In der Mitte zwischen Finnland und Costa Rica liegt Zollikon

Ineinander verliebt haben sie sich in Aldos Heimat Costa Rica, über zehntausend Kilometer von Liisas Heimatstadt Helsinki entfernt. Da sie in erster Linie zusammenbleiben wollten, wären beide Länder als Wohnort in Frage gekommen. Doch die Neugier zog sie weiter. So wächst ihre Tochter nun in der Mitte auf und hat damit zu den zwei Heimatländern ihrer Eltern eine dritte Heimat hinzugewonnen.

Aldo und Liisa sind sich in San José in Costa Rica erstmals begegnet. Die Freundin von Aldos Bruder hatte Liisa erst bei ihrer Tante kennengelernt und ein Treffen zu viert arrangiert. «Erst wollte ich da gar nicht hin», sagt Aldo lachend, «doch eine innere Stimme hat mir gesagt, dieses Treffen könnte den Rest deines Lebens ändern!» Und dann war beiden sofort klar, dass es nicht bei dem einen Treffen bleiben würde. Das ist nun 22 Jahre her. Nachdem Liisa ihr Studium der Literaturwissenschaften mit ihrer in San José geschriebenen Masterarbeit abgeschlossen hatte und nach Finnland zurückgekehrt war, jetteten die beiden vier Jahrelang  hin und her. Nach einer ersten gemeinsamen Zeit in Helsinki packte sie plötzlich erneut das Reisefieber und sie begannen zu überlegen, wo sie als nächstes gemeinsam leben wollten.

Als Experiment beschlossen sie, sich einen Traumort auszudenken, um dann zu sehen, ob es diesen auch irgendwo auf der Welt gibt. Dabei gingen sie ganz pragmatisch vor: Ihr Traumwohnort war nicht flach wie Liisas Heimat, sondern hügelig wie diejenige von Aldo. Dafür sollte er einen Ausblick auf ein Gewässer bieten, genau wie Liisas finnisches Zuhause und nahe Wälder, um zu joggen. Ihre Wunschwohnung sollte in einem Haus nahe einer Stadt liegen und einen ländlichen Garten haben, in dem sie Thymian, Rosmarin, Kartoffeln und Blumen anpflanzen konnten. Von der Sprache her lag die Mitte im deutschsprachigen Raum: weder spanisch noch finnisch – doch eine Sprache, die beide bereits in der Schule gelernt hatten. Die Schweiz als Costa Ricas europäisches Schwesterland war ihr Favorit. So weit war ihr Plan klar. Nun musste er nur noch umgesetzt werden.

Wer wagt, gewinnt

Das war dann einfacher als gedacht, auch wenn es nicht von heute auf morgen möglich wurde. Als Elektroingenieur, der sich auf Telekommunikation spezialisiert hatte, war sich Aldo sicher, dass er überall auf der Welt  Arbeit finden würde. Auch in der Schweiz.

Und so war es. Liisa arbeitete noch in Finnland als Journalistin, doch sie wollte nachkommen, sobald Aldo die dazugehörige Traumwohnung gefunden hatte.

«Ich bewarb mich ununterbrochen und schaute mir auch sehr vieles an», sagt Aldo, «ich war schon total müde. Als ich den Telefonanruf bekam, dass ich mir die Wohnung in Zollikon anschauen könnte, wenn ich noch interessiert sei, sagte ich erst, ich hätte keine Zeit, und müsse eh warten, bis meine Frau nächste Woche wieder hier sei, weil sie mitzubestimmen habe – ich glaubte nicht mehr an mein Glück.» Doch genau diese Aussage gefiel seinen zukünftigen Vermietern – sie sagten zu, die Wohnungsbesichtigung zu verschieben. Was für ein Glück! Liisa und Aldo gefiel die Gartenwohnung in Zollikon auf Anhieb – sie zogen unverzüglich ein.

Eigentlich war  ihr Experiment für ein Jahr gedacht, doch sie verlängerten es Jahr um Jahr neu, bis ihre Tochter, die im Jahr 2000 geboren wurde, in die Schule kam und der Entscheid längerfristiger wurde. Zollikon war längst  ihre neue Heimat geworden. Vater und Tochter haben heute den Schweizerpass, während Mutter Liisa noch zögert.

Doch die Familie Sibaja ist glücklich hier, auch Mutter Liisa. «Manchmal werde ich gefragt, ob ich Costa Rica nicht vermisse», sagt Aldo, «doch nein, ich finde, ich habe Glück, ich habe Costa Rica nicht verloren – ich habe Finnland und die Schweiz hinzu gewonnen.» (db)

Lesen Sie das ganze Porträt über Liisa und Aldo im aktuellen Zolliker Bote vom 25. Juli 2014.

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