Von Joachim Lienert ‒ 17. Juli 2026

Eine aktuelle Karte des Kantons Zürich mit den Feuerverboten in den Gemeinden wirkt wie ein Feuer, das von unten her zu züngeln beginnt: Immer mehr Gemeinden, angefangen im Osten bei Wald und Fischenthal und im Norden bis nach Zell und Fehraltorf sowie diverse Gemeinden im Zürcher Unterland haben ein generelles Feuerverbot erlassen. Jetzt gesellt sich der Bezirk Meilen dazu. Melanie Marday, die Leiterin Kommunikation der Gemeinde Zollikon, sagt: «Alle Gemeinden machen mit, wir haben uns miteinander abgesprochen. Wir wollten keinen Flickenteppich, bei dem in der einen Gemeinde diese Regelung gilt und in der anderen jene.» Alle Gemeinden beurteilen die Waldbrandgefahr als kritisch, schon kleine Funkenwürfe können Brände entfachen. Ob Wald, Felder, Wiesen oder Böschungen: Die Trockenheit im Bezirk ist überall sicht- und spürbar. Die Gemeinde Zumikon hat am Dienstag sogar eine Präsidialverfügung erlassen, unterzeichnet von Thomas Epprecht als Stellvertreter des Gemeindepräsidenten, der zurzeit in den Ferien weilt. In der Mitteilung heisst es: «Gemäss §41 Gemeindegesetz ist der Präsident einer Behörde ermächtigt, in dringenden Fällen eine Präsidialverfügung zu erlassen … Aufgrund der Dringlichkeit in der Sache und da die nächste Sitzung nach den Sommerferien angesetzt ist, ist die Grundlage für eine Präsidialverfügung gegeben.» Mit der Verfügung gilt im ganzen Gemeindegebiet bis auf Widerruf durch den Gemeinderat ein generelles Feuerverbot.
Wie sehen die Aussichten für den Nationalfeiertag aus? Melanie Marday sagt: «Wir werden vor dem 1. August eine Neubeurteilung der Lage vornehmen. Bis auf Weiteres aber gilt das Feuerverbot.» Vielleicht hätten an diesem 1. August zumindest die Tiere mal Grund zum Feiern – still vor sich hin, ohne Funkenregen und Knallerei. Nachfrage bei MeteoSchweiz. Der Meteorologe Stefan Scherrer beurteilt die Lage so: «Bereits der Frühling war trocken. Wir haben ein grosses Niederschlagsdefizit. Damit die Böden wirklich wieder durchnässt werden, bräuchte es im Idealfall Landregen, also mehrere Tage Regen von moderater Intensität hintereinander.» Punktuelle Gewitterregen, wie es sie zum Beispiel vergangene Abende gab, können zwar da und dort für etwas Entspannung sorgen, doch fliesse viel Wasser gleich wieder ab, weil die ausgetrockneten Böden es in so kurzer Zeit gar nicht aufnehmen können. «Eine seriöse Wetterprognose ist maximal fünf bis sieben Tage, im Extremfall bis zu zehn Tage möglich. Alles, was darüber hinausgeht, ist Kristallkugellesen.» Theoretisch wäre ein Wetterumschwung Ende Juli zwar möglich, «aber die Wahrscheinlichkeit, dass es noch so viel regnet, wie nötig wäre, um die Situation zu entschärfen, ist relativ gering». Aktuell sehe es ohnehin so aus, dass nächste Woche zwar die Temperaturen auf um die 25 Grad sinken, es aber sogar eher wieder trockener werde. In den letzten drei Jahren konnte in Zollikon das Höhenfeuer immer entfacht werden. Jetzt muss es womöglich nach 2022 wieder einmal abgesagt werden. Und wer erinnert sich noch daran? Der 1. August 2021 tanzte aus der Reihe: Das Höhenfeuer wurde abgesagt – aber nicht wegen Trockenheit, sondern wegen Dauerregens.
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