27/2016 Malen zwischen Traum und Morgenröte

Von adminZoZuBo ‒ 8. Juli 2016

Malen zwischen Traum und Morgenröte

Die Zumikerin Regula Syz ist Malerin und zeigt ihre Werke aktuell in der Ausstellung «Frauenpower» im Art Dock, Zürich.

Regula Syz ist stolz. Sie zeigt auf einen Zettel, der gerahmt an der Wand hängt. Geschrieben hat ihn die Enkelin, die in der ersten Klasse ist und von einem bösen «Roiber» erzählt. Die Zumikerin ist aber auch ein Fan der Arbeiten ihres Mannes. David Syz hat sich mit ­seinen Dokumentarfilmen in der Schweizer Film- und Fernsehwelt einen Namen gemacht. Regula Syz ist auch ganz Familienmensch und freut sich, wenn am Wochenende alle Kinder zu ihr kommen. Doch in erster Linie ist sie Malerin, und das mit jeder Faser ihres drahtigen Körpers. Eigentlich wusste sie das auch schon von klein auf. Und doch hat sie nach der Matura eine Ausbildung zur Primarlehrerin gemacht. «Ich hatte das Gefühl, dass ich doch erst einen Brotberuf erlernen wollte», sagt sie. Doch direkt nach dem Studium war das Wissen um den richtigen Weg wieder da, und mit 22 Jahren ging Regula Syz an die Zürcher Schule für Gestaltung. Es begann eine intensive Ausbildung bei verschiedenen Lehrern, später folgten zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen. Doch viel mehr als die Zahlen zu ihrer Biografie verrät ein Besuch bei der Malerin in ihrem Atelier. Dabei ist das Wort «Atelier» viel zu klein und zu kurz, um die Werkstatt zu beschreiben. Eine ganze Wohnung mit Galerie belebt Regula Syz mit ihren zahllosen Arbeiten. Von allen Seiten strömt Licht herein. Möbel? Nur das, was unbedingt notwendig ist. Die Kunst braucht den Platz.

Kein Chaos hinterlassen

Neben dem riesigen Arbeitsraum versucht Regula Syz gerade in einem anderen Zimmer, ihre Arbeiten zu ordnen, zu katalogisieren. «Ich will ja kein absolutes Chaos hinterlassen», sagt sie fast entschuldigend. Ihr Blick geht aus dem Fenster auf den benachbarten Friedhof. «Hier sehe ich immer, dass wir alle vergänglich sind.» Mag sein. Aber jetzt steckt Regula Syz voller Leben und Tatendrang. Und diese Lebensfreude zeigt sich auch in den Bildern, mit denen sie sich aktuell an der Ausstellung «Frauenpower» im Art Dock an der Hardbrücke beteiligt. Mit gleich drei Grossformaten – drei mal vier Meter – an der Fassade lockt sie ­Betrachterinnen und Betrachter in die Halle. Insgesamt zeigen bis zum 18. August 144 Frauen, was künstlerisch in ihnen steckt. Wer Werke von Regula Syz von früher kennt, wird sie in den neuen Bildern nicht wiedererkennen. Es sind nicht mehr die zarten Aquarelle, die feinen Striche. Nein, in Regula Syz’ künstlerischem Leben gab es einen radikalen Bruch. Im Jahr 2000 bezog sie ein Atelier in Genua. Drei Monate wollte sie eigentlich bleiben, es wurden drei Jahre, und noch immer lebt und arbeitet sie gelegentlich in der italienischen Hafenstadt. «Die Kinder waren damals aus dem Haus, mein Mann war beruflich viel unterwegs, und ich wagte den Schritt gen Süden», erinnert sie sich. Vielleicht lag es am «dolce vita», aber in der Schweizerin kamen Erinnerungen an die eigene Kindheit hoch. «Ich spürte, wie sich eine Veränderung anbahnte.» Schon immer spielten Träume eine grosse Rolle in ihrem Leben. Lange beschäftigte sich die Künstlerin mit den Theorien von C. G. Jung und gab ihren Träumen einen Raum. Sie wechselte vom Aquarell, das so wenig verzeiht, zum Acryl und zu ganz archaischen Figuren.

Platz für das innere Kind

«Am Anfang war es wirklich sehr extrem», lacht die Malerin. Doch Regula Syz konnte und wollte nicht zurück. Sie spürte, dass sie ihrem inneren Kind mehr Platz geben musste, dass auf diese Weise ursprüngliche und neue Bilder entstanden. Und genau deswegen malt sie auch am liebsten ganz früh am Morgen. Wenn der Tag noch nicht gemerkt hat, dass man wach ist, und sich mit seiner ganzen Realität noch zurückhält. «Manchmal stehe ich noch im Nachthemd an der Leinwand», gibt Regula Syz zu. Das klingt leicht und beschwingt. Aber sie kennt auch die anderen Momente. Die, in denen man warten muss, geduldig sein muss, bis sich das Bild und die Intuition vor dem inneren Auge zeigen. Dazu gehört auch Mut. Wer die Tür zum eigenen Unterbewusstsein öffnet, wird auch staunen, was er dort findet. Nicht alle Konfrontationen sind schön. Und so ist auch nicht alles «schön», was Regula Syz auf die Leinwand bringt. Es gibt auch Wut oder Trauer. Zum Beispiel auf den vielen Skizzen, die sie nach den Terroranschlägen im vergangenen November in Paris gemacht hat. Sie war gerade auf dem Weg in die Stadt, als es passierte. «Ich konnte erst eine Woche später in mein Atelier», erinnert sie sich. Und so zeigen die Skizzenbücher schwarze Menschen, Blumenmeere, Bilder voller Fragen. Schnell schliesst sie das Buch wieder, verweist lieber auf neue Arbeiten. Sie hat sich wieder der Natur zugewandt, aber auf ihre eigene expressive und archaische Art. «Gärten faszinieren mich einfach», räumt sie ein, und das glaubt man sofort, wächst doch auf dem Balkon ein kleiner Garten Eden.

Wer noch mehr von der Zumikerin sehen will als lediglich die drei Werke von Frauenpower, hat noch bis am kommenden Sonntag Gelegenheit dazu: an der Artischock-Ausstellung in der Galerie Höchhus in Küsnacht. Und natürlich ist sie auch im Internet vertreten. Dort gibt es viele Werke zu sehen, finden sich viele Informationen zu all den Ausstellungen in der Schweiz, in Holland oder Deutschland. Und wer ganz viel Glück hat, darf sie in ihrem Atelier in Uster besuchen, wo die Kunst im wahrsten Sinn zu Hause ist. (bms)

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