Von Dominique Pierre Lüthi ‒ 17. Juli 2026

Gustav Maurer wurde 1848 an der Gstadstrasse in Zollikon geboren. Er wuchs mit zwei Brüdern und zwei Schwestern auf. Sein Vater Johannes Maurer stellte Bestandteile für Webstühle her und engagierte sich stark für die Gemeinde. Er war unter anderem Schulpfleger, Gemeindeammann und Friedensrichter. Dieses Engagement dürfte auch Gustav Maurer geprägt haben.
Als Gustav Maurer 19 Jahre alt war, befand sich die Schweiz in einer Wirtschaftskrise. Viele Menschen suchten ihr Glück im Ausland. Auch der junge Zolliker entschloss sich 1867 zur Auswanderung nach Moskau. Der mutige Schritt zahlte sich aus. Er gründete eine Handelsfirma und spezialisierte sich auf den Handel mit Farbhölzern. Aus deren Kernholz und Wurzeln wurden damals Farbstoffe wie Blau, Rot oder Gelb gewonnen, die in verschiedenen Gewerben gefragt waren. Mit Fleiss und kaufmännischem Geschick baute sich Gustav Maurer ein beachtliches Vermögen auf.
Obwohl der Unternehmer beruflich erfolgreich war und viele Jahre in Russland lebte, verlor er die Verbindung zu seiner Heimat nie. Er verfolgte das Geschehen in Zollikon aufmerksam und unterstützte die Gemeinde immer wieder finanziell. Besonders sichtbar wurde dies 1898, als er einen namhaften Beitrag an die Anschaffung der neuen Kirchenglocken der reformierten Kirche spendete. Im Jahr 1900 kehrte Gustav Maurer nach Zollikon zurück. Die Gründe für seine Rückkehr sind nicht bekannt. Den Kontakt nach Russland brach er jedoch nie vollständig ab. Noch Jahre später erhielt er Post von dort. Ein Brief aus dem Jahr 1923 ist bis heute erhalten und zeigt, dass die geschäftlichen und persönlichen Verbindungen noch lange nach seiner Rückkehr bestanden. Seine letzten Lebensjahre verbrachte der unverheiratete Gustav Maurer im Freihof an der Gstadstrasse. Seine ebenfalls ledige Schwester Lina führte den Haushalt. Dort lebte er bis zu seinem Tod am 12. Juli 1930.
Mit seinem Tod hinterliess Gustav Maurer nicht nur die Erinnerung an einen erfolgreichen Geschäftsmann, sondern auch ein beachtliches Vermächtnis. In seinem Testament vermachte er gemeinnützigen Institutionen in Zollikon insgesamt 120 000 Franken. Weitere 100 000 Franken gingen an Einrichtungen ausserhalb der Gemeinde. Für die damalige Zeit handelte es sich um einen aussergewöhnlich hohen Betrag. Zollikon ehrte ihren grossen Wohltäter 1956 mit der Benennung der Gustav-Maurer-Strasse. Sie erinnert bis heute an einen Mann, der seine Heimat als junger Erwachsener verliess, in der Ferne erfolgreich wurde und doch nie vergass, wo seine Wurzeln lagen.
Quelle: Zolliker Jahrheft 2013 – Adrian Michael
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