Das Glück am Schopf gepackt

Von Lea Moser ‒ 10. Juli 2026

Glück vermehrt sich, wenn man es teilt: Rosemarie Zambelli teilt ihres gerne mit der Bevölkerung, indem sie sich ehrenamtlich engagiert. Im Zollikerberg hat sie ihr Zuhause gefunden – auch dank der guten Freundschaften.

Lange war der Chramschopf ihr Lieblingsplatz – im Zollikerberg fühlt sie sich zu Hause. (Bild: lmo)
Lange war der Chramschopf ihr Lieblingsplatz – im Zollikerberg fühlt sie sich zu Hause. (Bild: lmo)

Ihr Vater war während drei Jahren mit der Basler Mission in Ghana tätig, ihre Eltern waren Mitglieder im Afrika-Schweizer Club – so war Afrika in ihrer ­Jugend allgegenwärtig. Afrikanische Masken zierten die Wände des Hauses an der Seestrasse in Zollikon. «Das weckte in mir den Wunsch, selbst dorthin zu reisen. Mit meinem Mann, den ich in meinem Lehrbetrieb kennenlernte, setzte ich meinen Wunsch in die Tat um und wanderte nach Südafrika aus.»

In der Hitze Afrikas

Rosemarie Zambelli bevorzugte ­Afrika, ihr Partner wollte lieber nach Kanada. Da er jedoch kein ­Visum erhielt, reisten die beiden mit dem Schiff nach Kapstadt und dann mit dem Zug weiter nach Johannesburg. «Wir erhielten den ‹Permanent resident›-Status für Südafrika. Das war 1969 noch ganz unkompliziert.» Es war kurz vor Weihnachten, die ­jungen Auswanderer waren auf Jobsuche. Der Zufall wollte es, dass just in diesem Moment ein Firmenauto eines bekannten Korrespondenten ihres Lehrbetriebs vorbeifuhr. Sie liefen dem beschrifteten Lieferwagen nach und fanden so die Firma, bei der sie sich spontan vorstellten. Beide erhielten eine Anstellung. Sie fanden eine Wohnung und zogen zum ersten Mal zusammen. Während zweieinhalb Jahren lebte und arbeitete das Paar in der grössten Stadt Südafrikas, wo sie auch heirateten und ihre Tochter zur Welt kam. Sie fanden viele Freunde, mit denen sie heute noch in Kontakt sind – es war eine gute Zeit. Ihr Arbeitgeber, eine internationale Speditionsfirma, plante die Eröffnung einer Filiale in Namibia, dem damaligen Südwestafrika. Ihr Mann Mario Zambelli wurde zum lokalen Geschäftsführer ernannt. Die Familie zog nach Windhoek und verbrachte dort ­weitere zweieinhalb Jahre. Als ihr Mann später eine neue berufliche Perspektive suchte und gleichzeitig in der Schweiz eine kleine Rezession herrschte, beschlossen sie die Rückkehr. Die Tochter kam bald ins Kindergartenalter – es war also der perfekte Zeitpunkt.

Auf dem Berg Zollikons

Mitte 1974 zog die Familie in den Zollikerberg – schon damals war es schwierig, eine Wohnung zu finden. Ihre Eltern fanden für sie eine 3.5-Zimmer-Wohnung an der Langwattstrasse. 1976 kam die zweite Tochter zur Welt. «In Südafrika ­haben alle Frauen mitgearbeitet, es gab auch Spielgruppen. Das habe ich dort zum ersten Mal gesehen. In der Schweiz gab es noch keine Kindertagesstätten.» Ihr Mann fand eine Stelle in einer Handelsfirma, war beruflich international viel unterwegs, sie häufig mit den Kindern allein.

Unerschöpflicher Einsatz

1985 traten die beiden dem Verein Chramschopf bei. Samstags arbeiteten sie oft ehrenamtlich in der Möbelabteilung. «1989 habe ich das Sekretariat übernommen und dieses ausgebaut. Das war ein super Wiedereinstieg in die Arbeitswelt.» Der Chramschopf wuchs in dieser Zeit stark und wurde für sie in ­vielerlei Hinsicht zum Sprungbrett: Sie lernte zahlreiche Menschen kennen. Als ihre Kinder längst aus­gezogen waren, übernahm sie 2001 das Präsidium, das sie 23 Jahre lang leidenschaftlich ausübte. Mit der wertvollen Unterstützung des Vorstands brachte sie den Verein und das Brockenhaus voran. «Ich bin dankbar für mein glückliches Leben und gebe der Gesellschaft deshalb gerne etwas zurück. Mir geht es auch deshalb so gut, weil ich einen wunderbaren Mann an meiner Seite habe.» Die beiden seien ein sehr gutes Gespann – feiern sogar am selben Tag Geburtstag und sind gleich alt. Auch er engagiert sich ehrenamtlich. «Es ist viel Freiwilligenarbeit. Ohne Freiwilligenarbeit geht es nicht. Das muss so sein.»

Es sei schön und wichtig, den Gegenständen im Brocki ein zweites Leben schenken zu können – vor allem in der heutigen Wegwerf­gesellschaft. «Seit 1992 bieten wir unseren Aktivmitgliedern, die ehrenamtlich im Brocki arbeiten, als Dankeschön jährlich einen Ausflug an. Das Gesellschaftliche wird im Chramschopf grossgeschrieben: Es entstehen Freundschaften.»

Die Coronazeit habe auch dem Chramschopf zugesetzt, davor ging es finanziell immer aufwärts: 120 000 Franken jährlich konnten in soziale Projekte im In- und Ausland investiert werden. Seit der Pandemie gingen die Einnahmen zurück, und die Konkurrenz ist gewachsen. «Weitere rund 20 000 Franken gingen jeweils nach Burkina Faso. Seit rund 32 Jahren unterstützen wir dort das Hilfsprojekt Béog-Neeré für Heim- und Strassenkinder. Auch Schulhäuser in Albanien haben wir finanziell unterstützt. 2018 gingen wir diese vor Ort besuchen.» Der Chramschopf habe mangels Freiwilligen nicht nur einmal auf der Kippe gestanden. Umso schöner sei es, dass es weitergehe.

Vielseitige Einblicke

Nach der Sekundarschule ging ­Rosemarie Zambelli als Au-pair nach Genf, ehe sie in einer Speditionsfirma ihre KV-Lehre begann. Mit dem Fähigkeitszeugnis in der Tasche flog sie für ein Jahr nach England. Im Anschluss holte der Lehrbetrieb sie nochmals für ein Jahr zurück, bevor sie auswanderte. «Zurück in der Schweiz arbeitete mein Mann viel in Asien und erzählte mir davon. So besuchte ich ihn zusammen mit unserer älteren Tochter für einen Monat in Hongkong.» Später arbeitete sie auf Vermittlung einer Freundin in einer Consultingfirma. «2001 begann ich in der Administration der ICS Intercommunity School in Zumikon zu arbeiten und blieb dort zehn Jahre. Dort öffnete mir der Chramschopf die Tür, weil die HR-Verantwortliche den Verein kannte und wusste, was dort geleistet wurde.»

Der Chramschopf war lange ihr Hobby Nummer eins – neben ­Arbeit und Familie blieb kaum Zeit für ­anderes. Die Liebe zum Reisen, zur Natur und zur Kunst kamen dennoch nie zu kurz: «Wir gehen oft in Museen und besuchen Konzerte.» Auch im Frauenturnen Zollikerberg ist sie seit vielen Jahren aktiv.

Die 79-Jährige ist viel gereist, hat vieles gesehen und das Bedürfnis, Neues anzufangen, ist gestillt. Sie verbringt ihre Zeit gerne mit Lesen und dem Austausch mit Freunden und ihren Liebsten. Zu ihren beiden Töchtern und den vier Enkeln hat sie eine enge Bindung. Eng verbunden ist sie auch mit dem Zollikerberg: «Wir spazieren regelmässig durch den Wald – wir wohnen in einer schönen Gegend.»

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