Aufmerksamen Beobachtern des Sechseläutenumzugs fiel bei der Zunft Riesbach sofort auf: Die historische Trotte, üblicherweise von fünf russischen Kaltblütern gezogen, war nicht dabei. Die Weinpresse aus dem Jahr 1631 diente in Rudolfingen im Zürcher Weinland bis 1954 dem Pressen von Trauben.
Steht seit Jahrzehnten an der Oberdorfstrasse in Zollikon – und fuhr oft gezogen von einem Fünfergespann am Sechseläuten mit. (Bilder: cef/zvg)
Ein besonderes Ereignis war das Sechseläuten 1966: Die mächtige, blumengeschmückte Trotte wurde erstmals von fünf Pferden durch die Strassen Zürichs gezogen. Anschliessend fand sie an der Oberdorfstrasse in Zollikon einen neuen Standort, wo sie seither das ganze Jahr über besichtigt werden kann. Verantwortlich für die Organisation des Unterstands in Zollikon zeichnete der damalige Zolliker Zunftmeister Hansruedi Spielmann.
David Holzmann, Trottenbaron, erklärt den Grund für die Abwesenheit der Trotte: «Es lag vor allem an der schwierigen Suche nach einem erfahrenen Kutscher mit einem Fünfergespann.» In den letzten Jahren wurden immer weniger Pferde verfügbar, insbesondere die einst von Brauereien gehaltenen schweren Kaltblüter. Die Riesbacher Trotte wiegt über neun Tonnen, misst mit dem Wagen zehn Meter Länge und benötigt fünf kräftige Kaltblüter, bisher russische. Die letzte Brauerei, die solche Pferde hielt, war Eichhof, betreut von Fredi Hess aus Willisau. Als dieser Ende Jahr ein Pferd alters- und krankheitsbedingt verlor, traf die Nachricht David Holzmann wie ein schlechtes Weihnachtsgeschenk. Ohne Zugkraft keine Trotte. Bis zum diesjährigen Sechseläuten fand sich kein Ersatz. «Pferde und Fahrer müssen ein eingespieltes Team sein, sonst funktioniert nichts», erläutert der erfahrene Pferdebesitzer und Trottenbaron. «Die neuntönnige Weinpresse bleibt jedoch zentrales Symbol der Zunft Riesbach.» Er arbeite bereits an einer Lösung, damit sie 2027 wieder mitfährt.