Zumikon

Erinnerungen an das Zumikon von damals

Es wurde erzählt – und aufmerksam zugehört. (Bild: bms)

Im Erzählcafé drehte sich alles um Zumikon früher und jetzt. Nach dem Blick zurück auf das frühere Leben im Dorf geht es heute Nachmittag weiter mit der Rolle der Frau und der Rolle des Mannes.

Natürlich können ältere Menschen auch mal nerven. Sie überholen auf der Autobahn mit 80 Stundenkilometern. Sie kramen gefühlte Stunden an der Kasse nach «passenden 35 Rappen». Sie treffen sich gerne vor dem Kühlregal und verweilen dort für ein ausführliches Gespräch – samt Einkaufswagen.

Aber sie können oft auch wunderbare, fesselnde, komische, anrührende und überraschende Geschichten aus der Vergangenheit erzählen. Das Problem dabei: Ihre Kinder sind gerade mit Beruf und Familie so ausgelastet, dass sie keine Zeit zum Zuhören haben. Die Enkelkinder zeigen wenig Interesse an Geschichten à la «Früher war alles besser». Ausserdem müssten die Enkel enorm viel Phantasie aufbringen, um sich vorzustellen, wie ein Leben ohne WLAN, Instagram, Twitter – ja ohne Handy war. Daher sollten eigentlich alle Senioren ihre Autobiographie schreiben, damit die Erfahrungen und Erlebnisse nicht verloren gehen. Oder sie gehen für den Anfang mal ins Erzählcafé der reformierten Kirche. Auftakt der Reihe «Zumikon – damals und jetzt» war am vergangenen Freitag im Café Fischvogel im Freizeitzentrum.

Einfach viel Natur

Unter Anleitung von Vikarin Belinda Dietziker kamen die Frauen und Männer zusammen, um sich über ihre Erinnerungen ans alte Zumikon auszutauschen. Zum Anfang erfuhren die Besucher, dass im Jahr 1736 gerade mal 300 Menschen im Dorf wohnten. Ein Jahrhundert später hatte sich die Einwohnerzahl schon verdoppelt. Im Jahr 1742 kam der erste Pfarrer aus Zürich nach Zumikon und 1905 wurde ein provisorischer Autobusbetrieb aufgenommen. Alte Bilder machten die Runde und zeigen eindrücklich, wie sehr sich das Dorf verändert hat. Dass Zumikon zuvor einfach sehr viel Natur war. Und diese wunderschöne Natur griff auch eine Besucherin auf. Vor zwanzig Jahren sei sie nach Zumikon gekommen, habe in der Stadt gearbeitet und wenig vom Dorfleben miterlebt. Nach ihrer Pensionierung habe sie sich in verschiedenen Vereinen engagiert, um Kontakte zu knüpfen. «Ich war im Englischkurs, bei den Samaritern, im Frauenverein. Nun bin ich in einer Walking-Gruppe. Und wenn wir durch den Wald gehen und der Blick öffnet sich auf unser Dorf, sind wir alle immer wieder von Neuem überrascht, wie schön es hier ist», führte sie aus.

Der «Pöschtler» kannte jeden

Im Erzählcafé wurde aber auch klar, dass das Altersdurchmischte Lernen in Zumikon durchaus eine Tradition hat. Ein älterer Herr erinnerte sich an seine Schulzeit im Farlifang. Jeweils zwei Jahrgänge seien im selben Klassenzimmer von einem Lehrer unterrichtet worden. Verschiedene Erinnerungen kamen hoch. An das Schulhaus Juch, das aus allen Nähten platzte. Jetzt gebe es viel weniger Schüler, aber viel mehr Platz für alle. Aber trotz aller Veränderungen sei Zumikon ein Dorf geblieben, in dem man sich kennt. Auch, wenn man die neuesten Geschichten nicht mehr vom «Pöschtler» erzählt bekommt. Früher – noch nicht motorisiert – habe es noch das persönliche Gespräch mit ihm gegeben. Einen Tratsch am Gartentor. Und Briefe mit falscher Adresse seien trotzdem richtig zugestellt worden, weil der «Pöschtler» natürlich wusste, wer wo wohnt.

Wenn in 50 Jahren die Bewohner von Zumikon zusammensitzen, um über die gute alte Zeit zu sprechen und sich alte Zeitungen anschauen, werden sie staunen. Da gab es also eine Zeit, in der Menschen sich Nachrichten auf Papier schrieben – oder auch auf die Rückseite von Bildern, damit der Empfänger diese Tage später lesen konnte. Heute Nachmittag geht es weiter im Erzählcafé. Anlässlich des Frauenstreiktages wird es dann um die Rolle der Frau und die Rolle des Mannes gehen. (bms)

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