Zollikon

Tour d’Horizon durch die Legislaturschwerpunkte

Die Legislaturziele hängen gerahmt in seinem Büro: Gemeindepräsident Sascha Ullmann während seiner Tour d’Horizon. (Bild: mmw)

Fünf Schwerpunkte, unzählige Themen: Gemeindepräsident Sascha Ullman erläuterte im Kirchgemeindehaus Zollikerberg, womit sich die Zolliker Behörde während der aktuellen Legislatur befasst. 

Lebensraum, Verkehr, Finanzen, Kommunikation und Strukturen. Unter diesen fünf Schlagwörtern stehen die Legislaturschwerpunkte des Zolliker Gemeinderates. Neu sind sie nicht, hatte die Behörde ihre Schwerpunkte für die Entwicklung von Zollikon doch bereits im Frühling in dieser Zeitung publik gemacht. «Seither hängt die damals veröffentlichte Seite mit unseren Legislaturzielen in Grossformat und ­gerahmt in meinem Büro im Gemeindehaus», begrüsste Sascha Ullmann am Montagabend gut 70 Zollikerberglerinnen und Zollikerbergler, die der Einladung ihres Quartiervereins gefolgt waren. Der Gemeindepräsident war gerufen worden, um aufzuzeigen, was hinter den Schlagwörtern steckt. Und so präsentierte er innerhalb einer Stunde eine Tour d’Horizon durch die Themen, die den Gemeinderat beschäftigen, und machte klar, wie vielfältig und komplex diese teils daherkommen. 

Der grösste der fünf Schwerpunkte sei der Lebensraum, der so gestaltet werden solle, dass in Zollikon ein attraktives Wohnen und Arbeiten auch in Zukunft möglich sei. Hinter diesem Punkt verbirgt sich nicht nur die Bau- und Zonenordnung aus dem Jahr 1996, die überprüft und, wo notwendig, angepasst werden soll, sondern auch das Schwimmbad Fohrbach, zu dem die Behörde sich erst kürzlich für eine Richtung entschieden und mitgeteilt hatte, dass das Bad über mehrere Etappen 1:1 saniert werden soll mit den Optionen einer Photovoltaikanlage und einem neuen Gastronomiebereich. Über den Planungskredit von 1,5 Millionen Franken wird an der Gemeindeversammlung vom kommenden März abgestimmt. 

Zum Liegenschaften-Portfolio gehören aber auch das Altersheim am See, bei dem es in einem nächsten Schritt um die Klärung gehe, was im Heinrich-Ernst-Fonds effektiv noch enthalten ist, welcher Zweck der Fonds heute haben soll und wie es um die rechtlichen Rahmen­bestimmungen steht sowie auch das Areal Beugi. Gestützt auf die angenommene Initiative der Zolliker Baugenossenschaften führte der Gemeindepräsident aus, dass hier mit zwei verschiedenen Teilprojekten – genannt «Bau» und «Trägerschaft» – geklärt werde, was genau auf dem Areal entstehen und wer die Überbauung tragen soll. 

Gehör verschaffen

Im Gegensatz zum mannigfaltig und mit den unterschiedlichsten Akteuren behafteten Lebensraum stelle der Schwerpunkt der Kommunikation ein wesentlich kleinerer, aber kein unwesentlicher dar, wie Sascha Ullmann weiter fortfuhr. «Die vielen Kanäle fordern die Gemeindeverwaltung heraus», sagte er, «aus diesem Grund haben wir auf das neue Jahr hin eine neue Stelle geschaffen, um zielgerichteter zu kommunizieren.» 

Dass sich in Sachen Kommunikation bereits etwas getan hat, bestätigte Quartiervereinspräsident Fritz Wolf im Anschluss an die Veranstaltung, als er erzählte, dass es heute bereits wesentlich einfacher sei, mit den Behörden und der Gemeindeverwaltung in Kontakt zu treten, um ein Anliegen vorzubringen. Und Fritz Wolf weiss, wovon er spricht. Als langjähriger Quartiervereinspräsident hat er schon manche Vorstösse gemacht und Ideen eingebracht für die Anliegen der Bewohner seines Dorfteils. So auch zu den Bahnschranken der Forchbahn, gegen die neben dem Gemeinderat auch der Quartierverein beim Bundesamt für Verkehr Einsprache erhoben hat und die auch an diesem Abend wieder zur Sprache kamen. 

Überhaupt ist es der Verkehr, der den Zollikerberglern seit langem und immer stärker zu schaffen macht. Obschon auch er als Legislaturziel daherkommt, handle es sich hierbei mehr um eine Willensbekundung denn um ein Ziel, erklärte Sascha Ullmann und machte auch sofort klar weshalb: «Das Verkehrsproblem lässt sich nicht innerhalb von vier Jahren lösen.» Wichtig aber sei es, dranzubleiben. Auch hierbei gebe es viele Akteure, namentlich die Stadt, den Kanton und im Falle der Bahnschranken auch den Bund, mit denen die Behörde die Zusammenarbeit intensivieren will oder teils auch erst einmal einfordern muss. «Wir müssen uns Gehör verschaffen», erklärte er. Ob es nun um den Gesundheitscluster Lengg geht – den grössten Gesundheitscluster Europas, der an den Toren zu Zollikon entstehen und ein deutlich grösseres Verkehrs­aufkommen mit sich ziehen wird –, die überlastete Forchstrasse oder die Seestrasse, die Arbeit des Gemeinderates bestehe darin, zu schauen, dass die Behörde in all den verschiedenen Gremien vertreten ist und mitreden kann. Dass sie also einen Einfluss hat auf die Programme, in denen Lösungen gesucht werden. 

Mitreden und weiterhin aktiv sein will der Gemeinderat auch bei den Bemühungen des Fluglärmforums Süd betreffend Fluglärm – ein Thema, das vom im Publikum anwesenden Zolliker Unternehmer, PR-Berater und Pressesprecher der Stiftung gegen Fluglärm Klaus J. Stöhlker ebenfalls aufgegriffen wurde. 

Ein Dorf, viele Stärken

Beim Schwerpunkt Finanzen zeigte Sascha Ullmann kurz auf, wie die Bevölkerung Zollikons in den Jahren 2013 bis 2018 um mehr als fünfeinhalb Prozent gewachsen ist und der Aufwand überproportional um 9,1 Prozent zugenommen hat. Das müsse angeschaut werden, habe aber auch mit der erfreulichen Tatsache zu tun, dass immer mehr Junge nach Zollikon zögen, was die Aufwendungen im schulischen Bereich erhöhe. Auch verwies er auf die guten Budgetaussichten für 2020 und die sinkende Verschuldung, die auch mit der Staffelung der Sanierung des Fohrbachs zu tun hat. 

Nicht allzu viel zu erzählen gab es beim Thema der Strukturen, bei dem es darum geht, die Dienstleistungen für die Zollikerinnen und Zolliker auf einem hohen Niveau zu halten. Nebst der Gemeindeordnung, die revidiert und den gesetzlichen Bestimmungen angepasst wird, beschäftigt sich der Gemeinderat hierbei mit den Synergien zwischen der Gemeindeverwaltung und dem Schulbetrieb. «Obschon wir die älteste Einheitsgemeinde im Kanton sind, gibt es noch immer Synergieeffekte, die besser aus­geschöpft werden sollen», sagte ­Sascha Ullmann, bevor er die Fragerunde fürs Publikum öffnete. Bei dieser wurde schnell klar, dass, so vielfältig die Themen der Legislaturschwerpunkte des Zolliker Gemeinderats sind, auch die Schwerpunkte bei den Bergbewohnern unterschiedlich gewichtet werden. Bei den Wortmeldungen handelte es sich denn auch nicht immer um konkrete Fragen, sondern um eigene Ausführungen, wie die Sicht der Dinge in Sachen Fluglärm, Bevölkerungswachstum oder dem öffentlichen Verkehr wie der Forchbahn ist. Und obschon auch nochmals das Thema der Zweiteilung des Zollikerbergs und des Dorfs zum Thema gemacht wurde, waren sich viele einig, dass es sich im Zollikerberg gut und gerne lebe, wie auch beim Umtrunk im Anschluss bekundet wurde. Und auch der Gemeindepräsident fand: «Die beiden Dorfteile sind verschieden und so soll es auch sein, hat doch jeder Dorfteil seine eigenen Stärken.» (mmw)

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