Von Lea Moser ‒ 2. April 2026

Am Ostersonntag feiern Christen die Auferstehung von Jesus nach seiner Kreuzigung am Karfreitag. Die Hoffnung auf neues Leben begann. Ein neues Leben bekamen auch die neun Zwerghühner geschenkt, die Ende Januar 2025 bei klirrender Kälte vor dem Eingang eines Mehrfamilienhauses im Zollikerberg aufgefunden wurden. Zunächst war unklar, ob sie ausgesetzt worden waren, weshalb zahlreiche Medien die Suche nach dem Besitzer unterstützten (ZoZuBo 6/2025). Auf Anfrage bei der Kantonspolizei Zürich heisst es heute, die Hühner seien auf einem Balkon im ersten Stock gehalten worden und von dort weggeflogen. Vreni Guggisberg, die damals in die Rettungsaktion involviert war, kümmerte sich liebevoll um die neun Findlinge, die zunächst sechs Wochen in Quarantäne mussten.
Nach der Quarantäne nahm Doris Stieger, die Nachbarin von Vreni Guggisberg, die Tiere bei sich auf. «Die Hühner leben in einer grossen Voliere und müssen nur dort drin sein, wenn wir weg sind. Sonst haben sie den ganzen Garten zur freien Verfügung», erzählt Doris Stieger, nachdem sie den Hühnern ihr Futter und Leckerlis serviert hat: Eine Schale mit frischem Salat, Löwenzahn, Erdbeeren, Rüebli und Sonnenblumenkernen. Bevor sie die getrockneten Mehlwürmer dazugibt, sieht es auch für Menschen richtig amächelig aus. Obwohl die Hühner fliegen können, bleiben sie. Es scheint ihnen hier gut zu gefallen. Kein Wunder: Bei Minusgraden ist ihr Schlafbereich im Stall beheizt, und zur Gefiederpflege steht ihnen ein Sandbad zur Verfügung. «Wenn ich gärtnere, wollen sie immer mithelfen und in meiner Nähe sein», schmunzelt Doris Stieger. «Sie scharren den ganzen Garten um, nichts ist vor ihnen sicher.» In der Nähe lebt zwar ein Fuchs, dieser hat jedoch Respekt vor ihren zwei Hunden Ciccio und Coco: Es sind quasi Herdenschutzhunde für Hühner. Die ungleichen Haustiere verstehen sich prächtig. Manchmal ist Ciccio bei der Eiersuche schneller – und gönnt sich einen Leckerbissen.
«Der Ausdruck ‹du dummes Huhn› ist eine Beleidigung für die Hühner. Die sind nämlich richtig clever und neugierig», räumt Doris Stieger mit einem Vorurteil auf. «Es gibt immer etwas zu lachen. Mit ihnen wird einem nie langweilig.» Alle haben einen Namen. Ein Huhn heisst «Fly-Away», weil es bei der Rettungsaktion auf das Dach eines Mehrfamilienhauses und dann weiter auf eine hohe Tanne flog. Nur dank des unwiderstehlichen Rufs eines Hahns in der Nachbarschaft konnte sie eine Woche später eingefangen werden. «Fly-Away ist die kleinste und kuschelt sich zum Schlafen gerne unter den Flügel des grossen Cochin-Huhns. Das ist wie eine Daunendecke», verrät Doris Stieger. Alle acht Hühner sitzen zum Schlafen dicht nebeneinander auf der Stange. Leider nur noch acht – ein schwarzes Huhn musste aufgrund eines Gendefekts eingeschläfert werden. «Es war eindrücklich zu sehen, wie sich jedes Huhn und auch die Hunde von ihm verabschiedet haben.» «Avra» flog bei der Einfangaktion für zwei Tage auf ein Dach und landete schliesslich im Garten einer Villa. Doris Stieger musste dort klingeln, um auf den unverhofften Hühnerbesuch aufmerksam zu machen. «Alpha» ist die Mutigste und die Ranghöchste in der Hackordnung. Wenn sie im Sand badet, will sie nicht gestört werden. Viel Wert auf ihre Erscheinung legt auch «Chica», die besonders stolze und elegante Hühnerdame. «‹Lulu› ist eine richtige ‹Radauhenne›, frech und manchmal zickig», lacht Doris Stieger.
«Lala» war diesen Frühling die Erste, die ein Ei legte. Laut gackernd teilte sie die frohe Botschaft ihren Artgenossinnen mit. Im Frühling, wenn die Tage länger und wärmer werden, kehrt bei den Hühnern die Lebens- und Legefreude zurück. Im Winter herrscht hingegen Legepause: Während der sogenannten Mauser, die bis zu zwölf Wochen dauern kann, erneuern die Tiere ihr Federkleid und legen keine Eier. Die Produktion ist vor einigen Wochen wieder gestartet. So glücklich wie diese Hühner wirken, dürften es wohl die besten Eier weit und breit sein.

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