Von Lea Moser ‒ 3. Juli 2026

Etwas wehmütig bin ich schon, es war eine prägende Zeit. Ich war 30 Jahre aktiv in der Gemeinde – 18 Jahre in der Feuerwehr und zwölf Jahre im Gemeinderat – nun geht diese Ära zu Ende. Von Anfang an hatte ich mir acht Jahre als Gemeindepräsident vorgenommen. Morgen (1. Juli, die Red.) gebe ich den Schlüssel ab und bin nicht mehr in die Tagesgeschäfte involviert. Bestimmt gibt es Menschen, die mit diesem Bedeutungsverlust ihre Mühe haben – ich vielleicht auch, das wird sich zeigen. Ich war nie etwas Besseres, ich hatte einfach einen öffentlichen Auftrag, den ich gerne ausgeführt habe.
Was ich nie vergessen werde, sind die Besuche bei den Zollikerinnen und Zollikern, die ihren 100. Geburtstag feierten. Sie haben sich immer sehr gefreut, und wir haben zusammen viele Erinnerungen geteilt. Ab dem 100. Geburtstag ging ich jedes Jahr vorbei. Diese Begegnungen haben mich tief berührt.
Ich habe viele Veranstaltungen im Dorf besucht und habe es sehr geschätzt, eingeladen zu werden und mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Das Dorf lebt schliesslich nicht vom Gemeinderat allein, sondern von den vielen Menschen und Vereinen, die sich engagieren und zum aktiven Dorfleben beitragen.
Der Start im Gemeinderat war sehr zäh – alle waren damals in stiller Wahl gewählt worden. Die Gemeinderatskollegen hatten meinen Kontrahenten unterstützt. Im Nachhinein bin ich dem damaligen Gemeinderat dankbar, dass es uns gelungen ist, diesen Wahlkampf hinter uns zu lassen und als Team zusammenzuarbeiten.
Eine der ersten grossen Herausforderungen war die erfolgreiche Urnenabstimmung über die genossenschaftliche Überbauung des Beugi-Areals. Die nachfolgende Diskussion hat gezeigt, dass die Realisierung an wohl kaum überwindbaren rechtlichen Hürden gescheitert wäre. Zusammen mit den Initianten konnte der Gemeinderat in einer weiteren erfolgreichen Urnenabstimmung die Verpflichtung wieder herauslösen. Das Beugi-Areal kann jetzt in einer Gesamtschau ohne Verpflichtungen für die Gemeinde geplant werden. Für diese Umsichtigkeit der Initianten bin ich heute noch sehr dankbar.
Eine weitere grosse Herausforderung war der Verkauf des Grundstücks Altersheim am See. Die Gemeindeversammlung hatte den Verkauf mit einer Stimme gutgeheissen. Der Beschluss wurde bis vor Bundesgericht angefochten und wurde dann aufgehoben. Bei der zweiten Abstimmung zum Heinrich-Ernst-Fonds wurde ein Rückweisungsantrag bezüglich des Verkaufs gestellt. Die Abstimmung zur Rückweisung ging 58 zu 58 aus und wurde per Stichentscheid durch mich als Präsident abgelehnt. Die Ausführungsbestimmungen wurden hingegen angenommen. Im Dialog haben wir das Fonds-Reglement modernisiert und die Besitzverhältnisse des Fonds geklärt. Die Gemeindeversammlung war bereit, mit der Annahme auch hier neue Planungsgrundlagen für die Entwicklung des Grundstücks zu setzen.
Mit der Totalrevision des Gemeindegesetzes mussten wir auch unsere Gemeindeordnung grundlegend revidieren. Der damalige sehr erfahrene Gemeindeschreiber Markus Gossweiler hat uns durch den Prozess geführt. Die neue Gemeindeordnung trat anfangs 2022 in Kraft. In diesem Zug wurde auch die RPK zur Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission aufgewertet.
Ja, die Coronazeit war sehr herausfordernd. Im Wochentakt mussten wir unter erschwerten Bedingungen bestmögliche Lösungen für den funktionierenden Gemeindebetrieb finden. In dieser Zeit hat mir meine Erfahrung in der Feuerwehr sehr geholfen – ich wusste, wie Stabsarbeit funktioniert. Es brauchte Mut, Entscheide zu fällen, die sich später vielleicht als nicht optimal herausstellten. Mein Selbstverständnis war stets, dass ich für diesen Mut zum Entscheid gewählt wurde. Die Openair-Gemeindeversammlung war einer dieser Entscheide, die wir durchgezogen haben. In dieser turbulenten Zeit waren wir besonders froh um den Zolliker Zumiker Boten: Er war das einzige Medium, mit dem wir die gesamte Bevölkerung erreichen konnten.
Politisch bleibe ich im Kantonsrat für die Grünliberale Partei aktiv, da trete ich 2027 wieder an. Auch als Präsident der Interessensgemeinschaft ZWET (Zweitheimische) Scuol verfolge ich politische Ziele. In meiner beruflichen Ausrichtung gebe ich mir bis zum 1. Januar 2027 Zeit.
Ich halte das ungeschriebene Gesetz hoch, dass der scheidende Präsident dem neuen keine Ratschläge gibt. Das habe ich an meiner Vorgängerin sehr geschätzt. Damit ich gar nicht erst in Versuchung komme, werde ich nicht mehr an Gemeindeversammlungen teilnehmen.
Wir haben die Verwaltung neu aufgestellt, und die Zusammenarbeit mit der Schule gestärkt. Wir sind schon lange eine Einheitsgemeinde. Heute sind Liegenschaften und die IT-Abteilung vereint. Das wurde dank der abtretenden Schulpräsidentin Claudia Irniger möglich. Die Verwaltung wurde in grossen Schritten digitalisiert, und wir haben die Transparenz innerhalb, und gegen aussen gestärkt, indem alle Gemeinderatsbeschlüsse zeitnah publiziert werden. In der Verwaltung herrscht grundsätzlich eine leistungsbereite Stimmung. Ich habe den Eindruck, dass die Mitarbeitenden gerne bei der Gemeinde Zollikon arbeiten. Eine gut funktionierende Verwaltung ist essenziell. Auch in den Behörden und im politischen Diskurs sind wir gut aufgestellt. Wir haben ein informiertes und engagiertes Stimmvolk, und für die Behörden können wir qualifizierte Personen finden. Dafür bin ich bei meinem Abschied sehr dankbar.
Ich wünsche mir, dass die hohe Qualität in der Politik in Zollikon erhalten bleibt. Alle weiteren Schwärmereien zu unserer tollen Gemeinde würden den Rahmen dieses Interviews sprengen.
Das Amt und die Verantwortung als Gemeindepräsident habe ich sehr gerne übernommen. Für alle Begegnungen und schönen Erinnerungen bin ich dankbar – es war eine gute Zeit. Ich konnte davon viel für mich mitnehmen. Ich hoffe, ich konnte auch viel zurückgeben. Ich bin stolz, ein Zolliker zu sein.
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