Zeit zum Träumen

Von Joachim Lienert ‒ 31. Juli 2026

Dillon Lüthy überlegt noch, wohin ihn sein Weg führen soll. Der junge Zumiker stand schon vor der Möglichkeit, mit einem Tennisstipendium in den USA Medizin zu studieren. Jetzt steht ein Auftritt als DJ im Tempel des Afrohouse auf seiner Bucket List.

Am DJ-Pult wird er zu Dyllon: Musik ist ein wichtiger Teil im Rhythmus des Lebens von Dillon Lüthy. (jli)
Am DJ-Pult wird er zu Dyllon: Musik ist ein wichtiger Teil im Rhythmus des Lebens von Dillon Lüthy. (jli)

Tennis hat er gespielt. Viel Tennis. Es begann im Tennisclub Zumikon. Mit drei Jahren hielt Dillon Lüthy zum ersten Mal einen Schläger in der Hand. Noch diesen März trainierte er vier- bis fünfmal in der Woche. «Tennis ist ein grosser Teil meines Lebens. Mein Ziel war es, in die Top 2000 vorzustossen», sagt der 21-Jährige. Nach der Matura 2024 wollte er ein Studium in den USA mit einem Sportstipendium für College-Tennis verbinden. Medizin stand auf der Wunschliste. Für die Aufnahme zählen in erster Linie nicht die schulischen, sondern die sportlichen Leistungen. «Vorhand, Backhand, Service, Volley, man filmt sich und schickt die Filme den College Recruiters.» Zwei Angebote erhielt er: von der Valdosta State University in Georgia und der University of Florida. Er entschied sich dennoch dagegen. Ein Medizinstudium in den USA dauert acht Jahre, das Sportstipendium gilt aber nur für vier Jahre. Würde er danach in die Schweiz zurückkehren wollen, müsste er das Studium mangels Anerkennung von vorne beginnen.

Verletzungspech verändert den Fokus im Tennis

Inzwischen hat sich sein Fokus verschoben. Zwei Zwischenjahre kann er sich nach der Matura leisten. Eine durchaus privilegierte Situation, doch zwang ihn eine unvorhergesehene Pause, sich neu zu orientieren. Eine Verletzung folgte der nächsten, er brach sich vermutlich beim Krafttraining eine Rippe, hinzu kamen Probleme am Knie- und Handgelenk sowie eine Schleimbeutelentzündung in der Schulter. «Plötzlich hatte ich viel Zeit. Da wurde Musik zur Ablenkung und Flucht vor dem Tennis, wo ich erkennen musste, dass ich nicht das erreichen würde, was ich anstrebte.» Sein bestes Ranking war ein monatliches R3.
Dillon Lüthy wurde im Spital Zollikerberg geboren. Seit seiner Geburt lebt er in einem ruhigen Wohnquartier in Waltikon in einem Haus, das fast gleich alt ist wie er. Hier wuchs er zusammen mit seinen Eltern und seiner drei Jahre jüngeren Schwester auf – und natürlich mit Hund Lucy, einem Ratonero-Podengo-Mischling. In diesen hatte sich die Familie vor sechs Jahren in einem Tierheim in Mallorca verliebt, wo sie oft in den Ferien weilte und wo Dillon rasch auch Spanisch lernte.

Musik begleitet seit der Primarschule

Schon mit neun Jahren gründete der Junge mit zwei Gspänli aus der Primarschule Juch eine Band. «Ich war Gitarrist und Sänger, obwohl ich nicht gerne singe», lacht er. Der Zumiker Musikproduzent und Lehrer Jürg Bruhin führt sein Musikstudio noch immer unterhalb der ehemaligen Metzgerei im Dorf. Zu ihm gingen die Buben jeden Mittwochmittag, assen dort zu Mittag – und spielten Coverversionen von Pop bis Rock. Vier Jahre lang jammten sie zusammen. Dann wechselte der eine ans Internat, Dillon wiederum von der Unterstufe in die Sekundarstufe in Zollikon. Die Band löste sich auf.
Tennis spielt er noch immer. Aber nach seiner mehrmonatigen Verletzungspause geht er es langsamer an, nimmt den Druck weg. «Ich verdiene mir etwas Geld und gebe Tennisstunden, in Dürnten, in Itschnach und in Zumikon. Vor allem im Sommer an der frischen Luft ist das schön.» Er selbst nimmt weiterhin an der Sportschule Dürnten Tennisunterricht. «Sie haben die besten Coaches im Raum Zürich, meiner war ein Ex-400-Spieler der Welt, von ihm lerne ich viel.»

Afrohouse produzieren und Start-up gründen

Zurück zur Musik, zum DJ-ing. Vor zwei Jahren begann Dillon – als DJ unter dem Künstlernamen Dyllon –, Musik zu produzieren. Sein Stil: House, genauer: Afrohouse. «Afrohouse ist ruhiger und chilliger als House, mit feinerem Kick, melodischeren und oft tropisch inspirierten Instrumentalklängen.» Noch kennt man seinen Namen kaum. Das will er ändern. «Ich lege hauptsächlich an privaten Events auf. Mein Ziel ist es, von Clubs gebucht zu werden.» Könnte Musik dereinst zum Beruf werden? Seine Eltern ­lassen ihm viel Freiheit. «Ich will sehen, wie es sich entwickelt.» Er hat begonnen, Content auf Social Media zu posten. «Ich war nie der Social-Media-Typ und nutze sie möglichst selten.» Doch heute gehörten sie einfach dazu. «Niemand hört einem zu, wenn man keine ­Inhalte postet.» Sein einziges Social-­Media-Profil, das er nach und nach bewirtschaftet, findet man auf Instagram: dyllon_music.

Dyllon hat noch mehr Ideen. Vor Kurzem gründete er mit einigen Kollegen ein Start-up, einen Event-Brand. «Wir hosten Events. Das ist in Arbeit, mehr kann ich noch nicht dazu sagen.» Für diese Arbeit käme ihm ein Wirtschaftsstudium entgegen. Das überlegt er sich ebenso wie ein Medizinstudium. Schliesslich sind beide Eltern im Gesundheitswesen tätig. Vater Thomas Lüthy ist Chef der Chiropraktik am Stadelhofen, seine Mutter Corinne Lüthy führt eine Physiotherapiepraxis in Zumikon. «Vielleicht wäre es schön, eines Tages die Praxis meines Vaters weiterzuführen», sinniert Dyllon. Da könnten beide Studiengänge von Nutzen sein.

Das Studium rückt näher

Im Herbst soll es mit dem Studium losgehen. Jetzt geniesst er es, noch träumen zu dürfen – auf Spaziergängen mit Lucky, auf dem Rennvelo in und um Zumikon, weil es gelenkschonend ist, am See in ­Küsnacht oder im Pool. Mal allein, mal mit der Familie, mal mit Freunden. «Ich kann gut alleine sein, bin aber auch gerne mit guten Leuten zusammen. Ich bin wählerisch; der Kollegenkreis ist gross, der Kreis echter Freunde klein.» Mit ihnen hat er während der Fussball-WM auch mal zu Hause gekocht und einen Match geschaut. Noch muss Dyllon nicht zu weit in die Zukunft blicken, und so erlaubt er sich noch den einen oder anderen Traum. «Zurzeit ist es mein Ziel, mir einen Namen in der House-Szene zu schaffen. Es wäre ein Traum, im Ištar aufzutreten.» Und dieser Traum ist gross – er handelt von nichts weniger als dem Tempel des Afrohouse in Madrid.

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