Von Lea Moser ‒ 17. April 2026

«Wenn ich keine Rotkreuzfahrt habe, schnappe ich meine Kamera und beobachte die Wasseramseln im Küsnachter Tobel», erzählt Walter Rüegsegger. Er ist fasziniert vom einzigen Singvogel, der tauchen kann, obwohl er keine Schwimmhäute besitzt. «Sie sind momentan sehr aktiv. Sie fliegen durch den Wasserfall hindurch, um im Felsen dahinter zu brüten.» Auch in Zumikon ist er gerne mit seinem Teleobjektiv unterwegs und fotografiert Füchse und Dachse. «Wenn ich mich nicht bewege, kann ich mich ihnen bis auf zehn Meter nähern. Die Jungen sind so ihrem Spieltrieb verfallen, dass sie mich kaum bemerken», sagt der passionierte Hobbyfotograf schmunzelnd. In der Region Chapf gibt es einen Bau, der gleichzeitig von Fuchs und Dachs bewohnt wird. «Manchmal gibt es Tage, an denen finde ich nichts, und dann wieder Tage, an denen ich dauernd fotografieren könnte.» In Grindelwald beobachtete er nebst Füchsen und Dachsen auch Schneehühner, Birkhähne und einmal einen braunen Schneehasen im Sommer.
«Im Frühling 2017 habe ich angefangen, ehrenamtlich für das Rotkreuz zu fahren. Ich bin pensioniert, und meine Frau arbeitet immer mittwochs und donnerstags.» Die damalige Dispositionsleiterin war eine Nachbarin, und Walter Rüegsegger erkundigte sich, ob er beim Rotkreuzfahrdienst mithelfen könne. «Zehn Tage im Voraus kann ich mich in der App einloggen und schauen, welche Fahrten noch Fahrer suchen. Dann kann ich mich einbuchen für die Fahrten, die ich übernehmen will.» Es ist ein Freiwilligendienst; lediglich die Unkosten für das Auto werden gedeckt. «Ich bringe die Patientinnen und Patienten zum Arzttermin oder in die Physiotherapie und wieder zurück.» Die Wartezeit überbrücke er in einem Café. «Ende dieses Jahres, nach acht Jahren, höre ich auf, dann bin ich 75 Jahre alt», bekundet der rüstige Pensionär.
Auch im Männerturnverein Zumikon sorgt er dafür, dass ältere Menschen mobil bleiben. Seit fünf Jahren leitet er mittwochs das Turnen mit Schwerpunkt auf Beweglichkeit und Gleichgewicht. Um auch geistig im Gleichgewicht zu bleiben, singt Walter Rüegsegger seit 51 Jahren im Männerchor Zumikon, wo er mittlerweile der Dienstälteste ist. Fast dreissig Jahre war er bei der Feuerwehr, die letzten sieben als Kommandant. «Als ich mit der Feuerwehr aufhörte, ging ich in den Verschönerungsverein. Dort helfe ich mit, die Bänkli und Feuerstellen zu warten und die 1.-August-Feier zu organisieren.» Er hat auch den grossen Holzbrunnen am Isenbüelweg auf der Grenze von Zumikon und Maur ersetzt (ZoZuBo 43/2022). Walter Rüegsegger geniesst das Leben und ist dankbar, gesund zu sein: «Mir wird nie langweilig – mit all den Hobbys.» Durch seine Vereinstätigkeit hat er viele Menschen im Dorf kennengelernt und fühlt sich hier zuhause.
In Ittingen am Stadtrand von Bern wuchs Walter Rüegsegger als Ältester von vier Kindern auf. Im Frühling 1962 übernahm der Vater einen Pachtbetrieb mit Milchwirtschaft in Kempraten: Der erste Umzug für den Elfjährigen. Da die Obst- und Weinbaugenossenschaft Wädenswil fünf Jahre später den Betrieb übernahm und Reben pflanzte, musste die Familie erneut umziehen. Dieses Mal nach Liestal im Baselbiet, im Frühling 1967. Der Vater war dort auf einem Bauernbetrieb angestellt, weil er keinen Hof zur Pacht gefunden hatte. «Ich begann in Liestal meine Lehre als Maschinenschlosser. Ein Jahr später konnte mein Vater einen Hof in Feldbach übernehmen, und so zogen wir wieder zurück an den Zürichsee», erinnert sich Walter Rüegsegger. Die drei übrigen Jahre seiner Ausbildung absolvierte er in der Webereimaschinenfabrik Joweid in Rüti im Zürcher Oberland. «Weil es von Feldbach nach Rüti mit dem 30er-Töffli etwas lange dauerte, wohnte ich unter der Woche im Lehrlingsheim. Die Firma Joweid hatte fast zwanzig Auszubildende und bot diesen Zweierzimmer und eine Kantine an». Nach der Lehre ermöglichte es ihm die Firma, Deutschland und das Elsass als Monteur für maschinell betriebene Webstühle zu bereisen. Danach fand er eine Anstellung als Gemeindearbeiter im Werkhof in Zumikon und besuchte während diesen drei Jahren die Abendhandelsschule. Später engagierte ihn die Firma Hoval im Serviceinnendienst, wo er Servicemonteure disponierte und Kundentelefone entgegennahm. «Weil es noch keine schnurlosen Telefone gab, mussten die Kunden immer zur Zentralheizung im Keller rennen, um meine Tipps auszuprobieren.» Die Kundschaft sei damals geduldiger gewesen: «Sie wartete eine Woche, bis sie per Postkarte informiert wurde, wann der Monteur vorbeikommt.» Nach sieben Jahren wechselte er in den Verkaufsinnendienst der Heizungsfirma des Walter Meier Konzerns. «Als der Bürojob immer stressiger wurde, wollte ich wieder mehr handwerklich arbeiten. Ich blieb fast 30 Jahre bei der Firma – die letzten 13 führte ich den Profishop», erzählt Walter Rüegsegger. Heizungsmonteure konnten bei ihm im Laden Ersatzteile abholen. «Der Beruf hat mir Spass gemacht. Ich schätzte vor allem den direkten Kundenkontakt.»
Im Frühling 1969 zog die Familie Rüegsegger nach Zumikon, wo er seine zukünftige Frau kennenlernte. «Ihre Eltern waren auch Bauern, und wir haben beide die Milch zur Milchhütte, ins Haus, wo jetzt der Prima drin ist, gebracht», erinnert er sich an ihre erste Begegnung. Mit dem Familienauto, einem VW-Käfer, gingen sie öfter in den Ausgang – eins trinken, Minigolf spielen oder ins Kino. Auch an der Jungbürgerfeier begegneten sie sich. Damals wurde man mit zwanzig dazu eingeladen. 1976 kam der erste Sohn zur Welt, zwei Jahre später die Tochter und 1981 der jüngste Sohn. Die beiden Söhne leben im Ausland, die Tochter wohnt in Zumikon. Neben Reisen nach Skandinavien, Schottland und Irland machten sie früher keine grossen Sprünge. Um die Söhne zu besuchen, folgten in den letzten Jahren Reisen in die USA und nach Kanada. Auf Vancouver Island gab es für den Hobby-Tierfotografen viele Wale und Schwarzbären zu beobachten.
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