Von Dominique Pierre Lüthi ‒ 8. Mai 2026

Noch bevor der Vortrag begann, wurde Illustrator Roland Siegenthaler vorgestellt, der den Abend live in Bildern festhielt. Seine Zeichnungen sollen eine kreative Zusammenfassung des Abends werden. Im Zentrum stand aber Gerald Knaus. Der Mitbegründer der Denkfabrik Europäische Stabilitätsinitiative und Mitgestalter des Flüchtlingsabkommens zwischen der EU und der Türkei von 2026, sprach vor rund 40 Gästen unter anderem über die Flüchtlingskrise vor zehn Jahren und die heutige politische Stimmung in Europa.
Themen wie Putin, Trump, oder der Aufstieg migrationskritischer Parteien kamen ebenso zur Sprache wie die Frage, welche Grenzen Europa braucht. Gerald Knaus zeigte verschiedenste Statistiken zu Asylzahlen und Migration. Gleichzeitig betonte er, dass Lösungen und Sorgen der Bevölkerung zusammen gedacht werden müssen. Besonders häufig verwies er auf das kanadische Modell, das aus seiner Sicht klarere und geregeltere Wege ermöglicht. Es sei dadurch bekannt, die humanitäre Verantwortung zu übernehmen, klare Auswahlverfahren zu treffen und Menschen rasch in die Arbeitswelt zu integrieren. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern betrachte Kanada die Einwanderung stärker als Chance. Kritik äusserte er hingegen am sogenannten Dublin-System innerhalb Europas, das er als «ein Hin und Her» bezeichnete. Damit bezieht er sich auf die Problematik, dass innerhalb Europas immer wieder darüber gestritten wird, welches Land für Asylgesuche zuständig ist.
Im Verlauf des Abends stiess auch Giovanni D’Amato dazu. Er ist Professor für Migration und Staatsbürgerschaft an der Universität Neuchâtel und diskutierte gemeinsam mit Gerald Knaus weitere Aspekte. Das Publikum verfolgte die Diskussion aufmerksam. In der anschliessenden Fragerunde ging es unter anderem um die Dauer von Asylverfahren, Kriminalität, Rückführungen und die Frage, ob Hilfe vor Ort wirksamer sein könnte. Auch die gescheiterte Asylunterkunft in Zumikon kam zur Sprache. Gerald Knaus ging darauf nicht direkt ein, sondern sprach stattdessen über die sinkenden Asylzahlen in der Schweiz und Europa.
Zum Schluss präsentierte Roland Siegenthaler seine Zeichnungen. Mit humorvollen und pointierten Karikaturen liess er den Abend nochmals Revue passieren und setzte damit nach zwei Stunden intensiver Diskussion einen auflockernden Schlusspunkt. Eine Zusammenfassung, die dem Abend zum Schluss eine leichtere Note verlieh.
Auch wenn zu diesem wichtigen Thema vielleicht mehr Besucherinnen und Besucher zu erwarten gewesen wären, zeigte der Abend dennoch, dass das Thema Migration die Menschen in Zumikon beschäftigt. Zwischen all den Statistiken, politischen Diskussionen und persönlichen Sorgen wurde eines deutlich: Einfache Antworten auf ein so komplexes Thema gibt es kaum.
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