Von Dominique Pierre Lüthi ‒ 12. Juni 2026

«Wichtige Information zur Neugestaltung der Seeuferzone und Aufhebung der Bootsplätze in der Wässerig ab 2027» lautet der Titel des Schreibens, das die Besitzerinnen und Besitzer der Boote in der Wässerig erhalten haben. Darin informiert die Gemeinde Zollikon über die geplanten Veränderungen des Areals. Weil das gesamte Gelände umfassend saniert und neugestaltet werden soll, müssen die Boote auf den Trockenplätzen weichen. Mit den Arbeiten am Seeufer möchte die Gemeinde das Areal aufwerten und zukunftsfähig gestalten. (ZoZuBo 21/2026).
«Einen geeigneten Platz für die über 100 Boote, auch als Ersatz, am oder in der Nähe des Seeufers gibt es nicht», sagt Melanie Marday, die Leiterin Kommunikation von Zollikon. Einerseits sei die Gemeinde auf den Kanton angewiesen, der bei Bootsplätzen eine sehr restriktive Bewilligungspraxis verfolge. Andererseits fehle es an geeigneten Standorten. Auch nach den Bauarbeiten bleibe vieles offen. «Die genaue Gestaltung des Areals sowie Anzahl und Verfügbarkeit neuer Trockenbootsplätze stehen heute noch nicht fest», hält die Gemeinde fest. Deshalb könne sie nicht garantieren, dass die bisherigen Mieterinnen und Mieter später auch wieder einen Platz erhalten. Die Gemeinde stehe diesbezüglich weiterhin mit dem Kanton im Austausch. In Zollikon stehen neben den 116 Trockenbootsplätzen an der Wässerig insgesamt 35 Wasserplätze im grossen Hafen, 13 im kleinen Hafen sowie 28 Bojenplätze zur Verfügung. Wer einen Trockenplatz mieten möchte, muss gemäss Gemeinde mit einer Wartezeit von fünf bis sieben Jahren rechnen. Für einen Wasserplatz sind es sogar 15 bis 20 Jahre.
Beim Zolliker Rolf Guggisberg sorgt die Kündigung für Unverständnis. Seit 1976 besitzt er einen Trockenbootsplatz an der Wässerigwiese. Von den Plänen der Gemeinde habe er erst durch das Kündigungsschreiben erfahren. «Die ganze Sache kommt für mich aus heiterem Himmel», sagt er. Von einer Neugestaltung oder einem Umbau des Areals sei zuvor nie die Rede gewesen. Besonders beschäftigt ihn die fehlende Planungssicherheit. Einen neuen Platz in Seenähe zu finden, sei heute fast unmöglich. Als letzte Konsequenz sehe er nur, sein Boot zu verkaufen, zu verschenken oder zu entsorgen. «Bis zu einem gewissen Punkt habe ich Verständnis für die Neugestaltung des Areals. Mit Veränderungen muss man klarkommen», sagt er. Auch dass keine Ersatzplätze angeboten werden können, kann er verstehen, da es schlicht keine gebe. Weniger Verständnis habe er aber dafür, dass die Gemeinde die Betroffenen nicht früher über ihre Pläne informiert habe. Als Zeichen des Entgegenkommens hätte er sich gewünscht, dass eine Möglichkeit angeboten werde, die Boote vorübergehend irgendwo unterzubringen. Die Gemeinde zeigt Verständnis für die Situation der Betroffenen. «Wir verstehen sehr gut, dass die Kündigung der Trockenbootsplätze für die betroffenen Mieterinnen und Mieter schwierig ist.» Es seien noch viele Fragen zur Neugestaltung des Seeufers offen. Aus diesem Grund habe man die Mieterinnen und Mieter so früh wie möglich über die Aufhebung der Bootsplätze informiert. Ein kleiner Lichtblick bleibt: Bei einer künftigen Vergabe sollen die bisherigen Mieterinnen und Mieter bevorzugt werden.
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