Von Joachim Lienert ‒ 15. Mai 2026

Die Schule Zollikon blickt auf eine turbulente vierjährige Legislatur zurück, die im Sommer zu Ende geht. So schreibt sie in ihrem Bericht zu den Legislaturzielen: «Zu Beginn der Legislatur haben die Turbulenzen im Schulhaus Rüterwis viele Ressourcen gebunden. So konnte die Arbeit an den Schwerpunkten der Legislatur erst später beginnen. Gleichzeitig haben uns diese Ereignisse vor Augen geführt, in welchen Bereichen die Organisation diesen Herausforderungen noch nicht gerecht wurde. Insbesondere die Kommunikation, aber auch interne Abläufe, waren in dieser Situation ungenügend.» Der zehnseitige Bericht listet die Ziele der Legislatur auf und liefert zu jedem eine Beurteilung, welche Massnahmen umgesetzt wurden und welche Meilensteine die Schule erreichte. Die Ziele umfassen die Themen Digitalität, Kommunikation, schulergänzende Betreuung, Schulraumplanung und Arbeitskultur. Dazu kommen Schwerpunkte wie Organisationsentwicklung, Informationssicherheit, Finanzen und Sonderpädagogik.
Der Tätigkeitsbericht ist öffentlich einsehbar: www.schulezollikon.ch/news/170833
Wir wollten von den Ortsparteien wissen, wie sie die Leistung der Schule beurteilen. Der Zolliker Zumiker Bote bat sie um eine kurze Beurteilung. Die SP und die Mitte verzichteten auf eine Stellungnahme.

Nicole Wächter, Präsidentin: Wir danken allen Mitarbeitenden der Schule, den Schulleitungen und der Verwaltung für ihr grosses Engagement. Die Schule Zollikon hat in der Legislatur 2022 bis 2026 wichtige Grundlagen geschaffen: KLAPP (Kommunikationsplattform) wurde eingeführt, Datenschutz und Finanzprozesse gestärkt und die besondere Förderung weiterentwickelt. Diese Fortschritte anerkennen wir.
Gleichzeitig sehen wir bei den Legislaturzielen Verbesserungspotenzial. Vieles verharrt auf Konzeptstufe, insbesondere bei der schulergänzenden Betreuung, wo trotz grossem Bedarf noch keine verbindlichen Lösungen vorliegen. Auch in der Arbeitskultur zeigt sich, dass echte Wertschätzung und Mitsprache wichtiger sind als reine Strukturen. Die Erfahrungen rund um Rüterwis haben zudem verdeutlicht, dass es eine offenere, vertrauensbildende Kommunikationskultur braucht, die Kritik als Chance versteht.
Für die kommende Legislatur erwarten wir einen Aufbruch und konkrete Taten: verlässliche Tagesstrukturen, eine vorausschauende Schulraumplanung sowie eine Führung, die Verantwortung übernimmt und gestaltet statt nur verwaltet.
Digitalisierung muss dabei pädagogisch sinnvoll, altersgerecht und mit Mass erfolgen, sie darf nie zum Selbstzweck werden. Ebenso zentral ist uns, dass Bewegung und die Verbundenheit zur Natur konsequent gefördert werden, da sie die grundlegende Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung und erfolgreiches Lernen bilden.
Da Information und Wirklichkeit nicht immer deckungsgleich waren, braucht es künftig eine proaktive und transparente Kommunikation, um das Vertrauen nachhaltig zu stärken, gerade auch bei komplexen Themen.

Felix Wirz, Präsident: Die auffälligsten und entscheidendsten Dinge der vergangenen Legislatur sind sicher die Vorkommnisse rund um die Schule Rüterwis. Hier hat es nicht nur bei der Kommunikation in ganz entscheidendem Ausmass gehapert, sondern es fehlte auch gänzlich die Führung in dieser ausserordentlichen und existenzbedrohenden Situation. Anstatt hinzugehen, diese zu analysieren und danach entschieden zu handeln, beschloss die Mehrheit des Gremiums, nichts zu unternehmen und die Situation maximal aus der Ferne zu verfolgen. Ob in diesem Zusammenhang die Zusammenarbeit als konstruktiv und engagiert bezeichnet werden kann, dürfte auch mehr als fraglich sein. So wurden doch einzelne Mitglieder des Gremiums, welche die Gefährlichkeit der Situation erkannten und sich selber ein Bild vor Ort machen wollten, nicht nur mundtot gemacht, sondern auch noch mit einem Hausverbot im besagten Schulhaus Rüterwis belegt. Die Situation gipfelte letztendlich darin, dass ein Mitglied der Schulpflege an der Gemeindeversammlung öffentlich von der Präsidentin der Amtsgeheimnisverletzung bezichtigt wurde.
Immerhin findet man in dem aktuellen Tätigkeitsbericht ein kleines Mass an Selbstkritik. Man scheint sich heute im Nachhinein doch wenigstens bewusst zu sein, dass man dazumal wohl nicht alles bestens gemacht hat. Für die Zukunft wünschen wir uns, besonders vom neu besetzten Präsidium, mehr Transparenz, Entschlossenheit und den Mut, Dinge zu Benennen und nötige Entscheidungen schnell und entschlossen anzugehen.

Felix Heer, Präsident: Die Schule Zollikon hat in der laufenden Legislatur wichtige Grundlagen für ihre Weiterentwicklung erarbeitet. Insbesondere in den Bereichen Organisation, Schulraumplanung und strategische Ausrichtung wurden zentrale Schritte unternommen. Positiv ist auch, dass Themen wie Betreuung, Digitalisierung und Arbeitsbedingungen gezielt aufgenommen wurden.
Gleichzeitig zeigt sich, dass sich viele dieser Arbeiten noch in der Umsetzung befinden. Für die FDP ist entscheidend, dass die angestossenen Projekte nun konsequent weitergeführt und im Schulalltag wirksam werden. Im Zentrum stehen dabei die Qualität des Unterrichts, gute Rahmenbedingungen für Lehrpersonen sowie ein verlässliches und bedarfsgerechtes Betreuungsangebot.
Für die kommende Legislatur erscheint es sinnvoll, die bestehenden Schwerpunkte weiterzuführen und klare Prioritäten zu setzen, insbesondere bei den Infrastrukturprojekten und der Weiterentwicklung der digitalen Angebote.
Die Kommunikation der Schule hat sich in den letzten Jahren weiterentwickelt und ist vielfältiger geworden. Aus unserer Sicht bleibt es wichtig, die erreichten Fortschritte ebenso wie bestehende Herausforderungen transparent und nachvollziehbar darzustellen, um das Vertrauen aller Anspruchsgruppen weiter zu stärken.

Vorstandsmitglied: Die Bilanz der Schule Zollikon fällt nach Auffassung der SVP Zollikon durchzogen aus. Auf der einen Seite funktionierte der Schulalltag weitgehend: Trotz des hohen Drucks auf das Bildungswesen konnten der reguläre Schulbetrieb und die Integration neuer pädagogischer Anforderungen weitgehend gesichert und somit die Pflichten erfüllt werden.
Auf der anderen Seite waren im Bereich der Kommunikation deutliche Defizite auszumachen. Bei Problemen – wie im Fall Rüterwis – wurde unseres Erachtens zu defensiv und zu wenig transparent gehandelt. Eine aktivere Informationspolitik gegenüber der Bevölkerung ist aus Sicht der SVP von hoher Bedeutung.
Schwierigkeiten müssen offener benannt und administrative Prozesse gestrafft werden. Es gilt, das Vertrauen durch Verlässlichkeit und Kostendisziplin zurückzugewinnen. Generell muss gelten: Schulqualität und Disziplin müssen vor ideologischen Experimenten stehen. Eine Rückbesinnung auf die Kernaufgaben der Schule ist wichtig.

Jürgen Schütt, Präsident: Die Schule Zollikon hat in den letzten Jahren einige wichtige Themen vorangebracht. Gerade bei der Schulraumplanung, der Weiterentwicklung des Angebots und dem Umgang mit neuen gesellschaftlichen Anforderungen zeigt sich, dass aktiv gearbeitet wurde. Insgesamt nimmt das Forum 5W wahr, dass die Schulpflege engagiert unterwegs ist und Verantwortung übernimmt.
Wir sehen vor allem Verbesserungspotenzial bei der Nachvollziehbarkeit bestimmter Entwicklungen für Eltern und die Bevölkerung. Gerade bei komplexeren Themen wäre manchmal eine einfachere und frühere Kommunikation hilfreich. Auch die Belastung der Lehrpersonen bleibt ein Thema, das weiterhin Aufmerksamkeit erfordert. Wichtig bleiben aus unserer Sicht gute Rahmenbedingungen für Lehrpersonen, eine hohe Unterrichtsqualität und eine vorausschauende Planung. Gleichzeitig wünschen wir uns, dass Entwicklungen mit Augenmass umgesetzt werden und Stabilität im Schulalltag erhalten bleibt.
Grundsätzlich kommuniziert die Schule offen und regelmässig. Gleichzeitig gibt es Themen, bei denen man die Bevölkerung noch stärker mitnehmen könnte. Wichtig ist aus unserer Sicht eine ehrliche Kommunikation, also nicht nur Erfolge, sondern auch Herausforderungen transparent anzusprechen.
Am 14. Juni findet der zweite Wahlgang für die Wahl ins Schulpflegepräsidium statt. Wir wollten auch von den zwei Kandidaten, Rui Biagini und David Sarasin, wissen, wie sie die Arbeit der Schule beurteilen – und was sie als Schulpflegepräsident anders machen würden. Beide sind in der aktuellen Legislatur bereits Mitglieder der Schulpflege.

Es wurden in verschiedenen Bereichen wichtige Fortschritte erzielt. Zum Beispiel mit der Einführung der Kommunikationsplattform KLAPP. In der schulergänzenden Betreuung ist mit dem Entscheid für die Einführung der individuellen Lernzeit und der Blockzeit ein sinnvoller Schritt geplant. Im Infrastrukturbereich wurde das Betreuungshaus-Provisorium im Rüterwis vorangebracht und die Modernisierung der Sportanlage Buechholz umgesetzt.
Vor allem in der Führung und in der Zusammenarbeit sehe ich Verbesserungspotenzial. Es braucht einen offenen Austausch, frühzeitiges Handeln und eine verlässliche, nahbare Führung, die die Arbeitskultur positiv prägt und
die Attraktivität als Arbeitgeber sichert. Zudem wurde viel konzipiert, die Umsetzung im Alltag blieb wenig spürbar. In der kommenden Legislatur sollte der Fokus auf der konsequenten Umsetzung bereits beschlossener Vorhaben, stärkere Zusammenarbeit und mehr Verbindlichkeit liegen. Entscheide sollen konsequent an ihrer Wirkung im Schulalltag gemessen werden.
Die Kommunikation der Legislaturziele ist stark entlang der definierten Ziele strukturiert. Dadurch wird die Entwicklung der letzten Jahre nur teilweise abgebildet. Die Legislatur war von erheblichen Herausforderungen geprägt. Eine umfassendere Einordnung würde die Glaubwürdigkeit stärken. Wenn ich gewählt werde, werde ich den Fokus stärker auf die konkrete Wirkung legen. Entscheidend ist, was im Schulalltag tatsächlich ankommt. Zudem setze ich auf eine konsequente Führung bei zentralen Themen, eine nachvollziehbare Kommunikation und mehr Nähe zu den Mitarbeitenden.

Kurz vor dieser Legislatur haben sich zentrale Rahmenbedingungen für die Schulpflege verändert. Der Kanton hat ihre Rolle auf politisch-strategische Aufgaben ausgerichtet. In Zollikon haben wir mit der Leitung Bildung eine neue Führungsstufe eingeführt; die Schulliegenschaften gingen an die Gemeinde über.
Deshalb hat die Schulpflege in dieser Legislatur zentrale Bereiche wie Organisation, Schulraumplanung und finanzielle Führung neu aufgestellt. Wichtige Projekte wie das Betreuungshaus Rüterwis, die Tagesstrukturen und die besondere Förderung haben wir vorangebracht. Anspruchsvoll und für alle fordernd war zu Beginn der Legislatur die Situation im Schulhaus Rüterwis. Inzwischen ist auch diese Schule wieder auf gutem Weg.
Jetzt zählt die Umsetzung. Unter meinem Präsidium bleiben Strukturen und Konzepte nicht auf Papier, sondern wirken im Alltag. Der Unterricht braucht Ruhe, Professionalität und gezielte Förderung – ohne Klassen und Mitarbeitende zu überfordern. In der Betreuung will ich das vorgestellte Konzept verfeinern und erste Schritte rasch umsetzen: freiwillig, verlässlich und familiennah. Bei den Schularealen setze ich klare Prioritäten: Buechholz sanieren und das Areal Rüterwis umfassend weiterentwickeln.
Ich kenne die Dossiers aus meiner Arbeit in der Schulpflege. Ich stehe für Führung mit Bodenhaftung: zuhören, einbinden, entscheiden und umsetzen. Zollikon soll ein Schulstandort sein, an dem gute Lehrpersonen gerne arbeiten – und Kinder gut lernen. Damit Schule wirkt.
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