Ungewohnt, aber geplant: Jahresrechnung 2025 im Minus

Von Joachim Lienert ‒ 17. April 2026

Man muss weit zurückblättern, um in der Jahresrechnung von Zollikon ein Minus zu finden. Letztmals war dies 2012 der Fall; 13 Jahre später also wieder – und zwar geplant.

Eine Investition, die vollendet werden kann: Jetzt setzen Arbeiter die Sonnensegel über den Fitnessgeräten der Sportanlage Buechholz. (Bild: jli)
Eine Investition, die vollendet werden kann: Jetzt setzen Arbeiter die Sonnensegel über den Fitnessgeräten der Sportanlage Buechholz. (Bild: jli)

Die Gemeinde hat ihre Jahresrechnung 2025 veröffentlicht. Mit einem Gesamtertrag von 207,4 Millionen Franken und einem Gesamtaufwand von 211,0 Millionen Franken schliesst sie mit einem Minus von 3,650575 Millionen Franken ab. Eine rote Zahl – das haben die Zollikerinnen und Zolliker schon lange nicht mehr gesehen. Letztmals 2012 wies die Gemeindekasse einen Minusbetrag von 2,1 Millionen Franken aus. Kein Grund zur Sorge – im Gegenteil. Finanzvorsteherin Sylvie Sieger sagt: «Es ist schon fast ein Jackpot. Wir liegen nur gerade 3525 Franken neben dem Budget.» Dieses sah ein Minus von 3,654100 Millionen Franken vor. «Zollikon hat ein sehr hohes Nettovermögen. Jetzt verzeichnen wir einen kontrollierten Abbau, wie er vom Gemeinderat geplant war.» Es sei der richtige Entscheid gewesen, den Steuerfuss unverändert zu belassen; so komme man dem Zielband näher, das der Gemeinderat definiert habe.

Tiefere Steuereinnahmen

Zur Begründung des Ergebnisses 2025 verweist die Finanzvorsteherin auf bedeutende Verschiebungen im Vergleich zur Budgetierung. Sowohl der Aufwand als auch der Ertrag fielen um jeweils 1,8 Millionen Franken tiefer aus als budgetiert. Die Steuererträge blieben 1,2 Millionen Franken unter den Erwartungen. Das Nettovermögen reduzierte sich planmässig um 13,2 Millionen Franken auf neu 95 Millionen Franken. Der Selbstfinanzierungsgrad beträgt 51 Prozent. Dass die ordentlichen Steuern im laufenden Jahr zurückgingen, konnte teilweise durch höhere Erträge aus den Vorjahren kompensiert werden. Negativ schlugen die tieferen Quellensteuern zu Buche, während die Grundstückgewinnsteuern dagegen deutlich über den Erwartungen lagen. Die tieferen Steuererträge beunruhigen Sylvie Sieger nicht. «Die Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission sagt immer, wir würden zu vorsichtig budgetieren; vielleicht waren wir jetzt etwas zu mutig.» Zum zweiten Mal nach 2024 fallen die Steuereinnahmen des aktuellen Jahres tiefer als budgetiert aus. Dafür fallen die Steuern «Vorjahr» immer höher als budgetiert aus. «Das ist sehr schwierig zu interpretieren, denn die Steuerrechnung wird ja erst später definitiv, das kann bis zu zehn Jahre dauern.»

Verzögerungen führen zu Investitionsstau

Positiv auf die Jahresrechnung wirkte sich insbesondere das Pflegezentrum Blumenrain aus, teilt die Gemeinde mit. Dank einer höheren Auslastung wurde ein besseres Ergebnis erzielt als budgetiert. Gemäss der Medienmitteilung der Gemeinde fielen auch in der Informatik und im Bereich Liegenschaften die Aufwendungen tiefer aus als erwartet. «Mehrkosten entstanden hingegen aufgrund höherer Fallzahlen in der wirtschaftlichen Hilfe, zusätzlicher Ausgaben im Schulbereich für externe Platzierungen sowie erhöhter Kosten in der Entsorgung infolge Neuvergabe des Auftrags.» Das negative Ergebnis also nimmt die Gemeinde entspannt. Sorgen bereiten Sylvie Sieger zwei andere Punkte: die geopolitische Lage, die es schwieriger machen dürfte, die künftigen Steuereinnahmen zu budgetieren – und die Investitionen. Statt der geplanten rund 38 Millionen hat die Gemeinde 2025 nur 21,1 Millionen Franken investiert. «Verzögerungen bei zentralen Vorhaben – insbesondere bei der Sanierung der Schwimmanlage Fohrbach sowie bei Projekten im Schulhaus- und Betreuungsbereich Rüterwis – führten zu einer Realisierungsquote von lediglich 51 Prozent», heisst es in der Medienmitteilung zur Jahresrechnung. Sylvie Sieger erklärt: «Kurzfristig entlasten die tieferen Investitionen die Rechnung, weil auch die Abschreibungen geringer ausfallen. Langfristig entsteht dadurch jedoch ein Investitionsstau, den wir konsequent abbauen müssen. Wichtig ist jetzt, dass wir das Fohrbach und die Schulräume fertig bauen, das Geld ist vorhanden.»

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