Von Joachim Lienert ‒ 8. Mai 2026

Es brummt, es zischt, die Rakete schiesst in den Himmel über der Allmend – und fliegt aus dem Bild. Konnte sie wieder landen? Zino Diem lacht. «Leider nein. Bis jetzt musste ich etwa sechs Raketen herstellen, alles Bruchlandungen.» Das sollte nicht sein. Denn die Maturitätsarbeit, die er am Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Gymnasium Rämibühl im Fach Physik einreichte, trägt den Titel: «Projekt Ikarus: Konstruktion einer selbstlandenden Feststoffrakete».
Alles hat der 17-Jährige für dieses Projekt selbst entwickelt. «Die Rakete habe ich gezeichnet, konstruiert und mit verschiedenen Materialien im 3D-Drucker hergestellt. Dann baute ich eine Simulation, um das Ganze zu testen, habe die Flugsoftware programmiert, den Flugcomputer an Bord zusammengebaut und -gelötet. Den Treibstoff habe ich im Labor ertüftelt und gemischt.» Mit dem Projekt begann er vor rund einem Jahr. Raketen interessieren ihn schon lange. «Ich habe immer gerne Sachen konstruiert. SpaceX und andere Raketen haben mich inspiriert, ich finde eine wiederverwendbare Rakete extrem spannend.» So wollte er selbst eine konstruieren, die landen kann und sich mehrfach nutzen lässt. Sein Fluggerät ist etwa 50 Zentimeter lang und 1,9 Kilogramm schwer. Er habe bewusst nach einem neuen Ansatz gesucht, weil es nur wenige kleine Raketen gebe, die wieder landen können. «Es ist schwierig, sie zu drosseln.»
Seine Flugsoftware ist eine Art Algorithmus, der erkennt, wie die Rakete positioniert ist, damit sie am Ende des Flugs kontrolliert wieder aufsetzen kann. Vier verschiedene Landemotoren braucht sie dafür, jeder lässt sich einzeln steuern. Dennoch hat die Landung bis jetzt nie geklappt. «Es ist jedes Mal ein Abenteuer, und es sind immer aufregende Stunden vor dem Start. Plötzlich merkt man zum Beispiel, dass eine Zeile falsch programmiert ist, und muss den Start wieder abbrechen.» Seine ganze Familie hilft ihm jeweils, trägt die Rakete samt Startrampe hoch auf die Allmend und nach erfolgtem Flug wieder hinunter.
Eigentlich hoffte Zino Diem, die Rakete könne bis zu 200 Meter hoch fliegen. «Aber nicht die Höhe ist das Ziel, sondern die Landung. Je höher man fliegt, desto gefährlicher wird es.» Für den Flug benötigte er keine Bewilligung, solange er die erlaubte Flughöhe einhält, wohl aber für den Treibstoff. Diesen stellte er unter Aufsicht eines Chemikers her, denn handelsüblicher Treibstoff hätte für das Vorhaben nicht genügt.

Eine neue Landetechnik, eine neue Idee im kleinen Rahmen auszuprobieren und die technische Herausforderung der physischen Umsetzung; all das machte ihm viel Spass – und kostete viel Zeit. «Wenn ich alles zusammenrechne, komme ich für das Projekt auf über 600 Stunden Arbeitszeit.» Für ihn hat sich das gelohnt – nicht nur wegen der Auszeichnung als eine der besten 60 von 3000 Maturitätsarbeiten. Ebenfalls ausgezeichnet wurde der Zolliker Laurent Casagrande mit seiner Arbeit «Von Zollikon raus in die Welt», über die der Zolliker Zumiker Bote mehrfach berichtete (ZoZuBo 20 und 28/2025 und 12/2026). Die dritte ausgezeichnete Maturitätsarbeit aus unserem Einzugsgebiet – sie stammt von einer Zumiker Maturandin – beleuchten wir in einer nächsten Ausgabe.
Zino Diem sagt zu seiner Arbeit: «Das Projekt war extrem vielschichtig. Ich musste programmieren, bauen, mit Chemie Treibstoff herstellen und mich in viele Fachgebiete einlesen, von denen ich noch keine Ahnung hatte.» Bald stehen die Maturitätsprüfungen an. Eine Pause gönnt er sich aber nicht, bereits hat er sich für ein Maschinenbaustudium an der ETH mit Beginn im Herbst eingeschrieben. Und das Tüfteln geht weiter. Die eine Leserin und der andere Leser dürften dem Maturanden in den kommenden Wochen auf der Allmend begegnen. Dann, wenn er die Rakete ein weiteres Mal zündet und den nächsten Versuch startet, die Ikarus zu einer sanften Landung zu bewegen.
Vom 11. Mai bis 7. Juni werden alle im Kanton Zürich ausgezeichneten Maturitätsarbeiten am Standort Hohlstrasse der Kantonsschule Wiedikon ausgestellt. Ab 11. Mai können Interessierte zudem ihre Stimme für den Publikumspreis online abgeben.
www.maturitaetsarbeiten.ch
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