Familiär ausserhalb der Familie

Von Lea Moser ‒ 10. Juli 2026

Der bisherige Verein Tages­familien Zürcher Oberland wächst und bietet sein Angebot nun auch in Zollikon und anderen Seegemeinden an. Deshalb trägt er neu den Zusatz «Zürichsee» in seinem Namen. Tages­familien – ein altbewährtes Betreuungsmodell.

Das Team des Vereins Tagesfamilien Zürichsee Oberland: Isabelle Vianden, Sabine Leemann, Stefanie Wäckerlin, Cornelia Kamm, Jasmin Eschmann, Irina Guerreiro (v. l.). (Bild: zvg)
Das Team des Vereins Tagesfamilien Zürichsee Oberland: Isabelle Vianden, Sabine Leemann, Stefanie Wäckerlin, Cornelia Kamm, Jasmin Eschmann, Irina Guerreiro (v. l.). (Bild: zvg)

Aktuell ist erst eine Tagesfamilie über den Verein Tages­familien Zürichsee Oberland (TFZO) in Zollikon angestellt – ihr Angebot ist bereits gut ausgelastet. Ruth Strässler ist Tagesmutter aus Leidenschaft, ihre Kinder sind längst erwachsen, doch ihr Herz schlägt weiter für die Betreuung von Kindern. Seit 22 Jahren betreut sie unter der Woche täglich vier bis fünf Kinder. «Ich bin froh um das gute Team der Geschäftsstelle im Hintergrund, das mir den Rücken stärkt.»

Wichtige Bezugsperson

Sie betreut die Kinder oft über viele Jahre hinweg und wird zu einer wichtigen Bezugsperson. Meistens bleibe die Tagesfamilienstruktur lange bestehen, diese Routine gebe den Kindern Sicherheit. «Das ist der grosse Vorteil einer Tagesmutter. Ich kann auch Kindern mit besonderen Bedürfnissen Halt geben, die in grösseren Settings wie einem Hort überfordert wären.» Es seien Freundschaften fürs Leben entstanden, und ihr erstes Tageskind ist inzwischen selbst eine Tagesmutter beim TFZO geworden.

Isabelle Vianden, die Geschäfts­leiterin des Vereins Tagesfamilien Zürichsee Oberland, sagt: «Wir führen Wartelisten. Deshalb freuen wir uns über Personen, die bereit sind, stunden- oder tage­weise Betreuung für ein oder mehrere Kinder anzubieten. Auch ein Mittagstisch an einzelnen Tagen sowie Ferienbetreuung sind eine wertvolle Unterstützung.» Tagesmütter und -väter würden dabei selbst entscheiden, an welchen ­Tagen und für wie viele Kinder sie Betreuungsplätze anbieten. Zu den eigenen Kindern dürfen maximal sechs Tageskinder aufgenommen werden. «Das Profil unserer Betreuungspersonen ist vielfältig: von ­Eltern, die ihre Kinderbetreuung um ein oder zwei Tageskinder erweitern, bis zu pensionierten Personen, die ihre Zeit sinnvoll in die Betreuung von Kindern investieren möchten.» Für viele Eltern sei es ein attraktiver Nebenverdienst, der sich ideal mit dem Familienleben vereinbaren lasse.

Isabelle Vianden hat ein besonderes Anliegen: Kinderbetreuung soll für alle Eltern bezahlbar sein. Ihre Vision: Eltern sollen frei wählen können, welche der drei offiziellen Betreuungsformen – Kita, Hort oder Tagesfamilie – am besten zu ihrer Familie passt. In der Gemeinde ­Zollikon werden je nach Einkommen- und Vermögenverhältnissen alle drei Angebote subventioniert.

Wie wird man Tagesmutter oder -vater?

Neue Betreuungspersonen werden sorgfältig nach dem Vieraugen­prinzip geprüft. Interessierte Betreuungspersonen werden zunächst zu einem Bewerbungsgespräch auf die Geschäftsstelle eingeladen. Bei fortbestehendem Interesse folgt ein Hausbesuch durch die zuständige Fachperson Begleitung, bei dem ­unter anderem Einrichtung und ­Sicherheit geprüft werden. Nach Möglichkeit lernt man auch die weiteren Familienmitglieder kennen. Die Grösse der Wohnung oder des Hauses sei dabei nicht per se entscheidend. Nebst einem Rückzugsort und genügend Platz am Esstisch zähle vor allem ein grosses Herz für Kinder.

Qualitätssicherung und Begleitung

«Als Mitglied des nationalen Verbands kibesuisse halten wir uns an die vereinbarten Standards, dies beinhaltet für alle Betreuungs­personen den Besuch einer Grund­bildung, ­eines Nothelferkurses sowie einer jährlichen Weiterbildung im pädagogischen Fachbereich», erklärt ­Isabelle Vianden. Die Kosten übernehme der Verein. Den ­Eltern und Tagesfamilien steht zudem eine Fachperson Begleitung als direkte Ansprechperson zur Verfügung – vom ersten Kennenlernen bis zur Unterstützung bei pädagogischen oder alltäglichen Fragen.

Der Vorstand arbeitet ehrenamtlich, die Mitarbeitenden der Geschäftsstelle sind fest angestellt. «So können wir eine durchgehend professionelle Unterstützung für die Tagesfamilien, Eltern, Kinder, aber auch in der Zusammenarbeit mit den Gemeinden gewährleisten.» Denn am Ende entscheide die Qualität der Betreuung darüber, ob sich Kinder geborgen fühlen und Eltern beruhigt ihrer Arbeit nachgehen können.

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