Der Käselaib rollt wieder

Von Patricia Dangel ‒ 3. Juli 2026

Vor fünf Monaten berichtete der Zolliker Zumiker Bote über die Schliessung des Käseladens «Chäsbueb». Vor zwei Wochen öffnete das Lokal unter dem neuen Namen «Chäshütte» wieder. Wie kam es dazu?

Ein neues Trio belebt die Chäshütte: Ruth Enzler, Urs Christian Eugster-Schnell und Nicole Stoltenburg (v. l.). (Bild: pda)
Ein neues Trio belebt die Chäshütte: Ruth Enzler, Urs Christian Eugster-Schnell und Nicole Stoltenburg (v. l.). (Bild: pda)

Trotz Rekordtemperaturen in der letzten Woche: Im Käseladen ist es angenehm kühl. Die gut bestückte Käsetheke wird ergänzt durch ein Weinregal und allerlei Leckereien für ein Abendessen. Im Artikel über die Schliessung sagte Nicole Stoltenburg, es komme für sie nicht infrage, «selbst die Verantwortung als Unternehmerin zu übernehmen». Jetzt ist sie sowohl Geschäftsleiterin, als auch eine von drei Gesellschafterinnen der neuen Chäshütte Zollike GmbH.

«Umgestimmt hat mich, dass sich Ruth und Urs gemeldet haben. Allein hätte ich es definitiv nicht gemacht. Sie bringen das nötige Know-how mit, das mir fehlt.» Was der neuen Chefin manchmal noch Bauchschmerzen bereite, sei die Verantwortung für die zwei Mitarbeitenden, die sie übernommen habe. «Aber die stehen hinter mir und sagen: Wenn’s kracht, kracht’s so oder so.»

Doch von vorn: Wer sind Ruth und Urs, und wie kamen sie zur Chäshütte? «Alles begann mit dem Schliessungsartikel», erzählt Ruth Enzler, seit 27 Jahren in Zollikon wohnhaft, Stammkundin des Chäsbuebs, von Haus aus Juristin und Psychologin. «Hochwertige regionale Lebensmittel liegen mir sehr am Herzen.» Sie gab ihre Visitenkarte an der Theke ab und bot ihren Erfahrungsschatz an, der von Restrukturierungsarbeit bis zur Burnout-Prävention reicht. «Es hat keine zwei Stunden gedauert, da rief mich ein Gemeinderat an.»
Der dritte Gesellschafter im Bund, Urs Christian Eugster-Schnell, ist in der Ostschweiz aufgewachsen. Dort habe er erlebt, wie es Teil der Ortsverbundenheit sei, sich für das Gewerbe einzusetzen. Seine Familie habe mehrere Projekte angerissen. Der hauptsächlich in der Software-Industrie Tätige sagt: «Ich mag es, die fehlende Haptik zu kompensieren.» Menschen hätten Freude an einem Lädeli. Eine neue Software zu kaufen, löse weniger Emotionen aus. Diese Freude haben die Zollikerinnen und Zolliker bewiesen: Für die Übernahme des Käseladens kamen 115 000 Franken als zinslose Darlehen zusammen.

Gewerbefreundliche Gemeinde

Das Crowdfunding sei der ausschlaggebende Grund für die ­Vergabe des Ladenlokals gewesen, bestätigt Gemeinderat Patrick Dümmler. Die Gemeinde ist Eigentümerin der Liegenschaft. «Der Fakt, dass die Bevölkerung den Laden massgebend unterstützt hat, ist ein schönes Zeichen einer lebendigen Gemeinde.» Er sieht den Erhalt von beliebten Geschäften als ein Zusammenspiel von Gemeinde, Bevölkerung und Unternehmen.

Zollikon hat schon einige Strukturwandlungen von Dorfläden gesehen. So wurden etwa das Reformhaus Müller oder der Coiffeur Ryf erfolgreich neu aufgestellt. In beiden Betrieben wurden ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unternehmerisch tätig. Ohne die Unterstützung der Gemeinde wäre dies wohl nicht möglich gewesen. «Das Beispiel zeigt: Wenn die Schliessung eines Ladens droht, können gemeinsam Lösungen gefunden werden. Insbesondere wenn der Betrieb mit qualitativen Kriterien besticht, wie der Auswahl von Spezialitäten, ausgezeichneter Beratung und einem ­hohen Beliebtheitsgrad bei Bürgerinnen und Bürger», sagt der Gemeinderat über den Käseladen. Er betont, dass die Chäshütte weder im Auswahlprozess bevorteilt noch beim Mietvertrag subventioniert wurde. Dank der moralischen Unterstützung aller Beteiligten bleibt der Käseladen im alten Steinhaus, das den Namen «Chäshütte» schon lange trägt.

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