08/2015 Zeitreise durch Zollikon

Von adminZoZuBo ‒ 19. Februar 2015

Zeitreise durch Zollikon

Mehr als 100 Jahre umfasst die Zeitreise, die Richard Humm mit Fotos aus dem Ortsmuseum für seinen Vortrag zusammengestellt hat. Sein Publikum dankte es ihm mit grossem Interesse.

1898 war Zollikon noch ein kleines Bauerndorf. Was man sich kaum mehr vorstellen kann, zeigen die schwarz-weissen Fotos aus dem Ortsmuseum eindrücklich. Damals lebte man noch in einer gänzlich anderen Welt: Die Schweizerstädte waren klein, Zürich war mit 28’000 Einwohnern bloss halb so gross wie Bern oder Basel und gar dreimal kleiner als Genf. Die Strassen durch Zollikon waren noch staubig, die Pferdefuhrwerke zahlreicher als die Automobile und die Dichte an Wirtshäusern und lauschigen Gärten, Kegelbahnen und abendlichem Programm beeindruckend.

Noch gab es in den einzelnen Häusern weder Schreibmaschinen noch Radios, weder Fernseher noch Facebook. Treffpunkt der Geselligkeit waren die Wirtschaften. Wer auf Brautschau war, machte seine Runden und verteidigte notfalls die einheimischen Frauen gegen die fremden Fötzel. Wobei ein fremder Fötzel damals auch ein Stadtzürcher sein konnte, der sich mit feiner Brillantine im Haar zu frech in Zollikon umsah. Einst hätten die Zolliker Mannen einen solchen ins Seewasser getaucht, um ihm den Garaus zu machen.

Richard Humm erzählt lebendig und anschaulich. Immer wieder sagt er: «Einzelne von uns erinnern sich sicher noch persönlich daran.» Und man hört zustimmendes Gemurmel im Saal. Und er zeigt das alte Casino, das «Bahnhöfli», das Hotel Bellevue, die Wirtschaft zum Obstgarten, die alte «Waldburg», den einstigen «Rosengarten», das «Rössli» ohne Riegel. Und dazu die heutigen Ansichten. «Vieles mag zweckmässiger geworden sein, schöner nicht unbedingt», sagt er, «das ist der Lauf der Zeit.» Idealisieren müsse man die frühere Zeit aber mitnichten, fügt er hinzu. Spekulation beispielsweise sei in Zollikon schon immer ein Thema gewesen. Und er weiss von einem Grundstück zu berichten, 3000 Quadratmeter gross, das im Jahre 1895 innerhalb eines Jahres dreimal die Hand gewechselt habe: Der Quadratmeterpreis sei von Fr. 3.20 erst auf 165 Franken und dann auf 318 Franken gestiegen. Wobei der dritte Käufer dann aber doch habe Konkurs einreichen müssen, sodass zum Schluss ein Vierter das ganz grosse Geschäft gemacht habe. Der habe das Land dann zum Quadratmeterpreis von 105 Franken erhalten.

Diese Zahlen bringen die Leute zum Schmunzeln. Genauso wie die Aussage, der Besitzer des einstigen Casinos habe damals dem Gemeinderat sein Land am See für 230’000 Franken verkaufen wollen, der Gemeinderat damals dieses Angebot aber als zu teuer ausgeschlagen.

Die Veranstaltung des Seniorentreffs richtet sich an die Generation 60plus. Über hundert Leute haben den Weg heute unter die Füsse genommen, um auf Zeitreise zu gehen. Der Saal ist zum Bersten voll. Und er bleibt es auch nach dem Vortrag noch. Bei Kuchen und Kaffee werden Erinnerungen ausgetauscht. Pfarrer Thomas Kölliker höchst persönlich serviert. Es ist sein letzter Seniorennachmittag im Amt. «Da passt das Thema Zeitreise», sagt er, «es passt doppelt, denn an meinem ersten Seniorennachmittag vor zwanzig Jahren hielt Martin Hübner einen historischen Bildervortrag.»

Und er und Richard Humm setzen sich zu den Leuten. Denn wie sagte doch Richard Humm so treffend: «Früher wie heute ist es das Zusammengehörigkeitsgefühl, das aus ein paar Häusern ein Dorf macht.» (db)

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