Der Weltenbummler vom Zollikerberg

Von Brigitte Selden ‒ 19. Juni 2026

Roberto Barizzi ist im Dorf tief verwurzelt – und zieht dennoch gerne in die Ferne. Der ehemalige Unternehmer und heutige Vorstand der «Senioren für Senioren» hat jeden Kontinent bereist. Besonders Afrika hat es ihm angetan.

Neben Reisen und der Familie gehören auch Angeln und Kochen zu den Hobbys, die Roberto Barizzi leidenschaftlich pflegt. (Bild: zvg)
Neben Reisen und der Familie gehören auch Angeln und Kochen zu den Hobbys, die Roberto Barizzi leidenschaftlich pflegt. (Bild: zvg)

Wer sich mit Roberto Barizzi unterhält, merkt schnell: Dieser Mann trägt den Zollikerberg in seiner ganzen Biografie. 1952 geboren, kam er als halbjähriger Bub in die Gemeinde, nachdem seine Eltern an der Forchstrasse ein Haus gekauft hatten. Seine Kindheit verbrachte er auf den Strassen des Quartiers, wo er mit den Nachbarskindern Fussball und Völkerball spielte und Autos noch selten waren. «Wenn man hier aufgewachsen ist, fühlt man sich natürlich absolut zu Hause», sagt Roberto Barizzi. Heute, mehr als sieben Jahrzehnte später, lebt er wieder genau dort: im Elternhaus, das er gemeinsam mit seiner Frau 2013 übernahm.

Ein Familienbetrieb aus bescheidenen Anfängen

Die Geschichte der Familie Barizzi beginnt in Verona, woher seine Mutter stammte, und im Tessin, aus dem sein Vater in den frühen 1920er-Jahren nach Zürich kam. 1945, unmittelbar nach dem Aktivdienst, gründete dieser im Kreis 4 das Malergeschäft Barizzi – mit einem Fahrrad, einem Anhänger und einer Leiter über der Schulter. «Wie ein Plakatkleber. Ganz klein ging es los», erzählt Roberto ­Barizzi. «Mein Vater war unglaublich fleissig und hat sich alles selbst aufgebaut.»
Das Unternehmen wuchs stetig, und 1972 wurde der Betrieb nach Zollikerberg verlegt. Für Roberto Barizzi war klar, dass er eines Tages einsteigen würde, obwohl er zunächst eine kaufmännische Ausbildung absolvierte. Doch sein Vater liess keinen Zweifel an seinen Erwartungen: «Er sagte: Die Firma ist zu klein für jemanden, der nur im Büro sitzt. Wenn du sie übernehmen willst, musst du das Handwerk von der Pike auf beherrschen.» Also stand Roberto Barizzi nach Lehre und Rekrutenschule morgens um sieben Uhr in Überkleidern auf dem Gerüst, lernte das Handwerk von Grund auf und erledigte erst abends die Büroarbeit. «Rückblickend war das der beste Entscheid meines Lebens. Ich habe dadurch ein Verständnis für die Arbeit entwickelt, das mir später als Unternehmer enorm geholfen hat.»

Die 1970er- und 1980er-Jahre brachten Aufbruchstimmung. Neben dem klassischen Malergeschäft gehörte auch ein Spritzwerk für industrielle Teile zum Familienbetrieb, das zunächst sehr bescheiden in der Garage und im Trocknungsraum des Elternhauses untergebracht war. Als dieses dort aus allen Nähten platzte, fand die Firma 1976 eine neue Heimat in Waltikon, in den Räumlichkeiten der ehemaligen Skifabrik Attenhofer. 1988 übernahm Roberto Barizzi mit 36 Jahren schliesslich die Geschäftsführung. Er strukturierte das Unternehmen neu, teilte es in das Malergeschäft und das Lackierwerk auf und führte den Betrieb in eine Phase starken Wachstums.

Doch Erfolg verlangt auch mutige Entscheidungen. Als dem florierenden Lackierwerk Jahre später in Zumikon die Räumlichkeiten gekündigt wurden, kaufte der Unternehmer ein Grundstück in Fehraltorf und baute dort ein neues, grosses Werk auf. Weil er durch die Distanz zum bisherigen Arbeitsort die persönliche Betreuung der lokalen Kundschaft für das klassische Malergeschäft nicht mehr wie gewohnt sicherstellen konnte, verkaufte er diesen Firmenteil im Jahr 2002.

Ein Familienmensch mit tiefen Wurzeln

Das Lackierwerk führte Roberto Barizzi erfolgreich bis zu seiner Pensionierung weiter. Bei der Nachfolge wiederholte sich die Familiengeschichte: Sein Sohn, der ursprünglich an der HSG Betriebswirtschaft studiert hatte, entschied sich nach einigen Berufsjahren ausserhalb des Unternehmens ebenfalls für den Familienbetrieb und übernahm ihn 2012 in dritter Generation. Roberto Barizzi selbst hält sich heute vollständig aus dem Tagesgeschäft heraus, pflegt aber den menschlichen Kontakt: «Ich fahre noch zwei-, dreimal im Jahr vorbei, um die Angestellten zu sehen. Einige sind seit 30 oder 35 Jahren dabei. Da interessiert mich einfach, wie es ihnen und ihren Familien geht.»

Privat fand Roberto Barizzi früh sein Glück. Noch vor seinem 21. Geburtstag heiratete er seine Jugendfreundin – das Paar feierte jüngst seinen 53. Hochzeitstag. Nach Stationen in Gossau ZH sowie an der Kelten- und Waldgartenstrasse kehrten sie 2013 endgültig ins Elternhaus zurück, das sie aus der Erbengemeinschaft übernahmen. «Der Entscheid fiel uns auch mit Blick aufs Alter leicht», sagt der vierfache Grossvater, der am 28. Februar seinen 74. Geburtstag feierte. «Der Coop ist in der Nähe, die Forchbahn vor der Haustür.»

Weltenbummler mit Gemeinschaftssinn

Trotz der tiefen Verwurzelung zieht es Roberto Barizzi und seine Frau regelmässig in die Ferne. Ein fester Bezugspunkt ist das rund 400 Jahre alte Sommerhaus im Val Colla, der Tessiner Heimat seiner Familie. Darüber hinaus haben die beiden bereits jeden Kontinent bereist. Besonders Afrika hat es ihm angetan, seit er 1983 erstmals von seinem Vater dorthin eingeladen wurde: «Er sagte mir damals: Geh nicht als hochnäsiger Europäer dorthin. Die Menschen dort haben oft wenig, aber sie lachen gerne. Bring sie zum Lachen, dann bist du ihr Freund. Das beherzige ich bis heute. Eine Woche in Afrika gibt mir Energie für das ganze Jahr.» Auch für dieses Jahr stehen mit einer Safari in Simbabwe, Botswana und Namibia sowie einer Costa-Rica-Reise wieder grosse Pläne an. Heimischer Mittelpunkt bleiben die vier Enkelkinder. Für sie packt Roberto Barizzi gelegentlich auch mal seine alten Steno-Kenntnisse aus, zur Unterhaltung und: «Damit sie nicht alles gleich entziffern können», sagt er lachend.

Bei aller Weltläufigkeit schlägt sein Herz für die Gemeinschaft in der Gemeinde. Während sein Vater sich früher kirchenpolitisch für die italienische Gemeinschaft engagierte und den damaligen St. Michael’s Club gründete, bringt sich Roberto Barizzi heute im Vorstand der «Senioren für Senioren» im Zollikerberg ein, wo er die Anlässe organisiert. «Ich mache das extrem gerne. Es gibt mir viel Befriedigung, etwas für ältere Menschen zu tun, die vielleicht nicht mehr ganz so mobil sind. Und die Zusammenarbeit im Vorstand ist sehr freundschaftlich – das ist nicht selbstverständlich.»

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