50/2017 Besuch in der Kindheit

Von adminZoZuBo ‒ 14. Dezember 2017

Besuch in der Kindheit

Sandra Studer war beim Kiwanis Club Zollikon zu Gast und erinnerte sich an ihre Anfänge beim Fernsehen.

Sie ist ein Multitalent. Sängerin, Moderatorin, Musical-Darstellerin und sie war vergangene Woche im Zollikerberg zu Gast: Sandra Studer. Sie war wieder im Zollikerberg – schliesslich ist sie hier aufgewachsen. Der Kiwanis Club hatte die 48-Jährige eingeladen. «Zwischen Showbusiness und Familie – Chnorz oder lustvoller Spagat» – so hatte der Club den Vortrag genannt. Doch die bekannte Schweizerin winkte gleich ab. Einen Vortrag halten, das könne sie nicht. Antworten auf Fragen geben, das sei kein Problem. «‹Schnurä› kann ich schon», lachte sie. Und sie machte gleich noch eine Einschränkung: Der Spagat zwischen Beruf und Familie – dieser Begriff sei ihr im wahrsten Sinne zu überdehnt. «Diesen Spagat zwischen Kindern und Job kennen wir doch alle. Ich bin kein Super-Mami, welches das locker aus dem Ärmel schüttelt», bekräftigte die Mutter von vier Kindern.

Doch zunächst ging es um ihre eigene Kindheit. Sie sei rückblickend dankbar dafür, dass sie in einer mehr oder weniger gefestigten Familie habe aufwachsen dürfen. «In meiner Primarklasse erlebte rund die Hälfte der Kinder eine Trennung der Eltern. Das hat mich damals sehr beeindruckt.» Was sie besonders hervorhob: Ihre Eltern liessen sie machen. Klar war, dass sie sich Hobbys in der Gemeinde suchen musste. «Ich fahre meine Tochter heute regelmässig nach Küsnacht, weil es da einen Musical-Kurs gibt, den sie unbedingt besuchen möchte. Das hätten meine Eltern nie gemacht – ein bisschen zurecht», so die Meilemerin. Also begann Sandra Studer früh mit Klavier und Ballett. Ansonsten habe es keine Erwartungen der Eltern gegeben. Sie sei nie in eine Richtung gedrängt worden. «Ich habe alle meine drei Töchter ins Ballett geschickt. Mit mässigem Erfolg», meint sie lachend. «Man sollte die eigenen Wünsche besser nicht auf die Kinder projizieren.» Wichtig sei nur, dass die Kinder eine Leidenschaft entwickelten. Dass sie für etwas brennen können. Wofür – das sei doch eigentlich zweitrangig.

Auch an Theologie interessiert

Und so erinnerte sich Sandra Studer noch ganz genau daran, dass sie nach ihrer Konfirmation absolut für Theologie gebrannt habe, Feuer fing, das sogar studieren wollte. Doch da war auch die Begeisterung für das Theater – vor allem für die Arbeit hinter der Bühne. So habe sie sich schliesslich doch für das Studium von Germanistik und Musikwissenschaften eingeschrieben. Sehr elanvoll studiert habe sie allerdings nicht. «Man lernt, sehr schön über die Musik zu schreiben. Mit Musik selber hat das Studium nicht mehr viel zu tun.» 1991 nahm sie am Eurovision Song Contest teil und belegte den fünften Platz. «Das ist der Wettbewerb, an dem die Schweiz sonst immer Vorletzte wird», hatte André Ginestra bei der Vorstellung des Gastes kommentiert. Auf der Zielgeraden des Studiums kam das erste Angebot des Fernsehens. Und so liess sie Uni Uni sein und begann ihre steile Karriere als Moderatorin.

Sie war «angefressen» vom Fernsehen, hat sich aber nie fest anstellen lassen. Von jeher arbeitet sie freischaffend und vielseitig. Sie präsentierte Reisemagazine wie «Traumziel» oder «einfachluxuriös», grosse Kisten wie die «Swiss Awards» oder «Credit Suisse Sports Awards», Musiksendungen oder grosse Kulturevents wie «La Traviata am Hauptbahnhof». «Es ist toll, dass ich in so vielen verschiedenen Bereichen Fernsehen machen konnte.»

Vielleicht ist es die pure Neugier, die den roten Faden durch ihr Leben darstellt. Vielleicht ist es einfach so, dass Sandra Studer keine Angst vor dem Scheitern hat. «Ich gehe auch gerne mal ein Risiko ein, wenn ich dafür etwas Neues ausprobieren kann. Wirklich lernen kann man ja nur aus Fehlern», räumte sie ein.

So viel in der Welt unterwegs und dann noch vier Kinder – natürlich wollten die Kiwanis-Mitglieder wissen, wie das logistisch zu bewältigen ist. «Manchmal frage ich mich im Rückblick auch, wie ich das geschafft habe», staunte die Mutter selber. Aber da sei zunächst mal ihre eigene Familie gewesen. «Meine Mutter ist Spanierin und hat mir das Clan-Denken mitgegeben. Da ist immer eine grosse Familie im Hintergrund. Meine Schwestern und mittlerweile auch Neffen und Nichten sind da.» Das kann alleine nicht reichen. «Ich habe mir auch immer externe Hilfe geholt.» Was kühl klingt, habe sich anders angefühlt. «Das waren immer Spanierinnen, die dann mit zur Familie gehörten.»

Aber selbst mit der Hilfe laufe nicht immer alles glatt. «Man lernt, vieles gleichzeitig zu machen.» So habe sie zwischen zwei wichtigen Interviews mit Bundesräten halt auch mal Windeln wechseln müssen. «Ausserdem habe ich viel nachts gearbeitet, wenn die Kinder geschlafen haben.» Aber was nach Superwoman klinge, täusche. «Ich merke jetzt auch, dass mir heute die Kraft schneller ausgeht. Mit 20 hat man Energie für alles. Ich fange jetzt an zu haushalten, Prioritäten zu setzen. Und ehrlich gesagt: Es gibt immer mal den einen Moment, wo ich am liebsten das Fenster öffnen würde, um laut rauszubrüllen.» Immerhin: Sie hat es erst einmal wirklich getan.

Titel sind zweitrangig

Bereuen tut sie nichts. Auch nicht, dass sie ihr Studium nicht abgeschlossen hat. Nach dem dritten Umzug warf sie die Uni-Unterlagen feierlich in den Papierkorb. Und dann gebe es auch immer wieder die blöden TV-Momente, in denen sie anderthalb Stunden in der Maske sitzen müsse, um wie Sandra Studer auszusehen.

«In meinem Job sind Titel nicht so wichtig.» Man müsse eben gut «schnurä» können. Und das kann sie mit Leichtigkeit. (bms)

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