Von Joachim Lienert ‒ 31. Juli 2026

Die Geschichte des Betreuungshauses Rüterwis ist lang. Jetzt wird sie um ein weiteres Kapitel – nicht reicher, sondern ärmer. Rechnete man 2019 noch mit einem Neubau, der 2024 bereit sein sollte, einigte man sich schliesslich auf einen provisorischen Modulbau. Die Zolliker Stimmbürgerinnen und Stimmbürger bewilligten dafür im Februar 2025 einen Kredit von 6,5 Millionen Franken. Der definitive Neubau hat sich inzwischen auf frühestens 2032 verschoben (ZoZuBo 18/2026).
des provisorischen Betreuungshauses; nach den Sommerferien sollten die Schülerinnen und Schüler dort einziehen. Doch seit drei Wochen steht die Baustelle still, Arbeiter sieht man keine mehr.
Ein Umstand, der nicht den Sommerferien geschuldet ist, wie man als Passant ohne Arg denken könnte. Vielmehr steckt der verantwortliche Generalunternehmer in Zahlungsschwierigkeiten, wie die Gemeinde diese Woche kommunizierte. Die schlechte Nachricht erfuhr sie am 10. Juli. Die beteiligten Subunternehmen warten auf ausstehende Zahlungen.
Gemeinderat André Müller (FDP) ist erst gerade vom Ressort Sicherheit und Umwelt zu den Liegenschaften gewechselt. Den Einstand hat er sich wohl anders vorgestellt. Im Moment bleibt nur Schadensbegrenzung. Er sagt: «Die Bauarbeiten des Modulbaus sind weit fortgeschritten. Unserer Ansicht nach fehlen nur noch etwa zehn Prozent.» Die Gemeinde sei in Kontakt mit den einzelnen Handwerksbetrieben, die ihre Arbeit noch fertigstellen müssten, also etwa mit Küchenbauern, Schreinern, Elektrikern und Dachdeckern. «Sie alle haben Verträge mit dem Generalunternehmer, nicht mit der Gemeinde», erklärt André Müller.
Die rund 270 Kinder vom Kindergarten bis zur Mittelstufe werden vorläufig weiterhin im alten Betreuungshaus betreut. Die von der Verzögerung betroffenen Eltern wurden am gestrigen Donnerstag durch die Schule über die Auswirkungen auf den Betreuungsbetrieb informiert, teilt die Gemeinde mit.
Jetzt prüft die Gemeinde die Vertragsverhältnisse, die Zahlungsflüsse und den rechtlichen Rahmen. «Zum Zeitpunkt der Vergabe lagen keine Hinweise auf finanzielle Probleme des Generalunternehmers vor», sagt André Müller. In der Tat handelt es sich bei diesem um ein renommiertes Unternehmen, wie ein Augenschein auf der Baustelle zeigt: die DM Bau AG aus Oberriet SG. Die Firma geht auf das fast hundertjährige niederländische Unternehmen De Meeuw zurück und wurde 2022 in schweizerische Hände übergeben. Sie ist spezialisiert auf Modulbauten, hat in der ganzen Schweiz Dutzende Projekte realisiert, von der Notfallstation des Kantonsspitals Baden bis zu Kindergärten und Schulhäusern. Erst diesen Juni hat sie den neuen Holzmodulbau des Schulpavillons Kirchbühl zur Zufriedenheit der Schule Stäfa übergeben. Der Zolliker Zumiker Bote bat die DM Bau AG um eine Stellungnahme. Labinot Pirkuqi, der Geschäftsführer, sagt betroffen: «Wir bedauern die Unannehmlichkeiten, die der Gemeinde Zollikon entstanden sind, und werden sie so gut es geht darin unterstützen, die Herausforderung zu meistern.»
Jetzt stehen zwei Fragen im Raum: Entstehen der Gemeinde Zusatzkosten? André Müller sagt: «Damit ist zu rechnen. Wir hoffen aber, dass wir zumindest einen Teil wieder hereinbekommen, wenn die Zahlungsschwierigkeiten behoben wurden.» Die zweite Frage: Wann kann das provisorische Betreuungshaus bezogen werden? «Das ist noch nicht klar und hängt auch von den Verhandlungen mit den Handwerkern ab. Wir hoffen, dass es um die Herbstferien bezugsbereit sein wird.» Der Wurm im Rüterwis, er möge sich bald vom bodenlosen Sommerloch in die Erde verziehen.
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