15/2016 «Beswingt» in den Frühling

Von adminZoZuBo ‒ 15. April 2016

«Beswingt» in den Frühling

Kulturkreis sei Dank: wieder einmal Jazz in Zumikon. Und dann erst noch eine Perle. Marianne Racine zauberte mit ihrem Quartett einen «Swinging Groove» in den Gemeindesaal. Das zahlreiche Publikum dankte es mit viel Applaus.

Marianne Racine, die Antithese der kühlen Schwedin, die sie von Geburt her ist, begeisterte mit ihrer Herzlichkeit das Publikum. Und offenbar kennt sie viele Zumikerinnen und Zumiker. Denn in der Pause mischte sie sich ohne Berührungsängste unter das Publikum, plauderte und nahm viele Komplimente entgegen. Die Sängerin und Pianistin ist mit einem Schweizer verheiratet. Und mit dem Jazz! Mit ihrer voluminösen, angenehmen Stimme wickelte sie das Auditorium im Nu um den Finger. Und begeisterte als Entertainerin mit Charme und Witz. Unterstützt und getragen wird sie von ihren «Männern». Daniel Baschnagel spielt eine exzellente Trompete. Patrick Sommer bearbeitet den Bass so gekonnt wie die Schweizer Jazzgrösse Isla Eckinger. Und Pius Baschnagel lässt die Stöcke im Stil des unvergessliche Gene Krupa wirbeln. Kein Wunder, hat sich das Quartett am Swiss Jazz in Ascona unter den ersten drei qualifiziert und tritt dort auf. «My romance» eröffnet den Abend und «beswingte» das Publikum. Mit «My favorite things» klärte das Quartett auf, dass Musicals mit Julie Andrews und schnelle Rhythmen offensichtlich ihre Favoriten sind. Und dann folgte etwas Unerwartetes.

«Verjazzte» Volkslieder

Marianne Racine kündigte ein Volkslied aus ihrer alten Heimat an. «Mer an vänskap» versteht nicht wirklich jeder, aber die Sängerin lieferte singenderweise einzelne Textzeilen auf Deutsch. Und den Sound verstand das geneigte Publikum. Denn das Volkslied kam äusserst «jazzig» daher, so, als würde man «Gang rüef de Bruune» verjazzen. Nun, man darf sagen, Experiment geglückt – der Song ist angekommen. Der Titel bedeutet übrigens «Mehr als Freundschaft» – und mehr als Freundschaft, ja Begeisterung empfand das Auditorium je länger je mehr für das Quartett und insbesondere für die charismatische Sängerin.

Was ist hip

Bei «I’m hip» sinnierte Marianne Racing darüber, was denn eigentlich hip sei. Da erinnerte sich der Schreibende, wie er in den 1960er-Jahren London besuchte. Und dabei in der King’s Road in Chelsea einem sehr bunt gekleideten, sehr langhaarigen jungen Mann begegnete, der auf seiner Schulter einen Papagei spazieren führte. Das war zu jener Zeit sehr hip, wie man heute darüber urteilen würde, ist ungewiss «Joy spring» durfte man als Ode an den hoffentlich bald beginnenden Frühling verstehen, so leicht und beschwingt kam der Titel daher. Während «Blues in the night» demonstrierte, dass das Quartett auch diesen Stil meisterhaft beherrscht.

Hoffentlich «Auf Wiedersehen»

Nun folgte ein weiteres schwedisches Lied, «Elektrisk flöjt», dessen Text gemäss Marianne Racine der Dada-Epoche nachempfunden sei. Es bot den Musikern Gelegenheit, mit Soloeinlagen ihre Virtuosität unter Beweis zu stellen. «That old black magic» beendete ein Konzert, das rundum alle Wünsche erfüllte. Und präsentierte eine Künstlerin mit ihrer Band, der man gerne wieder einmal zuhören würde. Der ausdrucksvollen Stimme von Marianne Racine, der gefühlvollen Trompete von Daniel Baschnang, dem kraftvollen Bass von Patrick Sommer – und dem Taktgeber Pius Baschnang am Schlagzeug. (wn)

 

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