47/2016 Zolliker Jahrheft

Von adminZoZuBo ‒ 24. November 2016

Historisch, aktuell: einfach spannend

Mit dem aktuellen Jahrheft, das die Gemeinde Zollikon nun vorlegt, erscheint eine abwechslungsreiche Publikation, die die unterschiedlichen Facetten des Dorfs präsentiert. Ein Schwerpunkt des Hefts ist den Flüchtlingen gewidmet.

Einen Einblick in den Alltag der Flüchtlinge in Zollikon liefert Dominique Bühler: «Die Schicksalsgemeinschaft verband über Länder- und Sprachgrenzen hinweg. Wer reden wollte, fand jemanden dazu, wer schweigen wollte, den liess man schweigen. Egal ob aus Syrien, Eritrea, Somalia, Afghanistan oder dem Volk der Kurden, alle waren froh hier zu sein. Im Bauch des Schulhauses. Im Zentrum von Zollikon», heisst es da. Dabei sei ein eigentlicher Missstand zum Plus geworden: Weil es in der Zivilschutzanlage keinen Handy-Empfang gibt, mussten die Flüchtlinge nach draussen, wenn sie telefonieren wollten. Somit wurden sie aber auch zu einem sichtbaren Bestandteil des Dorflebens – nicht selten entstanden so Gespräche. In dem Beitrag wird auch der Anfänge des Kulturcafés und des Deutschunterrichts gedacht, der niemals kontinuierlich geführt werden konnte. «Die Lehrer wechselten von Tag zu Tag. … Ob Analphabeten oder Hochschulabsolventen, alle kamen einträglich ins Kirchgemeindehaus.» Dann die Überraschung: Obwohl das Camp geschlossen werden konnte, wird das Kulturcafé weiterhin gut besucht.

Ein feuriger Mann

Ein ganz anderer Ton wird in dem Beitrag «Die Sage vom feurigen Mann» angeschlagen. Diese Sage erscheint in schriftlicher Form erstmals 1956 in «Unser Zollikon». Wie in den meisten Sagen lassen sich auch hier reale Begebenheiten und Ortsangaben feststellen: Einerseits das Riet mit seinen Irrlichtern, andererseits die Flühgasse und die Häuser «Hinter Zünen». Doch mittlerweile glaubt man nicht mehr an den unheimlichen Mann. Vielmehr weiss man, dass die Ursache dieser Lichter leicht brennbare Gase sind, die sich bei der Zersetzung organischer Substanzen entwickeln. «So wuchsen bei unserem Riet also harmlose Irrlichter zu einem feurigen Mann und wenn dazu noch unweit des Riets dunkle Astflecken auf einer Tür an einen Handabdruck denken liessen, stand der Geburt einer Sage nichts im Wege», schliesst Adrian Michael seinen spannenden Beitrag.

Doch es gibt im Zolliker Jahrbuch durchaus einen Mann, in dem besonderes Feuer loderte: Alf Aebersold. Er unterrichtete 37 Jahre mit grossem Engagement an der Schule für Gestaltung in Zürich. Schon als Kind unterstützte er die knappe Haushaltkasse mit Botengängen oder Putzarbeiten. Nach der Sekundarschule entschied er sich für einen Besuch der Kunstgewerbeschule. Doch dazu musste er vorher einen praktischen Beruf erlernen. Am Hirschengraben fand er eine Lehrstelle bei einem Holzbildhauer. Dank seiner sorgfältig angefertigten Holzfiguren konnte er ohne Aufnahmeprüfung 1952 in die eintreten und wurde zwei Jahre später Assistent des bekannten Möbeldesigners Willy Guhl, der an der Schule unterrichtete.

Schnitzen und Kochen

Der Kunstgewerbeschule blieb Alf Aebersold treu. Christine Wettstein-Fretz erzählt in ihrem ausführlichen Beitrag anschaulich, wie er ab Sommer 1959 als Lehrer für die Abteilung Innenarchitektur und Produktgestaltung arbeitete. «In all den Jahren verschaffte Alf den angehenden Innenarchitekten und Gestaltern direkten und sinnlichen Zugang zum Material.»  Parallel nahm Alf Aebersold mit seinen Design-Entwürfen an mehr als 30 Ausstellungen und Wettbewerben teil. Bekannt ist vor allem der von ihm entworfene Notwasserbrunnen, von dem 80 Stück über die Stadt Zürich verteilt sind und den die Zumiker auch von ihrem Dorfplatz kennen.

Aber auch in ganzen anderen Bereichen war er aktiv: So brachte er mit seiner Frau Monica ein Kochbuch heraus. «Sie haben ihre köstlichen, genuss- und humorvollen Rezepte aufgeschrieben: Dazu braucht es vier Menschen: einen Geizhals, einen Verschwender, einen Weisen und einen Narren. Der Geizhals gibt den Essig, der Verschwender gibt das Öl, der Weise gibt die Gewürze und was gibt der Narr? Er rührt die Sauce.» Und eine weitere Seite dieses Künstlers: Er fertigte wunderschöne Steine als Handschmeichler. «Diese Funktion erfüllen sie nun in besonderer Weise, denn Alf Aebersold ist in den Tagen der Drucklegung des Zolliker Jahrheftes verstorben», schliesst Christine Wettstein-Fretz ihren aufmerksamen Aufsatz.

Ob Geschichtliches, Persönliches Humoriges, Politisches oder Aktuelles: Das Jahrheft bietet alles und kann auch hervorragend in kleinen Dosen die Neugier stillen. (bms)

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