Da kommt ganz schön was an Lebenszeit zusammen, wenn sich über 140 Vehikel treffen, die mindestens seit 30 Jahren auf den Rädern stehen. Überhaupt war die Oldtimer-Ausstellung in Zumikon einmal mehr ein grossartiger Erfolg.
Zum 14. Mal gehörte am letzten Samstag im Juli der Zumiker Dorfplatz den Schönen und Alten. Die Idee zu diesem inzwischen traditionellen Oldtimer-Treffen hatten Doris Scherer und Daniel Walt vor 14 Jahren. Doris Scherer, selbst Oldtimer-Enthusiastin und Nachfahrin der Fuhrhalterei Scherer-Spuler in Untersiggenthal, gehört wie Daniel Walt der Marktkommission Zumikon an. Unter dem Arbeitstitel «Belebung des Dorfplatzes» überlegten sie, mit welchen Massnahmen sich der im Sommer aufgrund fehlender Marktaktivitäten verwaiste Dorfmittelpunkt für die Bevölkerung attraktiver gestalten liesse. So entstand die Idee der Oldtimer-Ausstellung. Man munkelt, Zumikon habe die grösste Oldtimerdichte schweizweit. Der niederschwellige Clou dieses Events: Man muss sich nicht anmelden, kann einfach ohne Gebühr auf den Platz fahren. Das macht Freude und lässt auch spontane Teilnahmen zu.
Aus allen Garagen
Über 140 Besitzerinnen und Besitzer aus der Umgebung, aber auch von weiter weg, hatten sich letzten Samstag für eine Teilnahme entschieden. Freiwillige Helferinnen und Helfer wiesen den Ankommenden einen Platz zu. Wer früh einfuhr, konnte «in der ersten Reihe» parkieren, nahe an der Festwirtschaft, die wie jedes Jahr von der Feuerwehr Zumikon-Küsnachterberg betrieben wurde. Später Eintreffende hatten dafür den Vorteil, durch ein Spalier von Autos, Motorrädern, Armeefahrzeugen und Traktoren von allen mit Blicken verfolgt ans Ende der Aufreihung fahren und aufschliessen zu können.
Riesige Markenvielfalt
Der Anlass war sehr gut besucht, was auch dem Wetter geschuldet war. Drohen Regenwolken, bleiben Cabriolets oder besonders empfindliche Gefährte lieber in der Garage. An diesem Tag aber strahlten alle, die konnten, offen und auf Hochglanz poliert. Es herrschte eine ungezwungene Atmosphäre, jede Fahrerin und jeder Fahrer gab gerne Auskunft über ihre Schönheiten. Ein Rolls-Royce-Besitzer erklärte geduldig, warum auf seinem Vorkriegs-Boat-Tail-Modell statt der «Emily» eine Kühlerfigur in Form eines Wasserflugzeuges prangte: Rolls-Royce baute damals auch Motoren für eben diese Flugzeuge, und die Kühlerfigur diente als eine Art Marketing-Tool. Mitglieder eines Classic Clubs von der anderen Seeseite fachsimpelten über Ausstattungen und Motorisierungen der präsentierten britischen Modelle. Mittzwanziger begutachteten die zahlreich vertretenen BMW-M3-Variationen. Das Modell feiert dieses Jahr seinen 40 Geburtstag, vielleicht war es deshalb besonders häufig vertreten. Amerikanische Fahrzeuge wie ein Pontiac Six von 1931 oder ein Dodge Challenger aus den 1970er-Jahren, eine Corvette Stingray von 1967 oder diverse Ford Mustangs reihten sich ein neben einem rudimentären Trabi, eleganten Jaguars, sportlichen Alfa Romeos oder kernigen Austin Healeys. Vielleicht das seltenste Auto kam eher dezent daher: ein Alvis. Ein Kenner verriet, dass das Auto vom Schweizer Karosseriebauer Hermann Graber in Bern vor mehr als 60 Jahren auf einem Alvis-Chassis aufgebaut wurde und nur eines von ganz wenigen noch existierenden Exemplaren sei.
Hauptsache Beisammensein
Ein Concours d’Elégance, also ein offizieller Wettbewerb, an dem Autos benotet werden, wird diese Veranstaltung wohl nie werden. Das ist auch gar nicht die Idee. Hier geht es ums Beisammensein und den Austausch unter Gleichgesinnten. Manch einer holte sich auch Tipps von Gleichbereiften, wie sich ein Fahrzeug am besten restaurieren und/oder erhalten lässt. Wieder andere signalisierten, sie würden unter Umständen ihr gutes Stück verkaufen. OK-Präsident Daniel Walt zeigte sich überaus zufrieden. Er dankt der Gemeinde, dass man so unkompliziert auf den Dorfplatz fahren kann, den Helferinnen und Helfern, sowie der Feuerwehr. Und er hofft, dass im nächsten Jahr der Zuspruch wieder so positiv ist.