Quo vadis, Zürich? 

Zürich soll sich weiterentwickeln, aber eine Stadt mit eigener Identität bleiben: Städtebaudirektorin Katrin Gügler referierte im Gerensaal darüber, wie die Stadt 2040 daherkommt. (Bild: mmw)

Zürich 2040 – wird morgen alles besser? Katrin Gügler, Städtebaudirektorin der Stadt Zürich, war beim Quartierverein Zollikerberg zu Gast, wo sie über die zukünftigen Entwicklungen der Stadt Zürich referierte. 

Wer kennt schon die Zukunft? Niemand, auch Katrin Gügler nicht. So zeigte die Städtebaudirektorin der Stadt Zürich denn auch als erstes Bild eine Schneekugel mit der Stadt Zürich: «Auch ich weiss nicht, wie Zürich 2040 aussehen wird. Aber wir gehen von gewissen Entwicklungen aus.» Und über diese Entwicklungen, festgehalten im kommunalen Siedlungsrichtplan, der sagt, wo und wie die Stadt bis 2040 wachsen soll, referierte die im Zollikerberg aufgewachsene und heute wieder in der Gemeinde wohnhafte Architektin danach gut eine Stunde lang. Geplant werden diese Entwicklungen auf Basis von Wachstumsprognosen. Auch wenn diese nicht immer genau seien, so sei es wesentlich einfacher, ein Projekt zurückzustellen, als kurzfristig eines aufgleisen zu müssen. 

Vieles ist unklar, eine Richtung sei dennoch glaskugelklar: die nach oben. Zürich wird wachsen – Zürich wird grösser werden. Das Amt für Städtebau rechnet damit, dass Zürich 2040 rund 100 000 neue Einwohner haben wird – die Stadt von heute 400 000 Einwohner also auf 500 000 anwächst. «Das Wachstum ist eine Chance», hielt Katrin Gügler gleich zu Beginn fest und unterstrich ihre Meinung während des Abends mehrfach. Eine Chance, die bedingt, dass verschiedene Aspekte berücksichtigt werden. So müsse eine langfristige Planung, ihre Steuerung und die Koordination der verschiedenen Aspekte stets im Auge behalten werden. Wie auch immer sich Zürich entwickeln wird: «Zürich wird Zürich bleiben», betonte Katrin Gügler, «eine Stadt mit eigener Identität.» Um dies zu verdeutlichen, behalf sich die Städtebaudirektorin der drei Akte des Gestern, des Heute und des Morgens. Denn wer sich mit Entwicklungen befasst, der müsse sich der Vergangenheit bewusst sein, um sich ausgehend von der Gegenwart mit der Zukunft auseinandersetzen zu können. 

Verdichtung als Chance

Und so machte sie einen Sprung zurück und zeigte auf, wie sich die Stadt in den letzten 200 Jahren entwickelt hat. Dass in Zürich schon immer gross gedacht wurde, es immer grosse Visionen gab und die Stadt mal mehr, mal weniger, aber immer kontinuierlich gewachsen ist. 

Trotz dieses anhaltenden Wachstums – irgendwann seien die Grenzen erreicht. «Heute geht es um Transformation im Bestand», kam Katrin Gügler auf die Gegenwart zu reden und somit natürlich auf die Verdichtung, die in aller Munde ist. Verdichtung sei eine Chance – aber nur dann, wenn die Bevölkerung sie auch als solche wahrnehme. «Dichte darf nicht doof sein», zitierte sie einen Artikel der NZZ vor wenigen Jahren, der die Erkenntnisse zur Akzeptanz von verdichtetem Bauen in bestehenden Siedlungs­gebieten aufzeigte. Eingriffe in gewachsene Strukturen seien delikat, wie eine Studie über die Akzeptanz von baulicher Dichte des Amts für Raumentwicklung des Kantons Zürich deutlich machte. 

Heute werde verdichtetes Bauen vor allem mit steigenden Wohnkosten assoziiert, sagte Katrin Gügler, ein Umstand, der unbedingt angegangen werden müsse. So sei für die Planung einer Stadt der Anteil von gemeinnützigem Wohnungsbau entscheidend. In Zürich müssten ein Drittel aller Wohnungen gemeinnützig sein, zurzeit liege dieser Wert bei 25 Prozent – «wir sind also schon gut unterwegs,» sagte sie und hielt fest, dass Genossenschaften oftmals Pioniere darin ­seien, wie man wohnt. 

Die Stadt der kurzen Wege

Katrin Gügler zeigte sich überzeugt, dass Zürich mit der angestrebten Verdichtung attraktiv bleiben wird. «Damit dies gelingt, ist die bauliche Gestaltung des Wohnraums und der Freiräume wichtig.» Letztere seien ein zentrales Thema des Siedlungsrichtplans, denn die Zukunft dürfe wortwörtlich nicht verbaut werden. Freiräume zu sichern, besser nutzbar zu machen, sie zu erstellen und zu verbinden, seien hierbei die Stichworte. 

Potential zur baulichen Dichte sieht die Städtebaudirektorin besonders im Norden und Westen der Stadt Zürich. Heute würden die Planer Zürich als Teil eines ganzen Metropolitanraums sehen und das sei wichtig, weil das Zürich der Zukunft mehrere Zentren haben soll. «Diese werden anders als das historische Zentrum, sie werden aber ebenfalls attraktiv», gab sie sich zuversichtlich. Geplant sei Zürich heute als Stadt der kurzen Wege – in den einzelnen Gebieten solle weniger Verkehr entstehen, was mit dem besseren Ausbau der lokalen Angebote erreicht werden könne.

Verdichtetes Bauen bestehe nicht einfach daraus, Wohnungen hochzuziehen, die grösste Herausforderung liege darin, die nötige Infrastruktur wie Grünräume, Schulen und Sportanlagen einzubeziehen. So rechnet das Amt für Städtebau denn auch mit 14 neuen Schulhäusern, die es bei einer Bevölkerungszunahme von 100 000 Personen brauche, 14 weitere Schulhäuser sollen saniert werden. «Die 17 Hektaren Land, die es für die neuen Schulen braucht, muss man aber erst einmal haben», sagte die Zollikerberglerin. Weil die Stadt dieses Land aber nicht überall habe, seien kreative Lösungen gefragt und müssten die Grundbesitzer ins Boot geholt werden. Dabei würden vor allem die grossen Grundeigentümer wie die Baugenossenschaften angesprochen. 

Wohn- und Arbeitsstadt zugleich 

Im Gespräch sei die Stadt aber auch immer wieder mit den Nachbargemeinden wie Zollikon, sei doch der Blick über den Tellerrand ein wichtiger, weil die Verdichtung nicht an der Stadtgrenze aufhöre. Beispiele hierfür sind der Gesundheitscluster Lengg, der Seeuferweg oder die Forchstrasse. Alles Themen, die den Zollikern bestens bekannt sind. «Bei diesen Gesprächen geht es in erster Linie um die Erfassung der gemeinsamen Themen und darum festzulegen, wer wo den Lead hat», sagte Katrin Gügler. Lobende Worte bekam sie vom im Publikum anwesenden Zolliker Bauvorstand Martin Hirs. Die Zusammenarbeit und der Austausch betreffend Lengg fänden regelmässig statt und seien gut, sagte der Gemeinderat. Dem Vortrag der Städtebaudirektorin wohnten neben dem aktuellen Bauvorstand auch dessen drei Vorgänger Jürgen Schütt, Ulrich Borsari und Hans Gremli bei.

Bei der anschliessenden Diskus­sionsrunde mit den rund 40 Anwesenden wurden auch Themen wie «Smart City» – ein Begriff zur Steuerung des Verkehrs durch intelligente technologische Systeme oder «Green Buildings», gemeint sind Gebäude, die vertikalen Gärten gleichen, gestreift. Letztere seien ein Legislaturschwerpunkt der Stadt, erklärte Katrin Gügler. In Anbetracht der intelligenten Stadt kam sie zurück auf die grosse Frage, die sie in ihrer Aufgabe als Städtebaudirektorin noch lange beschäftigen dürfte. Denn es gehe nicht bloss um intelligente Systeme, die aufeinander abgestimmt werden müssten. «Die Frage ist doch, welch anderes räumliches Denken es braucht, damit die Stadt intelligent funktioniert.» Und Zürich solle auch in Zukunft so funktionieren wie heute: sowohl als Wohn- als auch als Arbeitsstadt. (mmw)
 

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