkonzept einführte. Dies ist den Initiantinnen der IG Tagesschule zu verdanken. Da es nach der Betreuung in der Kinderkrippe Zollikerberg keine Anschlusslösung gab, beschlossen fünf berufstätige Mütter bereits 1992, mit der Idee einer Tagesschule Abhilfe zu schaffen. Die Mühlen mahlen bekanntlich langsam: Die Schulpflege unterstützte die Idee damals nicht. Zehn Jahre lang engagierten sich die Frauen und sensibilisierten für das Anliegen. Die Unterschriftensammlung für die Volksinitiative im Frühjahr 2000 war erfolgreich, und an der Gemeindeversammlung im Dezember wurde das «Projekt Freiwillige Tagesschule» von der Bevölkerung gutgeheissen. Zwei Jahre später bewilligte die Gemeindeversammlung 360 000 Franken für die Einrichtung der Betreuungshäuser. Zu Beginn des Schuljahrs 2003/2004 konnten im Zollikerberg sechzig und in Zollikon Dorf neunzig Kinder der Primarschule die neuen Betreuungsräumlichkeiten beziehen. Der Bedarf war sichtlich gross. Einige Jahre später wurde das Angebot auch für Kindergartenkinder und Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe ausgebaut.

Engere Zusammenarbeit von Schule und Betreuung

In Zollikon bestehen bereits heute gute Angebote und Strukturen. «Es ist Luxus, was wir hier in Zollikon haben. Es wird sogar eine Ferienbetreuung angeboten», schwärmt eine Mutter, deren zwei Kindergartenkinder an fünf Tagen pro Woche betreut werden. Sechs von zehn Kindern besuchen aktuell die Tagesbetreuung. 2018 waren es noch 48 Prozent, letztes Jahr bereits 59. In den 23 Jahren seit der Eröffnung ist viel passiert; die Gesellschaft hat sich verändert und mit ihr auch der Schulalltag und Tagesablauf der Kinder. Deshalb prüft die Schulpflege eine Weiterentwicklung der bestehenden Strukturen. Ziel ist es, den Schulunterricht und die unterrichtsergänzende Betreuung stärker als Einheit zu verstehen und bestehende Strukturen sorgfältig weiterzuentwickeln. So sollen beispielsweise die Zeitstrukturen innerhalb der Schuleinheiten und Jahrgänge besser aufeinander abgestimmt werden. Einheitliche Stundenpläne würden vor allem die Tagesplanung von Familien mit mehreren Kindern vereinfachen. Nebst der Schule und des unterrichtsergänzenden Betreuungsangebots besuchen viele Kinder die Musikschule, Sport- oder andere Freizeitangebote. Auch diese Aktivitäten müssen in die Familienplanung miteinbezogen werden. Künftig soll dies besser gelingen.

Bald keine Hausaufgaben mehr?

Ein zentrales Anliegen ist zudem die engere Zusammenarbeit zwischen den Lehrpersonen und dem Betreuungspersonal. Die gemeinsame Verantwortung für den Schulalltag soll gestärkt und klarer organisiert werden. Ein weiterer Schwerpunkt ist die individuelle Lernzeit. Das Lernen und Üben sollen vermehrt in den Schulalltag integriert und professionell begleitet werden. Was so viel heisst wie: In Zukunft soll es weniger bis gar keine Hausaufgaben mehr geben. Viele Eltern werden sich darüber freuen, diesen täglichen Kampf mit ihren Sprösslingen nicht mehr ausfechten zu müssen. Dennoch sollen sie weiterhin Einblick in die Arbeiten ihrer Kinder erhalten. Doch: Gut Ding will Weile haben.

Grobkonzept erstellt

Nach ersten Prüfungen und Schulbesuchen legte die Schulpflege im Juni 2024 die Rahmenbedingungen fest. Seit Frühling 2025 erarbeitete die Projektgruppe das Grobkonzept, das sie am Montagabend der Bevölkerung präsentierte. In der Projektgruppe vertreten sind alle Betreuungs- und Schulleitungen der Primar-, Sekundar- und Musikschule sowie der Leiter Bildung Urs Rechsteiner. Muriel Hammer wurde im März 2025 als Projektleiterin Tagesstrukturen engagiert und erklärt: «Die Umsetzung dieses Projekts ist kein Spaziergang auf der Allmend, sondern eher eine Besteigung des Piz Palü.» Mit der Erstellung des Grobkonzepts habe man gewissermassen die Berghütte erreicht. Darauf folgten die Detailkonzeption, der politische Prozess und schliesslich das Umsetzungskonzept. Wie bei einer Bergbesteigung wird die Weiterentwicklung in Etappen erfolgen.

Rund achtzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer brachten ihre Ideen und Wünsche ein.
Rund achtzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer brachten ihre Ideen und Wünsche ein.

Einbezug aller Beteiligten

Am öffentlichen Publikumsanlass stand der Dialog klar im Vordergrund. Nach einem kurzen Infoteil galt es mitzumachen. Die rund achtzig Teilnehmenden durften ihre Anregungen und Wünsche zu den Themen Tagesablauf, Zusammenarbeit, individuelle Lernzeit, unterrichtsfreie Zeit und Räume auf Zettel schreiben. Diese wurden an den zahlreichen Themenstationen aufgehängt und mit farbigen Punkten priorisiert. Jeder Stand wurde von Fachpersonen betreut, die den aktiven Austausch förderten. In angeregten Gesprächen wurden neue Ideen entwickelt und Zukunftsmusik gespielt. Diesen Frühling sollen auch Schülerinnen und Schüler befragt werden. Ob sie wohl dieselben Wünsche haben wie ihre Eltern? Auf den Zettel standen Ideen wie Meditation, Schulgarten oder Emotionsarbeit. Die gesamte Schulpflege sowie alle Schul- und Betreuungsleitungen standen für persönliche Gespräche zur Verfügung. «Ich finde es super, dass man als Eltern die Möglichkeit hat sich einzubringen. Es wird offen kommuniziert und informiert», sagte Erik Anerud, Vater von bald zwei Kindern. Er schätzte das Format des Abends sehr. Betreffend Familienfreundlichkeit sei in der Schweiz jedoch noch viel Luft nach oben, meint der gebürtige Norweger mit einem Schmunzeln. Die gesammelten Inputs werden nun auf ihre Machbarkeit geprüft und weiterverfolgt. Das wird dauern. Die Teilnehmenden sowie die Organisatoren waren sich in einem Punkt bereits einig: Es war ein gelungener Abend zu einem wichtigen Thema, das reichlich für Gesprächsstoff sorgte. Die Zukunft der Kinder betrifft letztlich die gesamte Bevölkerung.

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