Von Joachim Lienert ‒ 26. Juni 2026

Die bisherige Kirchenpflege teilte am Mittwoch mit: «Gegen das Wahlgeschäft über die Mitglieder der Kirchenpflege und ihres Präsidenten für die Amtsdauer 2026 bis 2030 anlässlich der Kirchgemeindeversammlung vom 1. Juni 2026 wurde durch zwei Mitglieder der Kirchgemeinde bei der Rekurskommission der römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich ein Rekurs in Stimmrechtssachen betreffend die Wahl- und Abstimmungsfreiheit eingereicht.» Am Samstag erhielt die Kirchenpflege den Bescheid der Rekurskommission, dass der Rekurs mit neuen Argumenten noch am Laufen sei. Eine Abklärung mit der Aufsichtskommission der Katholischen Kirche im Kanton Zürich – diese ist von der Rekurskommission unabhängig – ergab, dass wegen des Rekurses die Wahl der neuen Kirchenpflege noch nicht rechtskräftig ist und diese ihre Arbeit somit noch nicht aufnehmen kann.
Dass ein Rekurs von zwei Kirchenmitgliedern betreffend Wahl- und Abstimmungsfreiheit eingereicht worden war, hatte Vedran Zrno, der aktuelle Präsident der katholischen Kirchenpflege Zollikon-Zumikon, bereits an der Kirchgemeindeversammlung bekannt gegeben. Der Rekurs wollte unter anderem bewirken, dass die bisherige Kirchenpflege im Amt zu belassen sei, bis ein Entscheid der Aufsichtskommission vorliegt. Diese sollte sich zu Geschäften und Vorgängen der Kirchenpflege äussern, gegen die Raphael Widmer, der später an der Versammlung neu gewählte Kirchenpflegepräsident, eine Aufsichtsbeschwerde eingelegt hatte. Vedran Zrno sagt: «Innerhalb des laufenden Rekurses können neue Tatsachen oder Argumente vorgebracht werden.» Der Rekurs sei in diesem Zusammenhang zu sehen.
Zur Erinnerung: An der Kirchgemeindeversammlung vom 1. Juni wurden sämtliche bisherigen Mitglieder der Kirchenpflege nicht wiedergewählt und an ihrer Stelle sieben neue gewählt (ZoZuBo 23/2026). «Auf Anweisung der Aufsichtskommission bleibt die bisherige Kirchenpflege im Amt, solange der Rekurs noch hängig ist. Damit habe ich nicht gerechnet. Wir wollten die Geschäfte am Montag übergeben», hält Vedran Zrno fest. Das Wichtigste sei jetzt, für die Kirchgemeinde da zu sein. «Wir haben alle Mitarbeitenden sofort informiert. Wir führen die Geschäfte operativ weiter und stehen im Dienst der Kirchgemeinde, bis die Rekurskommission entschieden hat.» Wann das sein wird, ist nicht bekannt. Vedran Zrno betont: «Es gibt keinen Rekurs gegen die Wahlen der Rechnungsprüfungskommission. Diese ist gewählt, wir erwarten als Nächstes die Konstitution der Behörde.» Vom Entscheid überrascht wurde Raphael Widmer, der designierte Kirchenpflegepräsident. Er bleibt dennoch gelassen. «Jetzt warten wir einfach ab. Irgendwann muss die Aufsichtskommission entscheiden. Wenn man in der Politik tätig ist, muss man immer mit einer Überraschung rechnen.» Sorgen bereite ihm aber, dass bei der Führung der Kirchgemeinde für längere Zeit keine Klarheit herrschen könnte. «Es stehen einige wichtige Entscheide an, zum Beispiel das Bauprojekt in Zumikon, an dem wir als Kirchgemeinde mit über zehn Prozent beteiligt sind.»
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