Zumikon

Ein Schlüsselmoment für die Galerie

Die neue Leiterin Andrea Hochuli-Schmid (r.) möchte die Galerie Milchhütte in Ruhe kennenlernen. (Bild: bms)

Zu einem Generationentreffen an Galerieleiterinnen kam es bei der Schlüsselübergabe in der Galerie Milchhütte. 

Beim Leitungswechsel von Bea Herzog auf Andrea Hochuli-Schmid waren auch die beiden Vorgänger­innen Claudia Bischofberger und Simone Dehemelt anwesend. Und auf die Kontinuität in der Arbeit verwies auch Dennis Padel, Leiter des Freizeitzentrums, zu dem die Galerie gehört. «Wir sind mit den Angeboten im Laufe der Jahre immer professioneller geworden», unterstrich er. Dabei lobte er nicht nur die Führungsarbeit der scheidenden Bea Herzog, sondern auch deren Tatkraft. Wenn nötig, habe sie selber mit angepackt und die Kunstwerke an Ort und Stelle gebracht. «Du hast diese Stelle mit sehr wenig Prozenten mit voller Energie ausgefüllt.» Sein persönliches Highlight in der gut fünfjährigen Tätigkeit der Leiterin sei die Ausstellung von Harald Nägeli gewesen. 

Als Dank gab es nicht nur Worte, Blumen und einen Gutschein für die scheidende Leiterin, sondern auch eine Kunstperformance ihrer Kolleginnen und Kollegen vom Freizeitzentrum. Diese hatten bunte Filzstifte mit Motoren und Beinen ausgestattet und liessen diese über ein weisses Papier tanzen. Dabei entwickelten die flinken Stifte ein aussergewöhnliches Eigenleben: Manche drehten sich im Kreis, andere liefen stoisch geradeaus, noch andere bekämpften sich. So entstand ein ganz individuelles Werk, das Bea Herzog noch lange an «ihre» Milchhütte erinnern dürfte. 

Diese bedankte sich als Erstes bei Claudia Bischofberger. «Ich habe seinerzeit eine Galerie unter sehr guter Führung übernommen. Und so wie jede das Haus anders prägt, wird es auch jetzt Veränderungen geben, auf die ich mich freue.» Und weil sie sich selber nie so wichtig nimmt, verwies sie auch schon auf die Künstlerin Barbara Hee, die mit ihren Werken den Abend belebte.

Die Kraft der Transformation

Die Fotografin zeigte Bilder von Wasserfällen bei Tag und in der Nacht. «Mit dem Handy klettert Barbara Hee in völliger Dunkelheit an den Ufern, um die perfekte Perspektive zu finden.» Völlig unbearbeitet und «geschönt» werden diese Bilder dann aufgezogen und strahlen die ganze Kraft des fliessenden Wassers aus. «Diese Transformation, die stete Veränderung fasziniert mich», lobte Bea Herzog. Und mit der Tatsache, dass sie eine Fotografin als abschliessende Künstlerin ausgesucht hat, schuf sie auch eine Überleitung zu der neuen Galerieleiterin Andrea Hochuli-Schmid : Sie ist auch Fotografin.

 

Der Abschied von Bea Herzog war auch die Begrüssung von Andrea Hochuli-Schmid. Die Zumikerin übernimmt die Leitung der Galerie Milchhütte und hat natürlich schon für 2020 geplant, wie sie verrät.

Sie kommen aus einer Künstler­familie. Wie hat Sie das geprägt?

Mein Vater war Kunstmaler, meine Mutter war als Plastikerin tätig. Und das prägt mich noch heute. Aktuell zeige ich als Kuratorin eine grosse Ausstellung zum 10. Todestag meines Vaters in der Villa Flora in Winterthur. Es ist mittlerweile die vierte Ausstellung mit seinen Werken und die mit Abstand grösste.

Sie selber haben mit der Fotografie begonnen.

Das ist richtig, aber lange her. Ich habe mich schnell der Filmproduktion zugewandt, habe mich dann selbständig gemacht und schliesslich folgte die Familienproduktion. Mein Mann und ich sind dann in die Provence gegangen und nach meiner Rückkehr war ich in der Galerie Wenger in Zürich tätig. Parallel habe ich mich aber an der Hochschule Bern weitergebildet im Bereich «Werk- und Nachlassmanagement». Das ist ein Problem unserer Zeit: Viele Künstler denken nicht strategisch. Das gilt es zu organisieren. Was ich mit dem Nachlass meines Vaters mache, könnte ich auch mit anderen Sammlungen tun.

Die Stelle als Leiterin der Galerie Milchhütte ist mit 15 Prozent dotiert. Kann man in dieser Zeit wirklich eine Galerie führen?

Nein, eigentlich nicht, aber wir müssen mit den Ressourcen arbeiten, die uns zur Verfügung stehen. Mittelfristig bedeutet es aber sicherlich, dass wir nicht mehr zwölf sondern eher neun oder zehn Ausstellungen zeigen können, wenn wir diese Qualität langfristig halten wollen. Jetzt gilt es für mich erst mal, dieGalerie kennenzulernen. Bea Herzog hat ein hohes Niveau vorgelegt. Das möchte ich gerne halten – im besten Fall noch toppen. Auf der einen Seite bietet die Galerie ein gutes Forum für Künstler, die noch nicht so etabliert sind. Auf der anderen Seite ist sie so klein, dass Künstler – die vielleicht grundsätzlich an grosse Galerien gebunden sind – doch mal eine Ausnahme machen.

Haben Sie schon konkrete Pläne für das kommende Jahr?

Den Auftakt macht eine Ausstellung mit dem Winterthurer Künstler Martin Schwarz. Es wird sogar ein Bogen zum Namen der Galerie geschlagen. Der Maler ist eigentlich für seine Van-Gogh-Variationen bekannt. In Zumikon wird er sich unter anderem der Kuh widmen. So hat er sich mit der griechischen Mythologie befasst, in der Zeus ­ seine Geliebte – aus Angst vor der eifersüchtigen Frau – eben in eine Kuh verwandelt.

Ist es nicht erstaunlich, dass eine so kleine Gemeinde wie Zumikon eine eigene Kunstgalerie hat?

Es ist vor allem wunderbar. Immer mehr Galerien müssen schliessen, da ist es umso wichtiger, Räume für Künstler aus der Region zu schaffen. Man hätte in dem kleinen denkmalgeschützten Haus auch Strassenschilder aufbewahren können. Aber die Zumiker waren mutig genug, ihre «Milchhütte» zu gründen. Wir waren mal eine Energiegemeinde, vielleicht werden wir irgendwann eine Kunstgemeinde sein.

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