Kulturperlen vor der Haustür

Von Lea Moser ‒ 15. Mai 2026

Der Kulturkreis Zollikon ­organisiert pro Saison 12 bis 13 öffentliche Veranstaltungen in den Bereichen Musik, ­Theater, Literatur, Film, ­bildende Kunst sowie Tages­ausflüge und Kulturreisen. Ein Blick hinter die Kulissen.

Esther Hasler: Nach 13 Jahren wieder in Zollikon auf der Bühne – mit viel Sprachwitz in diversen Sprachen und Dialekten. (Bild: lmo)
Esther Hasler: Nach 13 Jahren wieder in Zollikon auf der Bühne – mit viel Sprachwitz in diversen Sprachen
und Dialekten. (Bild: lmo)

Der Vorstand des Kulturkreises legt Wert auf eine sorgfältige Auswahl der Künstlerinnen und Künstler. «Wir sind bestrebt, ein qualitativ hochstehendes kulturelles Nischenangebot zu bieten. Unsere Veranstaltungen müssen etwas Besonderes sein, ­abseits des Mainstreams», sagt ­Daniel Wyss, Präsident des Kulturkreises Zollikon. «Wir fördern unter anderem die Kleinkunst und engagieren junge, erfolgversprechende Musik­talente.» Er ist zufrieden mit der Saison 2025/2026, die im Juni mit einer Tagesexkursion und einer wöchigen Kulturreise mit dem Car ihren Abschluss findet. Bei den Reisen und Exkursionen stehen meist Architektur und Kunst im Fokus.

Fischen im Kulturteich

Im Schnitt besuchen 80 bis 100 Personen die kulturellen Anlässe des Kulturkreises. Am Donnerstag vergangener Woche waren es sogar fast 150. Esther Hasler feierte ihr 20-jähriges Bühnensolo mit dem Stück «Sieben auf einen Streich» und wurde darin unter anderem zur philosophischen Fliege und zum Zuchtlachs. Das Publikum scheint Fische zu mögen: Auch das Ein-Mann-Theaterstück «Das Evangelium der Aale» kam enorm gut an. «Wir gehen oft zu zweit aus dem Vorstand an Kulturevents, um zu sehen, wen wir buchen könnten», erklärt Eva Neuenschwander, die seit 15 Jahren im Vorstand mitwirkt. «Wir haben da gegenseitiges Vertrauen in die anderen Ressorts. Wenn jemand voll begeistert ist und die anderen keine Einwände haben, folgen wir diesem Rat», erklärt Daniel Wyss, der ebenfalls seit 15 Jahren im Amt ist. Alle Vorstandsmitglieder sind bestens mit ihren Ressorts vertraut und schon länger in der Kulturbranche tätig. Für den Verein arbeiten sie ehrenamtlich. «Es ist das Anliegen der Gemeinde, Kultur zu verbreiten und der Bevölkerung etwas zu bieten, damit nicht alle nach Zürich abwandern», so Daniel Wyss. Die Gemeinde unterstützt den Verein jährlich mit einem Beitrag von 20 000 Franken. Dieser wird für ­Gagen und Werbung verwendet – den Gemeindesaal gibt es zum Vereinstarif.

Für jeden Geschmack

«Das Programm ist sehr facettenreich: von Kabarett über Lesungen bis hin zu Konzerten. Mein Partner und ich sind schon lange Mitglieder und besuchen regelmässig die Veranstaltungen», erzählt die Zumikerin Karin Ernst nach der letzten Aufführung der Saison. Der Kulturkreis zieht seine Kreise bis nach Erlenbach. Theresia Matthaei ist ebenfalls langjähriges Mitglied und reiste mit vier Freunden aus Erlenbach an: «Der Kulturkreis bietet ein supergutes Angebot für jeden Geschmack. Es ist abwechslungsreich und für mich viel besser als ein Abo im Schauspielhaus.» Sie trägt sich das Jahresprogramm immer sofort in die Agenda ein und versucht, so oft wie möglich teilzunehmen. «Die Mitgliederausweise sind übertragbar. Eine Freundin hat mir ihre ausgeliehen, und so konnte ich noch jemanden mitnehmen.» Der Mitgliederbeitrag ist moderat und bietet freien Eintritt zu allen Veranstaltungen des Jahresprogramms in der Gemeinde. Die Kulturanlässe finden meistens unter der Woche statt und werden vor allem von den 615 Mitgliedern besucht. «Unter der Woche stehen wir weniger in Konkurrenz zu anderen Veranstaltungen», begründet Daniel Wyss. Grössere Anlässe bespielen den ­Gemeindesaal, kleinere die Aula Buechholz und Kammermusikkonzerte die reformierte Kirche Zollikerberg – wegen der guten Akustik. Manchmal verwandelt sich die ­Kirche in ein Kino: «Wir zeigen Schweizer Produktionen, die bereits Anerkennung an Filmfestivals oder von einer Jury erhalten haben, aber noch nicht in den Kinos laufen. Meistens ist der Filmregisseur am Anlass dabei und beantwortet Fragen.» Beim Auftritt von Esther Hasler waren von den 200 Stühlen noch knapp 50 Plätze frei im ­Gemeindesaal. Neue Mitglieder und Kulturinteressierte sind stets willkommen.

Der Kreis öffnet sich

Während des zweiten Weltkriegs gab es in Zollikon einen elitären, geschlossenen Lesezirkel aus Schriftstellern und Professoren. 1945 wurde daraus die lokale Kulturvereinigung Kulturkreis Zollikon gegründet, um das Angebot zu erweitern und die Mitgliedschaft einem grösseren Kreis zugänglich zu machen. Zu den Lesungen kamen Musikkonzerte hinzu, später folgten weitere Sparten. Auch Ausstellungen werden organisiert: Im April nächsten Jahres wird es wieder eine Kunstausstellung in der Villa Meier-Severini geben. Der Kulturkreis ist offen für Bewerbungen. Es gibt keine besonderen Kriterien zu erfüllen, es dürfen sich alle Kunstschaffenden bewerben. Einzige Einschränkung: Die Villa eignet sich nicht für grossflächige Gemälde. Das Programm für die Saison 2026/2027 steht bereits zu 70 Prozent. In der ersten Woche nach den Sommerferien wird das neue Jahresprogramm auf der Website veröffentlicht und an alle Mitglieder verschickt. Der Kulturkreis bietet auch Kindern und Jugendlichen einen Zugang zu Kunst und Kultur. Die Anlässe wie Figurentheater, Kino, Tanztheater oder Workshops sind sehr gut besucht.

Mehr Infos: www.kulturkreiszollikon.ch

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