Der Schalter wird auf online umgelegt

Von Patricia Dangel ‒ 29. Mai 2026

Die Zolliker Gemeindever­waltung hat neue Öffnungs­zeiten bekannt gegeben, die ab dem 1. Juni in Kraft treten. Die Schalteröffnungszeiten werden um fast ein Drittel reduziert.

Wird künftig seltener geöffnet sein: ein Schalter der Einwohnerkontrolle von Zollikon. (Bild: jli)
Wird künftig seltener geöffnet sein: ein Schalter der Einwohnerkontrolle von Zollikon. (Bild: jli)

Ab Juni wird der Schalter der Gemeindeverwaltung noch an einem Nachmittag pro Woche bedient, jeweils montags von 14 bis 18 Uhr. Die Nachmittage von Dienstag bis Donnerstag werden ­gestrichen. Zudem entfällt das Zeitfenster für einen spontanen Besuch über Mittag. Freitags schliesst der Schalter neu bereits um 12 statt wie bisher um 14 Uhr. Weiterhin gibt es die Möglichkeit, individuelle Termine ausserhalb der Öffnungszeiten zu vereinbaren. Dennoch könnten die einen oder anderen Bürgerinnen und Bürger die Anpassung als Service-Abbau empfinden.

So handhaben es die Nachbarn

Die Gemeinde Zumikon hält an Schalteröffnungszeiten an mehreren Nachmittagen fest. Freitags bleibt der Schalter dort durch­gehend bis 13 Uhr geöffnet und ermöglicht Werktätigen, ihre Anliegen über Mittag zu erledigen. In Küsnacht besteht diese Möglichkeit am Donnerstag ebenfalls bis 13 Uhr. Dafür bleibt die Verwaltung dort am Dienstag- und Donnerstagnachmittag geschlossen. Erlenbach bietet ein ähnliches Modell. Zollikon geht mit den Kürzungen der Öffnungszeiten somit einen Schritt weiter als vergleichbare Gemeinden. Dabei gehörte das Dorf mit bisher über 33 Wochenstunden zu den Gemeinden mit den grosszügigsten Schalteröffnungszeiten im Bezirk Meilen.

Bedürfnisse verändern sich

Der Zolliker Zumiker Bote hat nach den Gründen für die Kürzungen und dem Nutzen für die Verwaltung gefragt. Gemeindeschreiber Markus Metzenthin sagt: «Die Bedürfnisse haben sich gewandelt: Die ‹spontane Laufkundschaft› ist seit mehreren Jahren rückläufig, da vieles heute online erledigt werden kann.» Die Verwaltung habe die Besucherzahlen über mehrere Wochen erhoben. Der Rückgang sei jedoch auch ohne statistische Auswertung deutlich erkennbar und angesichts der bestehenden digitalen Angebote nachvollziehbar. Die verkürzten Öffnungszeiten würden die Organisationsprozesse verschlanken und dadurch die Attraktivität der Gemeindeverwaltung als Arbeitgeberin stärken. Auf die Frage, weshalb man den Schalter nicht einfach geöffnet lasse, wenn die Mitarbeitenden ohnehin vor Ort seien, sagt Markus Metzenthin: «Dies wäre nicht sinnvoll. Der Schalterbetrieb bindet personelle Ressourcen, die für die Bearbeitung meist anspruchsvoller Arbeiten benötigt werden. Gleichzeitig wirken sich häufige Unterbrechungen durch den Schalterbetrieb negativ auf die Effizienz und Qualität aus.»

Ausbau der Online-Services

Die Entwicklung hin zu digitalen Dienstleistungen ist in vielen Bereichen zu beobachten. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach der Zugänglichkeit für alle Bevölkerungsgruppen. Auf Gemeindeebene, wo demokratische Prozesse verwaltet und Bürgerkontakte gepflegt werden, bleibt ein niederschwelliger Zugang zentral. Wie wirken sich die verkürzten Öffnungszeiten etwa auf ältere Personen oder Menschen mit geringeren Deutschkenntnissen aus? Markus Metzenthin antwortet: «Betroffen ist keine Bevölkerungsgruppe, sondern lediglich diejenigen Personen, welche ‹spontan› ­vorbeikommen und nicht auf die alternativen Angebote (Online-­Services oder persönliche Terminvereinbarung) ausweichen wollen. Ganz allgemein wurde die Zugänglichkeit, um an Informationen oder Dienstleistungen der Gemeinde zu gelangen, über die letzten Jahre erleichtert.» Für manche könne die Website oder der Kontakt per E-Mail sogar angenehmer sein als ein ­persönlicher Besuch am Schalter. Der Gemeindeschreiber führt ein weiteres Argument an: «Gerade für die arbeitstätigen oder auf andere Weise vielbeschäftigten Personen ist das Angebot nun attraktiver, da nicht bloss der Freitagmittag zur Verfügung steht, sondern – nach vorgängiger Terminabsprache – prinzipiell jeder Mittag oder auch der frühe Morgen oder spätere Nachmittag. Durch eine Voranmeldung kann auch eine individuelle Vorbereitung erfolgen, wodurch die Bearbeitungszeiten schneller und die Servicequalität für die Kunden erhöht wird.» Nur am Rande von den Änderungen betroffen ist das Betreibungs- und Gemeindeammannamt Küsnacht-Zollikon-Zumikon im Zollikerberg. Dort behält die Gemeinde die bisherigen Öffnungszeiten bei, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen und die frist- und rechtskonforme Abwicklung von Geschäften sicherzustellen; einzige Ausnahme bildet eine Reduktion am Freitagnachmittag von 14 auf 12 Uhr. Der spontane Besuch auf der Gemeindeverwaltung bleibt künftig also an den Vormittagen und einem Nachmittag pro Woche möglich. Ob die Bevölkerung die Kürzungen als sinnvolle Modernisierung oder als Abbau des Service public wahrnehmen wird, wird sich nach Inkrafttreten der neuen Öffnungszeiten zeigen.

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