Von Lea Moser ‒ 22. Mai 2026

Seit 24 Jahren ist Samuel Bernhard im Zivilschutz für die Verpflegung von 20 bis 130 Personen verantwortlich. Für den ausgebildeten Koch kein Problem – vielmehr eine Leidenschaft. Er absolvierte seine Kochlehre im Dolder Grand und schloss vor zwanzig Jahren die Hotelfachschule Luzern ab. «Seit einigen Jahren gibt es fast keine ausgebildeten Köche mehr im Zivilschutz», sagt der 46-Jährige. «Mit dem Kochbuch will ich Leute, die gerne kochen, motivieren und ihnen die Angst nehmen, in einer grösseren Pfanne zu kochen.» Die Rezepte eignen sich auch für Privatpersonen, die für viele Gäste kochen möchten und nicht sehr routiniert sind. «Ich habe das Kochbuch mehreren Personen, die selten kochen, zum Durchlesen gegeben, und gefragt, ob sie die Rezepte so nachkochen könnten.» Seit zehn bis zwölf Jahren sammelt Samuel Bernhard Rezepte. «Bei allem, was ich gerne gegessen hatte oder beliebt war, habe ich die Rezeptur verlangt. Später kamen auch Leute mit ihren Rezeptvorschlägen zu mir in die Küche.» Wie zu einem DJ mit ihrem Liederwunsch.
Bei der Auswahl der Rezepte für das Kochbuch achtete er auf folgende Kriterien: Beliebtheit bei der Mannschaft, Abwechslung und einfache Zubereitung. «Gewisse Gerichte brauchen mehr Zeit in der Vorbereitung, sind dafür aber schneller gekocht, man kann sie gut warmhalten und einfach transportieren.» Gerade die Transportfähigkeit zu den verschiedenen Schadenplätzen sei im Zivilschutz ein wichtiger Aspekt. Die Rezepte in seinem Buch wurden allesamt in Feldküchen und in geschützten Anlagen getestet und kommen bei der Mannschaft besonders gut an. Das Kochbuch verbessere die Verpflegung im Einsatz und diene zugleich als Ausbildungsinstrument für das Küchenpersonal. Sein Motto lautet: «Ohne Verpflegung keine Bewegung!» Wer Militärdienst geleistet hat, kennt die leichten olivgrünen Rollkragenpullover mit langen Ärmeln, die umgangssprachlich als «Gnägi» bezeichnet werden. Dies zu Ehren des damaligen Bundesrats sowie Verkehrs- und Verteidigungsministers Rudolf Gnägi, der in seiner Amtszeit das «Trikothemd 75» für die Truppen einführte. Im Zivilschutz gibt es die Gnägis in oranger Ausführung. Das beliebte Kleidungsstück gab dem Kochbuch seinen Namen. Lustige Namen gibt es auch in der Pfadi, wo Samuel Bernhard in den Lagern Küchen und Öfen baute und Brot backte. Sein Zwillingsbruder hiess dort «clever», er selbst hiess «smart». Der Name ist Programm: «Das Kochbuch passt vom Format her in die Hosentasche und ist daher gut geeignet für das Kochen im Feld.» Und weil heutzutage alle online sind, gibt es die Rezepte kostenlos auf einer Website. Aktuell findet man dort alle 36 Rezepte aus dem Buch. «Ein Kumpane aus dem Tessin fand, dass im Buch einige Tessiner Spezialitäten fehlten. Deshalb gibt es nun ein Log-in, damit auch andere Zivilschützer ihre Lieblingsrezepte aus der Region in ihrer Landessprache hochladen können.» Im Buch sind die Mengenangaben immer für zehn Personen angegeben, damit sie sich einfach hochrechnen lassen. Auf der Website kann man die gewünschte Anzahl Portionen mit einem Rechner anpassen.
Die Gerichte im Buch tragen Namen wie «Sam’s ganze Forelle» oder «Pablo’s Sandwich». Die Namen und Rezepte stammen von realen Menschen aus dem Zivilschutz. «Ich habe alle angefragt, ob ich ihr Rezept im Kochbuch publizieren darf. Die meisten Rezepte sind nicht von gelernten Köchen.» Pablo zum Beispiel entwickelte sein Sandwich über sieben Jahre hinweg weiter. Er ass in Griechenland einst ein besonders feines, das ihm nicht mehr aus dem Kopf ging. So versuchte er es zu Hause nachzumachen. Im Buch finden sich einige lustige Anekdoten darüber, wie die Gerichte ihren Weg ins Kochbuch schafften, ebenso wie verschiedene Menüvorschläge. Gewisse Rezepte wie «Sam’s Chässchnitte» oder «Pädi’s Teigtaschen an Sauerrahmsauce» seien bei der Rezeptauswahl bereits gesetzt gewesen. Auf Letztere ist er besonders stolz. «Das Teigtaschenrezept kommt ursprünglich aus Sibirien und wird dort als ‹gefrorene Ohrläppchen› übersetzt. Ich habe die Grundidee des Rezepts übernommen und an den europäischen Geschmack angepasst. Das Fotzelschnitte-Rezept fehle noch, es werde jedoch bald auf die Website hochgeladen. Wie die zahlreichen anderen Rezepte, die derzeit noch zu Hause in fünf Bananenschachteln im Keller auf ihren grossen Webauftritt warten.
Die letzten fünf Saisons arbeitete der leidenschaftliche Koch im Berghaus Eisee auf 1950 Metern im Entlebuch. Nun sei er abgestiegen, lacht er, aber nur 500 Höhenmeter, und ist jetzt im Erlebnisrestaurant Rossweid anzutreffen. Er hat nicht nur gute Tipps für die Küche parat: Das Berghaus Eisee sei ein Geheimtipp und werde zu 99 Prozent von Einheimischen besucht, während das etwas höher gelegene Brienzer Rothorn überwiegend Touristen anziehe. «Im Sommer ist es schön zum Wandern. Man kann Steinböcke, Gämsen, Bergadler und Geier beobachten.»
Von seiner Nomination habe er zunächst nichts gewusst: «Der Leiter des Zivilschutzes rief mich an und sagte, ich sei nominiert als Zivilschützer des Jahres 2026. Dann folgte die Einladung zur Fachtagung des Zivilschutzes Mitte Mai in Olten.» Zwei weitere Kollegen kamen in die letzte Runde, ehe Samuel Bernhard vom achtköpfigen Vorstand des Schweizerischen Zivilschutzverbandes (SZSV) zum Sieger erkoren wurde. Für den Pokal müsse er noch ein geeignetes Plätzchen finden, die Siegesprämie von 1000 Franken wolle er in die Website investieren, die ihm sein Bruder erstellte. Die Auszeichnung «Zivilschützer des Jahres» wurde durch den SZSV bereits zum achten Mal vergeben.
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