Im Einklang mit der Harmonie

Von Lea Moser ‒ 24. April 2026

Das Orchester ZUMICO des Musikvereins Harmonie Zumikon nimmt über Auffahrt am eidgenössischen Musikfest in Biel teil. Dieses Jahr zusammen mit der Musikgesellschaft Fällanden als Projektorchester «Klangbrücke Fällanden Zumikon».

In Zumikon spielen sie Stücke von Queen, Coldplay und aus dem Marvel-Superhelden-Universum. (Bilder: zvg)
In Zumikon spielen sie Stücke von Queen, Coldplay und aus dem Marvel-Superhelden-Universum. (Bilder: zvg)

Das Eidgenössische Musikfest findet alle fünf Jahre statt und gilt mit mehr als 30 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern als weltweit grösster Musikwettbewerb. Über eine Million musikinteressierte Menschen kommen zusammen und feiern während vier Tagen die Liebe zur Blasmusik. 550 Blasmusikvereine mit 22 200 Musikerinnen und ­Musikern treten an und kämpfen in unterschiedlichen Kategorien und Stärkeklassen um den Titel «Schweizermeister für fünf Jahre». Ein ehrenamtliches, 16-köpfiges Organisationskomitee des Blasmusikverbandes und 2400 Helfer­innen und Helfer sorgen für den reibungslosen Ablauf dieses Grossanlasses. Auch Zumikon war während der letzten drei Ausgaben des musikalischen Gipfeltreffens der Blasmusik mit dabei, vertreten durch den Musikverein Harmonie Zumikon, der 1991 zum ersten Mal teilnahm. Für die fünfte Teilnahme an der diesjährigen 35. Ausgabe schloss er sich aus Personalmangel mit der Musikgesellschaft Fällanden zusammen. Beide Vereinspräsidenten wohnen in Zumikon, daher kennt man sich. Dirigiert wird das Orchester von den Vereinsdirigenten Cyrill Oberholzer und Sandro Pfister. Mit dem neu gegründeten Projekt­orchester «Klangbrücke Fällanden Zumikon» treten die 40 Musikerinnen und Musiker in der dritten Stärkeklasse der Konzertmusik mit der Besetzung «Harmonie» an. Für die Konzertmusik gibt es fünf Stärkeklassen; die Höchstklasse spielt auf professionellem Niveau. In der Unterhaltungsmusik sind es deren drei. Es gibt folgende Besetzungstypen: «Harmonie» (Blasorchester), «Brass Band» (reine Blechbläserformation ohne Flöten, Klarinetten, Saxofone usw.) und «Fanfare» (Brass Band mit Saxo­fonen). René Doldt, Präsident des Musikvereins Harmonie Zumikon, sagt: «In der zweiten Stärkeklasse sind die Besetzungsvorgaben so streng, dass wir Aushilfen benötigen würden. Wir haben zum ­Beispiel kein Fagott und keine Oboe. Ein Blasorchester ist wie ein klassisches Orchester, einfach mit Klarinetten statt Geigen.» Ein Orchester hat normalerweise drei Trompetenstimmen, und für jede Trompete braucht es drei Klarinetten, damit man sie hört. Also müsste ein Drittel des Orchesters aus Klarinetten bestehen.

Freie Interpretation

«Es ist eine reizvolle Herausforderung, neben dem Selbstwahl- auch ein Pflichtstück innerhalb von zehn Wochen zum Klingen zu bringen. Das fördert die musikalische Fitness der einzelnen Mitwirkenden und macht unheimlich viel Spass», schwärmt René Doldt. Die Pflichtwerke werden jeweils neu für das Musikfest komponiert. Es existiert also keine Vorlage, jede Formation muss selbst herausfinden, wie sie das Stück interpretieren will. Das diesjährige Pflichtstück heisst «Bouffonneries» und wurde von Benedikt Hayoz komponiert. «Das Stück ist technisch sehr anspruchsvoll. Es setzt Kenntnisse der Renaissance und der Romantik voraus, man muss aber auch Jazz beherrschen.» So wird es um die 147 verschiedene Interpretationen geben. Dies wird für die internationalen Profis in der Jury, das Publikum sowie für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer spannend. Letztere sind eingeladen, vor- und nach dem eigenen Auftritt bei der Konkurrenz rein­zuhören. «Das Zusammentreffen mit ‹Gleichtönenden› macht Freude – man kennt sich und besucht befreundete Formationen.» Als selbstgewähltes Wettbewerbsstück spielt die Klangbrücke Fällanden Zumikon «Cleopatra» von Thierry Deleruyelle. «Das Wichtigste ist es, die Selbstwahlstücke anhand der Stärkeklasse auszuwählen. Jedes Stück ist beim Verlag bereits in eine Stärke- oder Schwierigkeitsklasse eingeteilt.» Die Rangierung am Musikfest sei sekundär, die Rückmeldung der Jury mit der Würdigung der Vorträge sei vor allem wichtig.

Wertvolles Jurygespräch

Jeder Blasmusikverein erhält während des Wettbewerbs ein Jury­gespräch. In der Jury sitzen jeweils grosse Komponisten und Dirigenten. Sie weisen das Orchester in ihrer fachkundigen Beurteilung auf Stärken und Schwächen hin. Dieser Austausch ist sehr wertvoll. «Letztes Mal traten wir mit einem ‹durchsichtigen Orchester› an. Jede Stimme war durch einen Solisten besetzt», erinnert sich der Präsident. Die Rückmeldung der Jury war gut. «Es habe total Spass gemacht, uns zuzuhören, es seien reife Solisten, und das Orchester habe sich gut ­angepasst.» Das Jurygespräch ist eine Art Standortbestimmung für die musikalische Qualität des Vereins. Mit dem Projektorchester ist die ­Situation neu. «Es ist einerseits eine Möglichkeit, wieder einmal in einem gut besetzten Orchester mitzuspielen: andererseits ist es ein gewisses Risiko, nach Abschluss des Projekts wieder in einen regulären Betrieb als Musikverein zurückzufinden.»

Zusätzliche Proben

«Da das Projektorchester über zwei Lokale und zwei Dirigenten verfügt, haben wir dies für Satzproben genutzt. Es proben dann jeweils die Holz- oder Blechregister untereinander.» Ebenso fanden bereits Register- und Gesamtproben an einem Probewochenende statt, und es wird nochmals ein Probesonntag stattfinden. «In den Registerproben spielen jeweils die gleichen Instrumente unter sich. Beispielsweise alle Trompeten, alle Posaunen; diese Proben sind kurz, aber intensiv und finden alle in separaten Räumen statt», so René Doldt über die Vorbereitungen auf das eidgenössische Musikfest.

Straffer Zeitplan

Da mehr als 2000 Teilnehmende in der dritten Stärkeklasse spielen, müssen sich alle an einen straffen Zeitplan halten. Es stehen in Biel 33 Konzertlokale wie Konzertsäle, Aulen oder Kirchen zur Verfügung. Das Zumiker Projektorchester tritt im grossen Saal des Kirchgemeindehauses der Pauluskirche auf. Eine Minute muss genügen, um den Klang zu testen. Nach 30 Minuten ist der Spuk vorbei. Wer nicht bis nach Biel reisen möchte, kann die «Klangbrücke Fällanden Zumikon» bald in Zumikon am Projektabschlusskonzert live erleben. Vorher spielt ZUMICO wie gewohnt am Muttertag auf dem Zumiker Dorfplatz auf.

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