Verabschiedung von Geschäften – und Menschen

Von Joachim Lienert ‒ 12. Juni 2026

Zwei Geschäfte standen am Dienstagabend auf der Traktandenliste der Gemeindeversammlung in Zumikon. Sie wurden durch- – und einigen Behördenmitgliedern zum Abschied gewinkt.

Die Geschäfte wurden im Sinne des Gemeinderats verabschiedet. Beim zweiten Traktandum mussten wegen des visuell uneindeutigen Resultats die Stimmen gezählt werden. (Bild: jli)
Die Geschäfte wurden im Sinne des Gemeinderats verabschiedet. Beim zweiten Traktandum mussten wegen des visuell uneindeutigen Resultats die Stimmen gezählt werden. (Bild: jli)

Man hat sich ein wenig daran gewöhnt: Wenn die Jahresrechnung von Zumikon – Traktandum eins – zur Debatte steht, dann gibt es alles ausser eines: eine Debatte. Aus gutem Grund. Einmal mehr hat die Gemeinde 2025 geliefert und mit 6,3 Millionen Franken im Plus abgeschlossen. Auch das Eigenkapital der Gemeinde kennt weiterhin nur eine Richtung: nach oben. Mittlerweile liegt es bei 121,2 Millionen Franken. 12,3 Millionen Franken hat die Gemeinde mehr an Steuern eingenommen, erläuterte Finanzvorsteher André Hartmann (SVP). Zugleich wies er darauf hin, dass der Aufwand gegenüber dem Budget um 2,3 Millionen Franken höher lag. Dies insbesondere, weil der Bereich Gesundheit und Soziales mehr Geld benötigt, unter anderem weil mehr Zumikerinnen und Zumiker ins Pflegeheim eintraten. Andere Kostentreiber waren ein höherer Sach- und Personalaufwand. So benötigte Zumikon zusätzliche temporäre Arbeitskräfte zur Überbrückung von Personalengpässen sowie juristischen Rat für die Begleitung der Grossprojekte.

Viel eingenommen, nichts ­investiert

Diese Grossprojekte gaben einmal mehr zu reden. André Hartmann fasste zusammen: «Wir haben ursprünglich geplant, wenig einzunehmen und viel zu investieren. ­Gekommen ist es anders. Wir haben viel eingenommen, aber nichts investiert.» Statt der budgetierten 15 Millionen Franken hat die Gemeinde nur 1,3 Millionen investiert. Die Gründe sind bekannt, Stichwort Investitionsstau bei den Grossprojekten (ZoZuBo 49/2025). Dominik Ziegler, der Präsident der Rechnungsprüfungskommission (RPK), mahnte, das Resultat sei etwas gefährlich. Die Steuererträge seien in den letzten Jahren regelmässig gestiegen, es könne aber auch einmal anders kommen. «Was wir hingegen wissen, ist, dass die Kosten leider sehr stabil sind und sich nur in eine Richtung entwickeln.» Er empfahl, die Personalkosten im Auge zu behalten. «Wenn man mal Stellen geschaffen hat, gehen sie nicht mehr weg.» Das änderte nichts am Fazit: «Die Gemeinde Zumikon hat eine sehr komfortable finanzielle Lage. Und das Geld ist da. Jetzt hoffen wir, dass wir es auch brauchen können.» 142 Stimmberechtigte waren im Saal, die Rechnung wurde verabschiedet – ohne ein Votum aus dem Publikum und ohne eine Gegenstimme.

Gratisparkieren wird abgeschafft

Mehr zu reden gab das zweite Traktandum: «Anpassung Gebührenverordnung im Zusammenhang mit dem neuen Parkierungskonzept». Gemeindepräsident Stefan Bührer (FDP) sagte, der Gemeinderat habe diverse Anregungen aus der Bevölkerung erhalten, dass gerade bei den Forchbahnstationen oft Personen, die nicht hier wohnen, ihr Auto auf einem öffentlichen Parkplatz ganztägig parkieren, um anschliessend mit der Bahn in die Stadt zur Arbeit zu fahren. Tiefbauvorsteherin Beryl Niedermann (Die Mitte) stellte das neue Konzept vor. Zwar fällt dieses in die Kompetenz des Gemeinderats, doch erfordert es eine Anpassung der Gebührenverordnung – und diese wiederum muss von der Gemeindeversammlung genehmigt werden. «Ziel des Konzepts ist primär, dass es mehr Fluktuation gibt auf den Parkplätzen in unserer Gemeinde, dass diese immer wieder frei werden und nicht stundenlang besetzt sind.» Ein weiteres Ziel sei die Vereinheitlichung der Parkzeiten. Auch wolle man den Zumikerinnen und Zumikern die Möglichkeit bieten, dauerhaft zu parkieren. Die Gemeinde will eine Parkkarte einführen und dafür eine Gebühr erheben, die sich ungefähr an den Nachbargemeinden orientiert; Küsnacht verlangt 40 Franken pro Monat, Zollikon 20 Franken. Man werde aber weder Parkplätze abbauen noch neue schaffen. Mehrere Votanten äusserten sich zum Geschäft. Der Zumiker Christian Mathis fand, sowohl das heutige System mit 72 Stunden ­Gratisparkieren als auch das Dauerparkieren mit Parkkarte hätten Vor- und Nachteile. Wer etwa in die Ferien gehe, könne mit dem neuen System sein Auto künftig länger parkieren. Es wäre aber nicht fair, wenn jemand mit einer Parkkarte künftig zum Beispiel einfach einen Camper dauerhaft auf einen Parkplatz stellen könnte. Auch ein Gewerbevertreter teilte die Meinung des Gemeinderats nicht: «Als Handwerker hatte ich nie Probleme, in Zumikon einen Parkplatz zu finden. Mit einer neuen Parkkarte bestraft man nur die Anwohner und löst das Problem nicht.» Vier Stimmberechtigte traten ans Mikrofon, um ihr Votum vorzubringen – alle waren gegen das neue Parkierungskonzept. Fast musste man annehmen, das Traktandum werde abgelehnt. Doch bei der Abstimmung hiess es: Annahme der Vorlage mit 72 zu 53 Stimmen.

Positiver Ausblick auf Grossprojekte

Somit waren die Geschäfte durchgewinkt. Ausserhalb der Traktanden informierte Liegenschaftenvorsteher Thomas Epprecht (FDP) über die angesprochenen Grossprojekte mit dem Investitionsstau, drei an der Zahl: Tiefgarage, Erneuerung Dorfplatz und Gemeinschaftszentrum. «Am liebsten würde ich Ihnen sagen, dass wir fleissig daran sind, die 40 Millionen auszugeben.» Alle Grossprojekte hätten unterschiedliche Leidensgeschichten hinter sich, die Einsprachen sind bekannt. Sie seien aber immer mit deutlichen Mehrheiten von 80 bis 90 Prozent Zustimmung an der Urne angenommen worden. Jetzt sei das Komplizierteste überstanden. Thomas Epprecht hofft, für das Gemeinschaftszentrum die Baubewilligung im dritten Quartal zu erhalten und im ersten Quartal 2027 mit dem Bau zu beginnen. «Diese drei Projekte sind ein wichtiger Teil der Zumiker Identität und knüpfen an die grossen Würfe der 1970er-Jahre an», sagte er. Im Anschluss stellte Stefan Bührer die Einzelinitiative von Wilfried Schweizer vor (ZoZuBo 13/2026). Sie verlangt den Erhalt eines Gastrobetriebs während der Umbauzeit des Dorfplatzes. Der Gemeinderat beurteilte die Initiative als formell nicht gültig, entschied aber, das Anliegen als Petition entgegen­zunehmen. Man sei mit dem Eigentümer des Gasthofs ­Rössli und Wilfried Schweizer im Gespräch, dort allenfalls übergangsweise einen Gastrobetrieb zu ermöglichen. ­Allerdings sei das Haus aktuell in einem ­Zustand, der kein Restaurant erlaube. Somit entstünden Kosten, die «verloren» wären, da langfristig beim Gasthof Rössli Eigentumswohnungen geplant seien.

Verabschiedung der Menschen

Verabschiedet wurden nicht nur die Geschäfte, sondern auch einige Behördenmitglieder: die RPK-­Mitglieder Lukas Fischer, Martin Welser und Raphael Widmer, die Sozialbehörde-Mitglieder David Stierli und Nicole Ziegler, die Mitglieder der Schulpflege Pierre Angst und Brigit Piaz sowie die Gemeinderätin und Gemeinderäte Beryl Niedermann, Mirco Sennhauser und Marc Bohnenblust. Dieser sagt: «Es war immer schön, diese Arbeit zu machen. Jetzt ist es schön aufzuhören. 15 Jahre sind genug. Es freut mich, dass frische Energie in den Gemeinderat kommt, und ich bin überzeugt, dass ein sehr kompetentes Gremium die Gemeinde führen wird.»

Die Neuen stehen bereit

Beim Apéro meint Christian Mathis zu seinem Votum: «Es war wichtig, dass wir über die Parkierung diskutieren konnten. Wir dürfen doch nicht Dauerparkiermöglichkeiten schaffen, wo jemand für 400 Franken ein ganzes Jahr lang seinen Camper im Quartier abstellen kann. Vielleicht nimmt der Gemeinderat ein, zwei Punkte unserer Bedenken auf.» Nachfrage also beim Gemeindepräsidenten. Stefan Bührer sagte zu diesem Einwand: «Bei der Parkierung hat der Gemeinderat die Möglichkeit, ein Feintuning vor­zunehmen. Wenn wir zum Beispiel feststellen, dass die Parkplätze ­einfach genutzt werden, um Anhänger oder Ähnliches dauerhaft abzustellen, könnten wir Massnahmen ergreifen.» Über die Gemeindeversammlung als Ganzes zeigt er sich zufrieden: «Es freut einen, wenn die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger die Meinung des ­Gemeinderats teilen. Das ist ein Vertrauensbeweis.» Während den einen zum Abschied zugewinkt wurde, stehen die Neuen bereit. Marco Ziegler, im März frisch für die FDP in den Gemeinderat gewählt, ist einer von ihnen. Er freut sich: «Es ist mir ein Anliegen, als Team zu arbeiten, und da habe ich ein sehr gutes Gefühl. Die grösste Aufgabe der nächsten vier Jahre wird sein, die drei Grossprojekte sauber und effizient zu realisieren. Wenn ich nach der ersten Legislatur sagen kann, dass wir das geschafft haben, dann ist das wichtigste Ziel erreicht.» Was bedeuten würde, dass Zumikon dereinst nurmehr für den tiefsten Steuerfuss im Kanton bekannt sein würde – und nicht auch für die am stärksten nach Tannenwald riechende Tiefgarage, wie Stefan Bührer an der Versammlung die beiden am häufigsten kolportierten Merkmale der Gemeinde benannt hatte.

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