Rundumschlag an der Cüplibar

Montagabend, Aula Buchholz. Der Kulturverein präsentierte Andreas Thiel mit seinem neusten Stück «Macht, Politsatire 4». Der Comedian, der 2013 mit dem Deutschen Kabarettpreis geehrt worden war, zog. Die Aula war dem Andrang nicht gewachsen – viele Leute blieben draussen. Wer einen Platz ergattern konnte, wurde gut unterhalten.

Bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Vorstellung war der Saal zum Bersten voll. Wer zeitlich knapp kam, wurde wieder nach Hause geschickt. Die Organisatorinnen des Kulturvereins rauften sich die Haare. Sie wurden vom Ansturm buchstäblich überrollt und fragten sich, ob die Veranstaltung nicht doch besser im Gemeindesaal hätte stattfinden sollen.

Doch für alle, die drin waren, war die Aula der perfekte Ort. Kleiner, aber feiner. Und Andras Thiel setzte sich auf der Bühne perfekt in Szene. Er provozierte Lacher um Lacher, sorgte aber auch dafür, dass dem Publikum das Lachen ab und zu im Hals stecken blieb.

Andreas Thiels erste Sprüche galten der Masseneinwanderungsinitiative, wobei er sich als Befürworter outete, der Ja gestimmt habe, weil er von allen Politikern gehört habe, ein Ja wäre der Weltuntergang ‒ und diesen erleben wollte. Doch eigentlich, so führte er weiter aus, interessiere ihn Politik nicht. Er habe sein Theaterstück bloss «Macht, Politsatire 4» genannt, weil dies viele Leute anzöge. Ihm sei jede Macht suspekt. Die einzige Macht, die er respektiere, sei diejenige des freien Marktes. Die reguliere sich selbst. 

Sprunghafte Themenwechsel

Er unterhielt blendend, verteilte kleine, schallende Ohrfeigen, tat aber nicht wirklich weh. Dachte nicht zu Ende, liess vieles offen, sprang von Thema zu Thema. Er nahm sowohl die UBS wie den Bundesrat an die Kasse, schimpfte gegen zu hohe Steuern, pöbelte über die komplizierten, undurchsichtigen Wege der Energieversorgung und lockerte die härteren Phrasen mit barocken Fantasiegeschichten über wilde, gletscheraufbrechende Vulkane auf Island auf. Um gleich wieder mit einem Vergleich zwischen dem Koran, «Mein Kampf» und dem schweizerischen Telefonbuch zuzuschlagen. Auch das Alte Testament, Pinocchio und Harry Potter mussten dran glauben, bevor er zum Gespött über seine eigenen Schülererfahrungen in einer Rudolf Steiner Schule wechselte, und über die Erzählung über lehrreiche Spaziergänge mit seinem Opa durch den Basler Zoo zur Politik zurückkehrte. Auf diesen Spaziergängen lernte er das politische Pferd (Nilpferd, grosses Maul, im Sumpf liegend), den staatlich subventionierten Vogel (Strauss, dicker und grösser als andere Vögel, doch flugunfähig) und das Banker-Tier (Känguru, grosse Sprünge mit leerem Beutel) kennen. Die Lacher waren ihm gewiss.Alle diejenigen, die vor verschlossener Türe abgewiesen wurden, können «Macht, Politsatire 4» von Andreas Thiel nachholen. Seine Auftrittsdaten findet man auf www.andreasthiel.ch. Am 16., 17. und19. April tritt er im Hechtplatztheater auf. (db)

Lesen Sie den ausführlichen Bericht im aktuellen «Zolliker Bote» vom 7. März.

Im Fokus

Podcast

Neu bieten wir einige Beiträge auch als Podcast an: Hören Sie rein und erhalten Sie mehr Hintergrundwissen zu einzelnen Themen!

Büchertipps

Regelmässig geben unsere Bibliothekarinnen Tipps für gute Lektüre.

Filmkritik

Monatlich testet unser Kritiker Daniel Frey neue Filme und sagt, ob sich ein Kinobesuch lohnt.

Mein Auto und ich

Wir stellen Persönlichkeiten und ihre Autos vor. Denn wie meinte der Gründer von Jaguar Cars, Sir William Lyons, doch einst? Von allen menschlichen Erfindungen sei das Auto am nächsten beim Menschen.

Ausflugstipps

Hin und wieder verlassen wir unsere Gemeinden und stellen Ihnen lohnende Ausflugstipps in der Umgebung vor. Gehen Sie auf Entdeckungsreise!

Anzeige