Wohin schreitet der bronzene Max?

Von Joachim Lienert ‒ 24. April 2026

Wenn in absehbarer Zeit der Dorfplatz neu gestaltet wird, muss auch Max Daetwyler in Bronze mit seiner weissen Fahne weichen. Aber nicht für immer. Ein Stück Zumiker (Nicht-)Museumsgeschichte.

Täglich schreiten viele Einwohnerinnen und Einwohner an der Bronzeskulptur von Max Daetwyler vorbei – oft, ohne ihn zu bemerken oder zu wissen, wer er war. (Bild: jli)
Täglich schreiten viele Einwohnerinnen und Einwohner an der Bronzeskulptur von Max Daetwyler vorbei – oft, ohne ihn zu bemerken oder zu wissen, wer er war. (Bild: jli)

«Wir werden die Bronzeskulptur einlagern, danach wird sie auf dem leicht vergrösserten neuen Dorfplatz wieder ein Plätzchen bekommen», erklärt Gemeindeschreiber Thomas Kauflin auf Anfrage. Der genaue Standort ist noch nicht definitiv festgelegt. Die 2004 aufgestellte Skulptur war auch eine Art Ersatz für ein Zumiker Ortsmuseum.

Zumikon bekommt ein Ortsmuseum …

In der Herbstausgabe des Zumiker Boten von 1983 besagte ein Artikel: «… wird die Gemeinde Zumikon im Einvernehmen mit den Nachkommen von Max Daetwyler dessen Lebenswerk in das Ausstellungsgut des zukünftigen Ortsmuseums aufnehmen.» Nähere Ausführungen zu diesem angedachten Ortsmuseum finden sich in verschiedenen Ausgaben der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) aus den 1980er-Jahren. Im November 1983 hatte der Gemeinderat von Zumikon einen ­Kredit von 60 000 Franken für die Projektierung eines Ortsmuseums an der Unterdorfstrasse 22 und 24 bewilligt. Fünf Jahre zuvor hatten die Stimmberechtigten noch dem Erwerb des dortigen Grundstücks zum Preis von 300 000 Franken zugestimmt. Das Gebäude auf dem Land war 1978 von den damaligen Eigentümern der politischen Gemeinde geschenkt worden, verbunden mit dem Wunsch, die Altliegenschaft für ein Ortsmuseum und eine Wohnung für den Museumsbetreuer zu verwenden.

… nein, doch nicht

Ein solches Museum kam nie zustande. Das Umbau- und Renovationsprojekt wurde 1984 von der Gemeindeversammlung wegen zu hoher Kosten zurückgewiesen. Man rechnete für das über 230 Jahre alte Doppelbauernhaus mit einem Aufwand von 1,51 Millionen Franken. Die Gemeindeversammlung wies das Kreditbegehren des Gemeinderats auf Antrag der Rechnungsprüfungskommission mit dem Auftrag zurück, ein kostengünstigeres Projekt zu prüfen. Die folgenden Abklärungen ergaben, dass sich kaum Abstriche am ursprünglichen Kostenvoranschlag machen liessen, weshalb der Gemeinderat eine Rückübertragung an die Verkäufer prüfte. Zwei Jahre später stimmte der Souverän dieser Übertragung zu. Das im Hinblick auf die Errichtung eines Orts­museums während Jahrzehnten ­gesammelte Museumsgut wurde soweit wie möglich den ursprünglichen Besitzern zurückgegeben.

Eine Fahne, ein Béret und ein Rucksack

Angedacht war auch, aus der Scheune an der Küsnachterstrasse, in der Max Daetwyler wirkte, ­allenfalls ein monothematisches Museum zu seinen Ehren zu schaffen. «Errichtung, Betrieb und Unterhalt entpuppten sich aber als zu aufwendig für unsere Gemeinde», sagt Thomas Kauflin. Um Max ­Daetwyler zu ehren, liess die Gemeinde Zumikon schliesslich eine Bronzeskulptur des lokalen Künstlers Günter Gianni Piontek anfertigen. Am 27. November 2004 wurde sie in Anwesenheit von rund hundert Dorfbewohnern, Sohn Max Daetwyler junior, Tochter ­Klara Bosshard-Daetwyler sowie Alt-Gemeindepräsidentin Elisabeth Kopp enthüllt. Der umfangreiche Nachlass von Max Daetwyler fand also nie Eingang in ein Zumiker Ortsmuseum. Heute befindet er sich zu einem Grossteil im Schweizerischen Bundesarchiv in Bern. Zudem befinden sich einzelne Fotos und Objekte in der Sammlung des Schweizerischen Nationalmuseums. Alexander Rechsteiner, Leiter Marketing und Kommunikation Landesmuseum, teilt auf Anfrage des Zolliker Zumiker Boten mit: «Zu den Objekten gehören unter anderem eine Fahne, ein Béret und ein Rucksack.»

Daetwyler und Bührle

Max Daetwyler begegnete auch dem Waffenfabrikanten Emil Georg Bührle während des Zweiten Weltkriegs – mit Bleistift und Papier als Waffen. Zwar zeigte E. G. Bührle Verständnis für den «Friedens- und Menschenfreund». Er war aber auch überzeugt, «… Leistungen zu vollbringen, die vielleicht mehr Segen stiften als fromme Wünsche», wie er in einem Brief an Max Daetwyler antwortet. Es dürfte die einzige bekannte Rechtfertigung Bührles sein, der durch seine Waffenverkäufe zu einem der reichsten Einwohner der Schweiz avanciert war. Das Schreiben ist auch interessant im Zusammenhang mit der laufenden Untersuchung zur Provenienz seiner Gemäldesammlung, die er dank seines Vermögens aufbauen konnte. Aufsehen in Zumikon erregte zudem ein Sprengstoffanschlag auf die Wohnung an der Dorfstrasse 24 seines Sohnes Dr. Dietrich «Dieter» Bührle, am 28. Juli 1983 um 2.48 Uhr in der Früh. Zum Glück kamen keine Personen zu Schaden.

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