Lehrerin aus Leidenschaft

Von Lea Moser ‒ 24. April 2026

Ob Textil-, Schul- oder Lesestoff, Gaby Schaub hat viele Interessen. Die ehemalige Präsidentin des Frauenvereins schätzt die Arbeit mit Kindern sehr.

Einmal Pfadi – immer Pfadi: Gaby Schaub war früher Abteilungsleiterin der Pfadi Zumikon und ist heute Mitglied der Silver Scouts. (Bild: lmo)
Einmal Pfadi – immer Pfadi: Gaby Schaub war früher Abteilungsleiterin der Pfadi Zumikon und ist heute Mitglied der Silver Scouts. (Bild: lmo)

«Es gibt keine Reise, auf der ich nicht nach schönen Stoffen Ausschau halte», gesteht Gaby Schaub schmunzelnd. Während sie sich auf die Pirsch nach speziellen Textilien macht, schreibt ihr Mann Postkarten. Sie «büeze» sehr gerne – schon als Kind mit den Stoffresten ihrer Mutter. Mit Begeisterung und Leidenschaft fertigt sie an der Nähmaschine Kleider aller Art: von der Badehose über das Ballkleid bis zum Gilet mit der passenden Fliege. Jeden Donnerstagmorgen geniesst sie ihre «Me-Time» im Nähkurs. Ihr Handy schaltet sie während diesen Stunden aus.

Manchmal streng, aber immer fair

Man spürt das Feuer der Leidenschaft, wenn Gaby Schaub über ihren Beruf als Primarlehrerin der 4. bis 6. Klasse spricht. Die Arbeit mit den jungen «Menschlein», wie sie sie liebevoll nennt, erfüllt sie. «Schulkinder in der 4. Klasse sind leicht zu begeistern, man kann gute Gespräche führen, sie verstehen ihr Handeln, und auch wenn sie Fehler gemacht haben, kann man wie ­Erwachsene mit ihnen sprechen.» Sie auf das Leben vorbereiten – deshalb machte sich die Lehrerin immer für ausserschulische Aktivitäten wie Exkursionen und Ausflüge stark. Sie war auch Hauptleiterin einiger Schneesportlager. «Es sind genau diese Erlebnisse aus der Schulzeit, an die man sich ein Leben lang erinnert.» Gaby Schaub mag die ­Herausforderung, aus einer «Schicksalsgemeinschaft» mit den unterschiedlichsten Charakteren das Beste zu machen. Als besonders bereichernd an der Arbeit mit Kindern empfindet sie deren Ehrlichkeit. Sie steht kurz vor der Pension, hat aber letzten Sommer noch die Stelle gewechselt. «Ich habe ein kleines Pensum, das ist auch gut so. Einen Tag pro Woche kümmere ich mich um meinen bald zweijährigen Enkel.» Solange sie gesund ist, Freude daran hat und es vom familiären Umfeld her passt, will sie weiter unterrichten. Ihre ältesten Schülerinnen und Schüler sind heute bereits 50 Jahre alt. An der Augenpartie erkenne sie ihre ehemaligen Schützlinge sofort. Auch die Vornamen sind noch präsent. Im inneren Auge sieht sie dann die teils schüchternen Kinder von damals wieder vor sich.

Selbst Schülerin

Sie spiele zweieinhalb Instrumente, sagt Gaby Schaub lachend: Querflöte, Gitarre und ein bisschen Klavier. «Gitarre lernte ich am Lagerfeuer in der ­Pfadi, Flöte als Kind und Querflöte als Erwachsene.» Alle zwei Wochen besucht sie den Querflötenunterricht. Auch die Erwachsenen werden für die Musikschulkonzerte aufgeboten. «Konzertbesuche – Musik machen und hören – berühren mich emotional. Es ist auch eine ­Herausforderung für das Gehirn.» Ihr Mann spielt sehr gut Klavier, daher war es den beiden wichtig, ihren Kindern die Liebe zur Musik weiterzugeben. In Zumikon aufgewachsen, ging Gaby Schaub nach der 6. Klasse an die Höhere Töchterschule in Zürich. Mit dem Forchbähnli dauerte die Fahrt bis zum Stadelhofen damals noch 46 Minuten, heute dank der Tunnels nur noch 19. Es gab extra eine «Landklasse» für auswärtige Kinder. Deren Unterricht begann bereits um 7.20 Uhr und dauerte durchgehend bis 13 Uhr. Gaby Schaub absolvierte die B-Matur mit Latein. Sprachen faszinierten sie schon immer. Allerdings mehr in der Praxis als in der Theorie. Vom Sekundarschulstudium wechselte sie kurze Zeit später zum Lehrgang für Primarlehrerin.

Auch eigene Kinder

«An einem Familienfest von gemeinsamen Freunden lernte ich meinen Mann kennen. Wir sassen zufällig am selben Tisch», erinnert sich Gaby Schaub. Sie heirateten 1985, zwei Jahre später, in der Kirche St. Peter in Zürich. «Die Schulkinder aus meiner Klasse studierten extra für die Hochzeit ein Singspiel ein.» 1988 kam ihre erste Tochter zur Welt, ein Jahr später die zweite, und 1991 folgte der Sohn. «Da ich mich im Beruf immer um fremde Kinder kümmerte, war es mir wichtig, meine eigenen Kinder aufwachsen zu sehen. Deshalb hatten wir eine traditionelle Rollenteilung.» Nach zehn Jahren Pause begann die Primarlehrerin wieder mit Vikariaten und steigerte dann langsam das Pensum ihrer Teilzeitstellen. Seit 2002 wohnt sie wieder – mit einem Unterbruch in Witikon und Küsnacht – in Zumikon. Das Grundstück in Zumikon sei ein schöner «Zu-Fall» gewesen, wie sie es formuliert. «Ich kam nicht weit», sagt sie und lacht. «Mein Mann hatte ein Maler- und Gipser-Geschäft am Hegibachplatz – unsere Tochter führt es seit einem Jahr in fünfter Generation.» Dank der Nähe zum Geschäft waren gemeinsame Mittagessen mit dem Familienvater möglich.

Frauen-Power

«Als ich nach Zumikon zurückkam, suchte ich eine Möglichkeit, um ­Kontakte zu knüpfen und mich
im Dorf für die Gemeinschaft zu engagieren. So wurde ich Mitglied des Frauenvereins», erzählt Gaby Schaub. Ziemlich rasch wurde sie in den Vorstand geholt und engagierte sich dort 22 Jahre, acht ­davon als Präsidentin. «Ich war damals Vizepräsidentin. Meine Vorstandskolleginnen überredeten mich bei ein paar Gläsern Wein, das Präsidium zu übernehmen.» Es hiess, es gebe nicht viel zu tun, sie müsse nur vor die Leute stehen – für die Lehrerin kein Problem. Natürlich gab es dann doch mehr zu tun: Die ­Jubiläumsfeier «150 Jahre Frauenverein» stand an und die Kleiderbörse musste neu ­organisiert werden. Die Kleider- und Spielzeugbörse ist seit 50 Jahren ein beliebter Treffpunkt im Dorf. Die grosse Feier mit einer Ausstellung auf dem Dorfplatz und Mitwirkung anderer Vereine bleibt in bester ­Erinnerung. Jedes Jahr spendet der Frauenverein einen Betrag an eine Schweizer Institution. Die symbolische Übergabe vor Ort bietet einen Einblick in andere Lebenskonzepte und Alltagsstrukturen. «Die schönen Begegnungen und der Austausch über die Kantonsgrenzen hinweg sind unbezahlbar. Es entstehen wertvolle Freundschaften», so die ehemalige Präsidentin. Die 64-jährige treibt gerne Sport: jede Woche Pilates, im Sommer wandern und walken, im Winter langlaufen. Sie liest gerne Krimis – aus Schweden und der Schweiz –, weil sie da die Orte des Geschehens kennt. Auch die Gartenarbeit und das Zusammensein mit anderen Menschen sind ihr wichtig. «Ich wäre eine schlechte Einsiedlerin. Ich habe es sehr gerne lustig. Lachen ist ein befreiendes Gefühl.»

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