Von Martina Gradmann ‒ 15. Mai 2026

Der Andrang auf dem Dorfplatz an diesem Samstagmorgen war gross, was aber eher mit den Einkaufsmöglichkeiten und dem Wochenmarkt zu tun hatte als mit den Marktständen im Gemeindesaal. Und doch wagten sich meist ältere Semester an die Informationsstände, um sich über die verschiedenen Angebote zu informieren. Als Neuauflage des Marktes von 2024 hatte die Fachstelle für Alter und Gesundheit der Gemeinde zum Infomarkt «Wohnen und Leben im Alter in Zollikon» geladen und neue Angebote wie den Luftibus oder das Testen von Senioren-Elektroscootern ins Programm aufgenommen. An zahlreichen Ständen rund um die Themen Gesundheit, Wohnen, Weiterbildung, Freizeitgestaltung sowie technologische und praktische Hilfsmittel für den Alltag erhielten die Besuchenden Auskunft und Beratung.
Während auf der einen Seite Wohnangebote wie jene der Residenz Neumünster Park oder des Tertianums auf Interesse stiessen, informierten sich Seniorinnen und Senioren auch über Serviceangebote wie die Administration zuhause, rechtliche Vorsorge, Umzüge oder den Verkauf einer Immobilie. «Wenn Menschen in ihrem Alltag oder mit grösseren Entscheidungen überfordert sind, kommen wir zur Unterstützung auch zu Ihnen nach Hause», erklärt der freundliche Berater von Wyss Vorsorge. Auch Firmen für Hör- und Sehgeräte waren vor Ort, und auf Wunsch konnten Senioren-Elektroscooter ausprobiert werden. Beratend stand zudem die Polizei mit Informationen zu Telefonbetrug und Cyberkriminalität zur Verfügung. Auch die reformierte Kirche, der Besuchsdienst und der Verein Senioren für Senioren trugen zum bunten Themenmix bei. «Ich bin auf der Suche nach einer Notrufuhr», erklärte Katarina Lang aus dem Zollikerberg. Wie lange sie noch zuhause bleiben könne, habe auch mit dem Angebot an Alternativen zu tun. Und manchmal habe sie auch ein schlechtes Gewissen, weil junge Familien doch Wohnungen bräuchten.
«Ja, die älteren Menschen bleiben heute länger zuhause als früher», weiss auch Gabriela Scheidegger von der Fachstelle für Alter und Gesundheit. Deshalb seien die Angebote auch auf die Unterstützung zuhause ausgerichtet. Einerseits gehe es um Mobilität, Sicherheit und Administration, andererseits aber auch um Einsamkeit und soziale Kontakte. Wichtig findet sie deshalb auch die Angebote von Senioren für Senioren, das «Zäme go laufe» und die Veranstaltungen der Kirche.
Mit dem neuen Infocafe für Zollikon und Zollikerberg, das jeweils am ersten und dritten Montag im Monat im Ortsmuseum Zollikon oder in der Cafeteria der Alterssiedlung Sonnengarten stattfindet, habe man ein zusätzliches Angebot für gemütliche Gesprächsrunden und Begegnungen geschaffen. «Dass es in Zollikon wenige gemeindeeigenen Alterswohnungen gibt, ist ein Dauerthema», weiss Gabriela Scheidegger. Solche Angebote würden alle von Privaten betrieben. «Gleichzeitig ist es wichtig, dass wir den Menschen zeigen, wie sie in den eigenen vier Wänden alt werden können, und sie beraten, wie man das finanzieren kann.» Bei vielen Seniorinnen und Senioren bestehe auch die Gefahr der Vereinsamung. Vielleicht, weil keine Kinder da seien, die sich kümmern, oder weil man zunehmend Freunde verliere. Auch Armut sei ein Thema, das oft tabuisiert werde. Umso wichtiger seien Angebote wie der Besuchsdienst oder das «Zäme go laufe», welche sehr gut funktionierten. Es seien nicht nur ältere Menschen, die sich mit dem Wohnen und Leben im Alter beschäftigten, weiss auch Sabine Linner, ebenfalls von der Fachstelle Alter und Gesundheit. «Es sind Kinder, die sich Überlegungen zu ihren Eltern machen, und natürlich auch unsere Generation, die sich überlegt, wie wir später einmal leben wollen.» Die Erfahrung zeige, dass die heutige Generation der Älteren kaum bereit sei, Räume zu teilen. Vielleicht sei das dann bei der Babyboomer Generation anders, weil diese schon an andere Wohnformen gewöhnt sei.
Ein älteres Ehepaar, beide über 80 Jahre alt, steht vor dem Stand der Residenz Neumünster Park, interessiert sich aber noch nicht für eine Alterswohnung. «Wir wohnen in einer sehr angenehmen Wohnung und möchten so lange wie möglich zuhause bleiben», sagen die beiden. Sie seien immer aktiv in der Gemeinde gewesen, hätten viele Bekanntschaften und das Glück, gemeinsam durchs Leben zu gehen. «Wir wohnen in einem Block mit vielen Ausländerfamilien, was wir als Bereicherung ansehen. Und während der Covid-Zeit waren es genau diese Familien, die uns sofort anboten, für uns einkaufen zu gehen. Man muss offen sein, dann ist es ein Geben und Nehmen», sind die beiden überzeugt.
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