Zollikon

Hotelprojekt in Ferne gerückt

So schnell dürften die Tage des Zolliker Ferienhauses «Sanaspans» noch nicht gezählt sein. (Bild: mmw)

Aus dem Hotelprojekt, das die Gemeinde Zollikon als Ersatz ihres Ferienhauses Sanaspans plant, wird so schnell nichts: Die für November angesetzte Urnenabstimmung auf der Lenzerheide über die Revision der Ortsplanung findet nicht statt.

Dass Konflikte vorprogrammiert sind, war bereits klar. Im Sommer strahlte das SRF im «Schweiz aktuell» einen Beitrag aus über das geplante Hotelresort der Gemeinde Zollikon, die ihr Ferienhaus Sanaspans in der Lenzerheide verkaufen und zusammen mit der Gemeinde Vaz/Obervaz im Gebiet Sundroina auf dem gut 56 000 Quadratmeter grossen Areal ein Hotelresort mit 500 Betten plant. Zollikon möchte sein Ferienhaus verkaufen, weil es stark sanierungsbedürftig ist und von Zolliker Schulklassen kaum mehr genützt wird (wir berichteten in der Ausgabe vom 24. Mai).

Neben den beiden Gemeindepräsidenten, die sich für das Projekt stark machten, kam im ausgestrahlten Fernsehbeitrag auch das Mitwirkungsverfahren zur Sprache, bei dem bereits Kritik geäussert wurde. So wehrte sich unter anderen die Stiftung Landschaftsschutz gegen das Projekt. Die intakte Natur sei das Kapital einer Tourismusregion, hiess es dabei. Kritisiert wurde vor allem die Grösse des Projekts: Zu viel Kulturlandschaft müsse dem geplanten 100-Millionen-Hotelresort weichen, das von Drittinvestoren realisiert werden soll. Es solle daher ein kleineres Hotelprojekt angestrebt werden. Dass Zollikon sein Ferienhaus verkaufen will, dafür zeigte sowohl die Sprecherin des Landschaftsschutzes Verständnis als auch der ehemalige Hockeyprofi Renato ­Tosio, der in diesem Jahr zum 24. Mal ein Eishockeytrainings­lager im Haus Sanaspans durchführte. Er würde das Lagerhaus aber vermissen, sagte der Stammgast, denn es sei nicht einfach, ein Lagerhaus in dieser Grössenordnung zu finden.

Massive Opposition

Das letzte Wort sollte aber die Bevölkerung haben. Im November war die Abstimmung über die Zonenplanrevision in Vaz/Obervaz angesetzt: Damit das Projekt nämlich überhaupt realisiert werden kann, muss die Bündner Gemeinde ihre Ortsplanung revidieren. Eine spezielle Hotelzone «Sanaspans» müsste geschaffen und 6076 Quadratmeter Agrarland in Bauland umgezont werden. Doch so weit wird es nun vorerst nicht kommen. Wie die «Südostschweiz am Wochenende» berichtete, hat die Gemeinde die für den 24. November geplante Urnenabstimmung über die Revision bis auf Weiteres verschoben. Im Bericht wird vermutet, dass die Opposition gegen das Projekt so massiv ist, dass das Ignorieren des Widerstands die Ortsplanungsrevision an der Urne scheitern lassen dürfte. Besonders aus Kreisen der Anstösser und der Landwirtschaft sei laute Kritik zu vernehmen. Auch hätten bereits mehrere Anwohner auf juristische Beratung zurückgegriffen, die Zeitung habe Kenntnis von dieser rechtlichen Überprüfung des für die Bevölkerung verfassten Mitwirkungsberichts. Es sei eine Beurteilung, «die schwere inhaltliche Mängel» an den Mitwirkungsauflagen moniere. Auch widerspreche das Projekt dem Raumplanungsgesetz.

Zahlreiche Vorwürfe

Es seien mehrere Vorwürfe, die das Gutachten erhebt, wie es im Artikel heisst. Der Stimmbürger werde in die Irre geführt, weil nur 100 und nicht 500 Hotelbetten geplant seien, wie teilweise kommuniziert werde. Die restlichen 400 seien Zweitwohnungsbetten, weshalb das Papier die Berechnung der Wirtschaftlichkeit des Projektes als unkorrekt einstuft und von «völlig unzutreffenden und unrealistischen Annahmen» spricht. Weitere Kritikpunkte: Die Planungsrevision halte sich nicht an die Grundsätze einer nachhaltigen Raumplanung, auf das bestehende Siedlungsgebiet nehme die neue Hotelzone kaum Rücksicht. Als nicht belegt beurteile das Papier auch die Aussage, wonach auf der Lenzerheide mit einer steigenden Nachfrage an Hotelbetten zu rechnen sei, der Bedarfsnachweis für die Einzonung einer neuen Hotelzone entfalle. Der Gemeinde Vaz/Obervaz wirft das Gutachten zudem vor, mit falschen Zahlen bezüglich der Einzonung zu hausieren und dass die Vorgabe des Richtplans missachtet werde, dass für neue touristische Beherbergungsbetriebe Standorte in unmittelbarer Nähe zu Bergbahnstationen im Ortszentrum vorzusehen sind. Denn das geplante Resort soll am Rand des Siedlungsgebiets entstehen. Ein gravierender Mangel sei auch die fehlende Umweltverträglichkeitsprüfung für die projektierte unterirdische Garage, wie die Zeitung weiter schreibt. Der Bericht schlussfolgert, dass die rechtliche Beurteilung die letzten Zweifel ausgeräumt haben darf, dass die Anwohner kaum Mühe und Kosten für ein langwieriges Rechtsverfahren scheuen würden, um einen in der jetzigen Grösse geplanten Bau neben ihren Häusern zu verhindern.

Laufender Prozess

Ob die Ortsplanungsrevision nur vertagt wurde oder ganz fallen gelassen wird, dazu äusserten sich die beiden Gemeindepräsidenten im Bericht noch nicht. Zollikons Gemeindeschreiber ad Interim Peter Imhof sagt auf Anfrage, dass sie konstruktiv mit der Kritik umgingen und die Einwände der verantwortlichen Stellen nochmals daraufhin analysieren und prüfen würden. Im derzeit laufenden Prozess könne nicht auf Einzelheiten eingegangen werden, bis die Prüfung abgeschlossen sei. Sobald die Ergebnisse vorlägen – was voraussichtlich Ende November der Fall sei –, werde über das weitere Vorgehen informiert. Ziel sei und bleibe es, der Lenzerheide neue Impulse für den Tourismus zu verleihen, von dem die Gemeinden und die einheimische Bevölkerung profitieren sollen. (mmw)

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