«Es ist ein Privileg, hier leben zu dürfen»

Von Martina Gradmann ‒ 17. Juli 2026

Der 28-jährige Nico Schwaller arbeitet als Hauswart bei der Gemeinde und ist dort für den Gemeindesaal zuständig. Er ist bei den zahlreichen Events für die Ton- und Lichttechnik verantwortlich, engagiert sich in der Feuerwehr und unternimmt gerne Reisen – in ferne Länder und mit seinem umgebauten Camper.

Nico Schwaller – hier im Atrium des Gemeindesaals – trifft man in Zollikon auch oft auf dem Velo an. (Bild: mag)
Nico Schwaller – hier im Atrium des Gemeindesaals – trifft man in Zollikon auch oft auf dem Velo an. (Bild: mag)

Er muss sich fast bücken, als er zur Tür hereinkommt. Nico Schwaller ist ein gross gewachsener junger Mann mit hellen blauen Augen, rötlichem Bart und einer offenen Art, die einen gleich einnimmt. Er ist in Zollikon aufgewachsen, verwurzelt und möchte auch hier bleiben. «Meine Mutter ist von hier, ich arbeite in Zollikon, bin in der Feuerwehr engagiert und der Grossteil meiner Freunde ist aus Zollikon.» Angestellt ist er bei der Gemeinde, wo er als Hauswart für den Gemeindesaal zuständig ist. «Wir machen alles, von der Reinigung bis zur Begleitung aller ­Anlässe mit Licht- und Tontechnik sowie Auf- und ­Abbau», erklärt der 28-Jährige. An rund 280 Tagen im Jahr sei der Saal gebucht. Zu seiner Arbeit gehört es, den Saal zu bestuhlen, Referentinnen und Referenten mit Mikrofonen auszustatten und für den richtigen Ton und das richtige Licht zu sorgen. Besonders aufwendig sind Anlässe wie die Kinderfasnacht. Doch er erinnert sich gut daran, wie viel Spass ihm diese als Kind gemacht hat, deshalb gibt er gerne etwas zurück. Bei der Gemeinde arbeitet er in einem 80-Prozent-Pensum und führt daneben als selbstständiger Schreiner kleinere Aufträge aus. «Ich bin gelernter Schreiner und wollte das Schreinern weiterführen, allerdings nicht mehr in einer Firma.» Als Selbstständiger übernimmt er Arbeiten aller Art, von Reparaturen bis zum Möbelbau. Eine Arbeit, die ihm viel bedeutet.

Leidenschaftlicher Schreiner, Feuerwehrmann und Metal-Fan

Vor neun Jahren ist Nico Schwaller der Feuerwehr Zollikon beigetreten, eine weitere seiner Leidenschaften. Mittlerweile absolviert er dort die Ausbildung zum Offizier. «Wir haben zum Glück genug Leute in der Feuerwehr, obwohl ein paar mehr nicht schaden könnten», sagt Nico Schwaller mit einem Augenzwinkern. Er sei ein Mensch, der sehr gerne anderen helfe, egal ob in der Feuerwehr oder bei seiner Arbeit für die Gemeinde. Er liebt es, wenn etwas läuft, weil ihm sonst schnell langweilig wird. «Das passiert eigentlich nur, wenn ich immer das Gleiche machen muss, und das ist bei der Feuerwehr nie der Fall. Auch die vielen Anlässe im Gemeindesaal bringen zum Glück viel Abwechslung.» Auf die Frage, wie er sich selbst beschreiben würde, muss er kurz nachdenken. Lebensfreudig, gerne unter Leuten und gerne draussen in der Natur – das seien wohl Eigenschaften, die zu ihm passten. Mit einem selbst umgebauten VW-Camper reist er umher und besucht gerne Metal-Festivals. «Ich höre von Pink Floyd bis zu hartem Metal-Sound fast ­alles, das kommt ganz auf meine Stimmung an», lacht Nico Schwaller. Geprägt hat ihn der Musik­geschmack seiner Eltern, den er heute noch toll findet. «Ich habe erst kürzlich einen Plattenspieler bekommen und liebe es, nach der Arbeit Musik zu hören, auch wenn ich weiss, dass ich nach fünf ­Stücken aufstehen und die Platte drehen muss.» Er ist aber keiner, der ständig mit Kopfhörern herumläuft. Musik hört er sich ganz bewusst an, ohne andere Tätigkeiten nebenbei.

Ein junger Optimist

Seine Partnerin, die beim Seerettungsdienst engagiert ist, hat er in der Feuerwehr kennengelernt. Noch ist sie im Studium, doch wenn sie dieses einmal abgeschlossen hat, können sich die beiden vorstellen, zusammenzuziehen. In Zollikon ist es allerdings schwierig, bezahlbaren Wohnraum zu finden, und auch Studienabgänger finden heute nicht mehr so leicht eine Stelle. «Es wollen einfach zu viele studieren, obwohl das Handwerk noch immer einen goldenen Boden hat. Ich könnte mich heute als Schreiner bewerben und hätte gleich mehrere Stellen zur Auswahl», ist der Zolliker überzeugt. Nico Schwaller ist ein Optimist. «Natürlich läuft vieles nicht gut auf dieser Welt. Wir ­haben das Glück, in der Schweiz geboren worden zu sein und hier leben zu dürfen. Wir haben keinen Krieg, müssen nicht flüchten und haben ein gutes Gesundheitssystem, auch wenn es teuer ist. Gerade weil wir so privilegiert sind, sollten wir doch Menschen unterstützen, die flüchten mussten», ist der junge Mann überzeugt. Er ist denn auch froh, dass die Initiative über die 10-Millionen Schweiz abgelehnt wurde, bedauert jedoch, dass der Nein-Anteil nicht grösser ausge­fallen ist. «Wahrscheinlich haben viele Ja gestimmt, die kaum mit Ausländerinnen und Ausländern in Kontakt kommen. Natürlich gibt es immer solche, die das System ausnützen, auch Schweizer.»

«Wir sind in der Schweiz privilegiert»

Um andere Kulturen besser zu verstehen, reist Nico Schwaller auch gerne in andere Länder, nach ­Thailand beispielsweise, wo er als Divemaster und Unterwasserfotograf gearbeitet hat. Dort erwischte ihn allerdings auch das Dengue­fieber, und er musste sich zehn Tage lang in einem thailändischen Spital behandeln lassen. Er befand sich in einem derart kritischen Zustand, dass die Rega ihn nicht mehr transportieren konnte. «Gerade in so einer Situation vermisst man die Schweiz besonders», weiss er. Zum Glück konnte er sich ein Privatspital leisten. Als er dieses verlassen wollte, zog man ihm die Infusion jedoch erst, nachdem er die Rechnung beglichen hatte. «Zum Glück bin ich wieder vollständig genesen. Sollte ich das Fieber allerdings nochmals bekommen, könnte der Verlauf noch schlimmer sein.» Nico Schwaller liess sich deshalb impfen, fühlt sich dadurch sicher und wird auch weiter in entfernte Länder reisen. Mücken werden ihn jedenfalls kaum vom Reisen oder vom Aufenthalt in der Natur abhalten. An Zollikon gefällt ihm, dass hier noch immer ein Dorfleben stattfindet, auch wenn es weniger geworden sei. Die Zolliker Chilbi und auch die Badis sind für ihn Orte, an ­denen man sich trifft. «Die Nähe zur Stadt ist ein grosser Vorteil, ich gehe dort auch sehr gerne in die Lettenbadi, wo sich ein bunter Mix von Menschen aufhält.»

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