Von Björn Reinfried ‒ 30. April 2026

Die Familie der Igel umfasst 34 Arten, die in Europa, Asien und Afrika verbreitet sind. Auf den beiden amerikanischen Kontinenten und in Australien gibt es keine einheimischen, wild lebenden Igel. Das Tier, das wir bei uns gemeinhin als Igel bezeichnen, ist der Braunbauchigel (Erinaceus europaeus). Diese Art ist die weltweit am weitesten verbreitete Art und die einzige in der Schweiz. An lauen Sommerabenden kann man dem Igel über den Weg laufen und ihm kurz dabei zuschauen, wie er durch Gärten und Grünflächen tippelt. Obschon sich sein Habitat mit dem Lebensraum der Menschen kreuzt, trügt der Eindruck, dass er vielerorts zu Hause ist: Die Bestände gehen zurück. Igel stehen in der Schweiz seit 2022 auf der Roten Liste der als potenziell gefährdeten Tiere.
Aus diesem Grund wählte Pro Natura den Igel zum Tier des Jahres. Die Naturschutzorganisation will damit ein Bewusstsein für seine Gefährdung schaffen und den Erhalt und die Schaffung Igel-freundlicher Lebensräume fördern.
Auch wenn es niedlich aussieht, wenn ein Igel durch den Garten tippelt: Igel sind waschechte Raubtiere. Sie fressen weder Obst noch Gemüse, denn sie können pflanzliche Nahrung nicht verdauen. Sie jagen Insekten, Larven, Raupen, Würmer – selbst das Tier des Jahres 2025 ist vor ihm nicht sicher: Schnecken gehören auch zu seiner Beute. Auch Aas steht auf ihrem Speiseplan. Wenn ein Igel also an einem heruntergefallenen Apfel schnüffelt, dann nicht, weil ihm der Apfel schmeckt, sondern weil er den Wurm darin riecht.
Da sie sich hauptsächlich von Insekten ernähren, ist ihr Bestand und ihr Überleben massgeblich vom Insektensterben bedroht. Dieses wiederum hängt mit der Landwirtschaft, der Verstädterung, Pestiziden und weiteren menschgemachten Ursachen zusammen. Wie so oft ist also der Mensch für die Gefährdung des Igels verantwortlich.
Wer derweilen an einer Party, einer Soirée oder bei entfernten Verwandten mit seinem Fachwissen über Igel prahlen möchte, kann sich hier bedienen: Erwachsene Tiere haben eine Körperlänge von 24 bis 28 Zentimetern und sind zwischen 800 und 1500 Gramm schwer. Sie besitzen rund 8000 Stacheln, die zwei bis drei Zentimeter lang sind. Igel haben 36 Zähne, mit denen sie die Chitinpanzer ihrer Beutetiere knacken. Die Tiere können bis zu acht Jahre alt werden, und ihr Gehör ist so ausgeprägt, dass sie Ultraschallbereiche wahrnehmen können. Dafür ist ihr Sehvermögen nur mässig. Im Winter sieht man Igel nicht, weil sie Winterschlaf halten. Dabei reduzieren sie ihren Puls von 180 Schlägen auf etwa acht Schläge pro Minute und ihre Körpertemperatur von 26 auf fünf Grad.

Igel brauchen sichere Verstecke, Nester für die Geburt der Jungen und trockene Winterquartiere. Hinsichtlich der Unterschlupfmöglichkeiten sind die Tiere nicht besonders wählerisch: Von Ast- oder Laubhaufen über Holzbiege, Hohlräume unter einem Gartenhäuschen bis hin zu lockeren Bretterhaufen oder Igelhäuser aus dem Baumarkt – all das dient als Versteck. Am besten eignen sich Naturgärten mit einer grossen Blütenvielfalt, Wasserzugang und jeder Menge Insekten.
Da Igel schlecht klettern können, sollten Gärten mit Hecken oder Zäunen umgeben sein, durch die die Tiere hindurchschlüpfen können. Faustregel: Igel passen durch ein faustgrosses Loch.
Weiter sollte man auf Pestizide oder Schneckenkörner im Garten verzichten, Kompost oder Kräuterjauche statt Kunstdünger verwenden und einheimische Pflanzen setzen, die die Artenvielfalt im Garten erhöhen. Ein Durchschlupfloch am Boden des Komposthaufens dient dem Igel als Entrée zum Insekten-Restaurant. Offene Becken, Schächte, Pools oder Teiche sollten mit einer Ausstiegshilfe versehen werden, damit die Tiere wieder herausfinden.
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