Eine Stimme für Bus, Bahn und Schiff

Von Joachim Lienert ‒ 17. April 2026

Nicht nur der Geisterschiffsteg (ZoZuBo 15/2026) wirft Wellen. Auch die Buslinie 910 treibt als Dauerthema die Zolliker Bevölkerung um. Jetzt bringt der Gemeinderat die Rückmeldungen der Bevölkerung beim ZVV an.

Die Gemeinde setzt ein (Rauch-)Zeichen: Der Schiffsteg von Zollikon muss auch in Zukunft angefahren werden! (Bild: jli)
Die Gemeinde setzt ein (Rauch-)Zeichen: Der Schiffsteg von Zollikon muss auch in Zukunft angefahren werden! (Bild: jli)

Die Gemeinde Zollikon ist im Fahrplanverfahren 2027/2028 des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) gleich von mehreren geplanten Anpassungen betroffen. Der geplante Verbundfahrplan lag vom 9. bis 29. März öffentlich auf. In dieser Zeit konnte die Bevölkerung bei der Gemeinde Änderungswünsche einreichen. Die Gelegenheit wurde rege genutzt, «es gingen zahlreiche Begehren ein», teilt die Gemeinde in einer Medienmitteilung mit.
Bis heute Freitag hat die Gemeinde Zeit, ihre Stellungnahme zusammen mit den Rückmeldungen aus der Bevölkerung an die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) als marktverantwortliches Verkehrsunternehmen weiterzuleiten. Der Gemeinderat hat das Fahrplanverfahren und die eingegangenen Begehren an seiner jüngsten Sitzung beraten und beschlossen, neben den eigenen Anträgen sämtliche Begehren aus der Bevölkerung – mit einer Ausnahme – zu unterstützen. Er bringt beim ZVV folgende Einwendungen ein: Buslinie 910: Diese soll neu bis zum Bahnhof Tiefenbrunnen geführt werden. Der Gemeinderat schlägt konkret folgende Linienführung vor: Maur – Sennhof – Dufourplatz – Bahnhof Zollikon – Seestrasse – Bahnhof Tiefen­brunnen – und retour auf derselben Strecke. Mit dem Einsatz für eine Führung über den Bahnhof Zollikon und die Seestrasse zum Bahnhof Tiefenbrunnen weicht er hier ausnahmsweise vom Vorschlag aus der Bevölkerung ab. Fahrplan der Linie 910: Dieser soll auf alle Wochentage erweitert werden und eine Verdichtung des Angebots auf einen Viertelstundentakt zwischen Zollikon und Maur beinhalten. Schiffsteg Zollikon: Dieser soll weiterhin im Kursbetrieb der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) angefahren werden. Der Fahrplan des Kurses 3731 soll wie 2025 weitergeführt werden. Forchbahn S18: Sie soll künftig zwischen der Station Waldburg und der Haltestelle Zollikerberg Station im Trambetrieb geführt werden. Zudem soll die Forchbahn mit ihren Schnellzügen anstelle der Haltestelle Rehalp eine Haltestelle im Zollikerberg bedienen. SBB-Direktverbindung zum Flughafen Zürich: Diese soll von den Bahnhöfen Zollikon und Tiefenbrunnen längerfristig sichergestellt werden. Bahnhof Zollikon: Der Hauptzugang zum Perron soll auf direktem Weg von der Bushaltestelle her barrierefrei gestaltet werden, damit auch Fahrgäste mit Beeinträchtigung die Anschlusszüge und -busse rasch und sicher erreichen können. Zudem soll auf der Seite des Bahnhofgebäudes ein weiteres Perron erstellt werden, um das Umsteigen in Fahrtrichtung Rapperswil zu erleichtern.

Klare Signale von der Bevölkerung

Auf Anfrage nennt Gemeindepräsident Sascha Ullmann zwei Prioritäten: die Buslinie 910 und den Schiffsteg. «Ein Schiffsteg ohne Schiff ergibt keinen Sinn. Wir wurden überrascht von der geplanten Aufhebung der Schiffsanbindung. Sie kam quasi en passant; auch wir sahen sie erst bei der Fahrplanauflage im März.» Die Gemeinde werde sich dafür einsetzen, dass eine Schiffsverbindung erhalten bleibe. Und bei der Buslinie 910 habe man von der Bevölkerung klare Signale erhalten, sich für deren Weiterführung einzusetzen. «Das werden wir tun.»
Zwölf Regionale Verkehrskonferenzen (RVK) gibt es im ZVV. Die Einwendungen von Zollikon werden in einem nächsten Schritt in der Regionalen Verkehrskonferenz Pfannenstiel besprochen. Darin sind Exekutivpolitiker des ganzen Bezirks Meilen und einiger weiterer Gemeinden sowie Entscheidungsträger der beteiligten Verkehrsunternehmen vertreten. Für Zollikon nimmt Sascha Ullmann in dem Gremium teil. Er wird an der nächsten Tagung im Mai die Anliegen der Gemeinde vorbringen. «Die Regionale Verkehrskonferenz bespricht alle Anliegen und entscheidet, ob sie diese unterstützt oder nicht.» Somit braucht Zollikon also die Zustimmung der Mehrheit dieser Konferenz. Ist dies der Fall, trägt die RVK die Anliegen vor den ZVV.

Alles hängt an der Regionalen Verkehrskonferenz

Zu der häufig gehörten Idee, dass eine Gemeinde selbst eine Verbindung finanzieren könne, sagt Sascha Ullmann: «Jede Linie bleibt immer Teil des Fahrplanverfahrens. Alle Änderungen der Linien müssen im Fahrplan abgebildet sein. Es ist möglich, dass der Verkehrsrat sagt, er anerkenne ein Bedürfnis, doch müsse die Gemeinde das Angebot mitfinanzieren.» Dass die Gemeinde einfach ein eigenes Angebot auf eigene Kosten erstellt, funktioniert hingegen nicht – die Aufnahme in den Fahrplan läuft immer über den Kanton. Es bleibt die Hoffnung, dass die RVK an ihrer Sitzung die Anliegen von Zollikon unterstützt und in den Verkehrsrat trägt. Dieser wird im Juli abschliessend über den Fahrplan 2027/2028 entscheiden. Der neunköpfige Verkehrsrat des Zürcher Verkehrsverbunds ist für die Geschäfts- und Haushaltsführung des ZVV verantwortlich und setzt sich aus Vertretern des Kantons, der Städte Zürich und Winterthur, der Gemeinden, der SBB und des Bundes zusammen. Wie gross sind die Chancen, dass die Zolliker Anliegen durchkommen? Sascha Ullmann sagt: «Die Gemeinde Zollikon hat eine einzige Stimme in der Regionalen Verkehrskonferenz. Das wird ein demokratischer Mehrheitsentscheid.» Sascha Ullmann kommt damit die Aufgabe zu, die anderen Gemeinden davon zu überzeugen, was Zollikon in Sachen Bus, Bahn und Schiff braucht.

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