Von Lea Moser ‒ 17. Juli 2026

Von den 30 Fledermausarten in der Schweiz stehen die Hälfte auf der Roten Liste und sind durch das eidgenössische Natur- und Heimatschutzgesetz streng geschützt. Manuela Manni Joss, Biologin und wissenschaftliche Beraterin der Stiftung Fledermausschutz, erklärt: «Ein Drittel der einheimischen Säugetierarten sind Fledermäuse – für das Ökosystem eine sehr wichtige Tiergruppe: Die nachtaktiven Jäger fressen tonnenweise Schadinsekten der Land- und Forstwirtschaft. Dadurch können in der Schweiz die Kosten von Pestiziden – im dreistelligen Millionenbereich – und deren Nebenwirkungen und Folgen eingespart werden.»
Zollikon verfügt über ein Gebäudebrüterinventar mit 13 Fledermausquartieren. Neun davon befinden sich im Zollikerberg. In Zumikon sind es neun Standorte. In den beiden Gemeinden wurden sechs Arten nachgewiesen: die Zwergfledermaus, der Kleine Abendsegler, die Rauhautfledermaus, das Braune Langohr, die Weissrand- sowie die Bartfledermaus. Auf dem Golfplatz Zumikon können derzeit jeden Abend in der Dämmerung jagende Fledermäuse beobachtet werden. Alba Stamm, begleitende Biologin des Projekts für die Aufwertungen auf dem Golfplatz, sagt: «Im Rahmen der Renovierung wurden drei Fledermaus-Zielarten wie etwa die Wasserfledermaus festgelegt, welche durch Massnahmen gefördert werden. Dafür wurden Hecken und Weiher angelegt und Pflanzen angesät, die besonders bei Nachtfaltern beliebt sind. Diese und weitere Insektenarten dienen den Fledermäusen als Nahrungsgrundlage.» Zudem wurden über 30 Fledermauskästen montiert. Diese müssen in einer Höhe von mindestens vier Metern angebracht werden, um den Fledermäusen einen ungehinderten, sturzflugartigen Abflug zu ermöglichen. Die Einflugöffnung darf nicht durch Äste verdeckt sein und muss im Dunkeln liegen. Im Licht trauen sich die Fledermäuse kaum heraus, da sie sonst zur leichten Beute von Greifvögeln werden. Die Höhe bietet auch einen essenziellen Schutz vor ihren vierbeinigen Fressfeinden wie Katzen und Mardern.
«Um die Fledermäuse zu schützen, prüft die Gemeinde Zollikon bei jedem Baugesuch, ob ein Fledermausquartier betroffen ist», sagt Stefanie Majer, Sachbearbeiterin Ökologie. Selbst kleinste bauliche Veränderungen hätten Auswirkungen auf ihren Lebensraum: Besonders vorsichtig sein sollte man beim Einbau von Dachfenstern, beim Aufbau von Gerüsten oder bei Fassadenrenovationen. «Sobald ein Quartier betroffen ist, ist umgehend die Regionale Koordinationsstelle Fledermausschutz des Kantons Zürich zu kontaktieren. Diese prüft, ob Schutz-, Erhaltungs-, Wiederherstellungs- oder Ersatzmassnahmen notwendig sind.» Ein gutes Beispiel ist die ARA Zumikon. Beim Rückbau wurden dort Wasserfledermaus-Kolonien entdeckt. Das Planungs- und Beratungsbüro Quadra GmbH montierte daraufhin Masten mit Fledermauskästen als Ersatzhabitate. Auch Artenschutzhunde, die speziell auf den Kot der Fledermäuse trainiert sind, würden in der Schweiz eingesetzt, um anhand der Kotspuren Habitat-Bäume im Wald aufzuspüren. «Solche Bäume werden soweit möglich erhalten», sagt Petra Lohmann vom Naturschutzverein Maur-Zumikon.
Am meisten zu schaffen macht den Fledermäusen jedoch wie so oft der Mensch, der ihren Lebensraum zerstört. Als Tagesschlafquartiere benutzen sie je nach Art bevorzugt Gebäudespalten, Dachstöcke, Zwischendächer und Baumhöhlen in Gärten oder im Wald. Sobald es dunkel wird, fliegen sie in ihr Jagdgebiet am Waldrand, an Gewässern oder in Grünanlagen. Die Verbindungsstrecke vom Versteck zum Jagdgebiet nennt man Flugkorridor. Es ist wichtig, dass diese Verbindung möglichst dunkel bleibt, damit sich die Tiere orientieren können. Lineare Heckenstrukturen, Mauern oder Baumreihen reflektieren ihre Schallwellen, helfen ebenfalls bei der Orientierung und dienen als Schutz vor nächtlichen Fressfeinden wie Eulen.
Um unseren Nachbarn etwas unter die Flügel zu greifen, hilft es, auf den Einsatz von Pestiziden zu verzichten. Die chemischen Gifte töten ihre Nahrungsgrundlage und können auch die Tiere selbst schädigen. Im Dunkeln finden sie ihren Weg am besten. Bewegungsmelder helfen deshalb, auf dauerhaft eingeschaltete Gartenbeleuchtungen zu verzichten. Über Teiche freuen sich nicht nur die Amphibien. Auch in Laub- und Totholzhaufen sowie artenreichen Blumenwiesen vermehren sich Insekten besonders gut; da kommen die geflügelten Nachbarn gerne zum Essen vorbei.


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