Haus für werdende Mütter

Von Lea Moser ‒ 8. Mai 2026

Menschen sehnen sich in dieser hektischen Welt nach mehr Ruhe. Deshalb ziehen viele werdende Mütter die entspannte Atmosphäre eines Geburtshauses dem klinischen Spitalzimmer vor. Auch zwischenmenschliche Beziehungen spielen dabei eine grosse Rolle.

Ein eingespieltes Team: Die werdende Mutter wird während der Schwangerschaft abwechselnd von drei vertrauten Hebammen begleitet und auf die Geburt vorbereitet. (Bild: zvg)
Ein eingespieltes Team: Die werdende Mutter wird während der
Schwangerschaft abwechselnd von drei vertrauten Hebammen begleitet und auf die Geburt vorbereitet. (Bild: zvg)

Der Trend, in Geburtshäusern zu gebären, ist auch im Zollikerberg spürbar. Im September 2023 eröffnete das Geburtshaus. Das Angebot wird rege genutzt: Im Jahr 2024 erblickten dort 92 Neugeborene das Licht der Welt – im letzten Jahr 125. Zum Vergleich: Im Spital Zollikerberg wurden 2024 2108 Kinder geboren und letztes Jahr 2030. Zum zehnten Mal in Folge kamen hier über 2000 Kinder innerhalb eines Jahres zur Welt – im Kanton Zürich sind es jährlich um die 15 000.

Gebären fast wie zu Hause

Die Geburt ist ein höchst individuelles Ereignis. Viele Paare wünschen sich heute eine interventionsarme Geburt in einer ruhigen und häuslichen Atmosphäre. So auch die Zollikerin Rafaela Devonas-Eberle: «Die Geburt im Geburtshaus kommt der natürlichen Hausgeburt am nächsten. Es war mir wichtig, in entspannter Atmosphäre selbstbestimmt gebären zu können. Mit Atemtechniken habe ich mich auf die Geburt vorbereitet.» Das Geburtshaus bietet dieses Umfeld und entspricht damit einer wachsenden Nachfrage. «Besonders geschätzt habe ich die durchgehende Betreuung eines Dreierteams von erfahrenen Hebammen. Sie haben mich bereits durch die Schwangerschaft begleitet. Während der Geburt fühlte ich mich deshalb besonders vertraut und gut aufgehoben.»

Das Hebammenteam bespricht vorab mit der werdenden Mutter, was sie sich für die Geburt wünscht. Die enge Zusammenarbeit stärkt das Vertrauen in einen optimalen Geburtsverlauf, vermittelt Sicherheit und trägt so zu einem positiven Geburtserlebnis bei. «Nach der Geburt blieben wir als Familie drei Nächte im Geburtshaus. Während dieser Zeit ist kein Besuch gestattet – so konnten wir uns gegenseitig in Ruhe kennenlernen. Zu Hause begleitete mich eine der drei Hebammen während acht Wochen.» Das Team aus rund 20 freipraktizierenden Hebammen und Pflegefachfrauen ist in mehreren Kleinteams organisiert.

Enge Zusammenarbeit mit Spital

Das Geburtshaus und das Spital arbeiten eng zusammen. Kurze Entscheidungswege und die unmittelbare Nähe zum Spital ermöglichen es, individuelle Geburtsszenarien in einem sicheren Rahmen zu begleiten. Bei einem Geburtsstillstand, auffälligen Herztonmustern oder Haltungsanomalien des Kindes wird die Frau ins Spital überwiesen. Dies ist per Rollstuhl oder mit der Ambulanz in wenigen Minuten möglich. Ein Drittel der Frauen, die im Geburtshaus gebären wollen, müssen wegen dieser Gründe während der Geburt ins Spital wechseln. Mehrlingsgeburten etwa dürfen in der Schweiz nicht ausserklinisch geplant, und eine PDA (Periduralanästhesie) darf nur im Spital durchgeführt werden. Manche Mütter müssen wegen grösserer Geburtsverletzungen, vermehrter Blutung oder Ausbleiben der Plazenta-Ausstossung unmittelbar nach der Geburt ärztlich versorgt werden. Falls dies im Geburtshaus nicht möglich ist, folgt eine Überweisung ins Spital. Danach können die Frauen für das Wochenbett ins Geburtshaus zurückkehren.

Eine Geburt im Geburtshaus ist nicht viel teurer als im Spital. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse. Privat zu bezahlen sind nur die Pikettpauschale der Hebamme sowie die Verpflegung der Begleitperson.
Während die Welt immer mehr von Computern und Maschinen fern­gesteuert wird, sehnen sich viele Menschen vermehrt nach dem ­Ursprünglichen. Und was gibt es Natürlicheres als eine Geburt?

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