Die CS zieht aus – wer zieht ein?

Von Tobias Chi ‒ 4. September 2020

Die CS-Filiale am Zolliker Dorfplatz wird per Ende November geschlossen. Weil sich die Liegenschaft in Privatbesitz befindet, hat die Gemeinde keinen Einfluss darauf, wer die leer werdenden Geschäftsräume übernimmt.

Knapp ein halbes Jahrhundert hat die Credit Suisse (CS) am Dorfplatz eine Filiale ­betrieben. Ende letzter Woche wurden ortsansässige Kunden der Bank per Brief informiert, dass der Standort per 27. November 2020 geschlossen werde. Ab diesem Zeitpunkt stehe ihnen die nächstliegende Filiale in Küsnacht zur Verfügung. Schrankfächer in Zollikon müssten bis spätestens 30. Oktober geräumt werden. Als Grund für die Schliessung wurden die abnehmenden «Kundenfrequenzen in den Geschäftsstellen» aufgrund der wachsenden Nutzung bargeldloser und digitaler Lösungen angegeben. Die Filiale in Zollikon ist eine von 37 Geschäftsstellen, welche die Grossbank im Rahmen eines Umbaus Richtung Digitalisierung aufgibt.

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Die Mitarbeitenden der Filiale seien vorab persönlich über die Schliessung informiert worden, sagt CS-Sprecherin Cécile Rietschi. «Ab Mitte September wird die Credit Suisse ihnen Klarheit über ihre künftigen Rollen geben. Ein Sozialplan steht zur Verfügung.» Oberstes Ziel sei es, dass möglichst alle betroffenen Mitarbeitenden eine interne oder externe Weiterbeschäftigung finden. Zum genauen Vorgehen beim Auszug wollte die Bank «aus sicherheitstechnischen Gründen» keine konkreten Angaben machen. Für den allfälligen Rückbau des Tresorraums werde ein darauf spezialisiertes Unternehmen engagiert.

Bleibt der Bancomat?

Für die Zolliker Bevölkerung ist vor allem die Frage interessant, wer sich in die leer werdenden Geschäftsräume einmieten wird. Da sich die Liegenschaft in Privat­besitz befindet, hat die Gemeinde Zollikon keinen Einfluss darauf. Gemeindepräsident Sascha Ullmann äussert aber den Wunsch, dass es am Dorfplatz weiterhin eine Möglichkeit gibt, Bargeld zu beziehen. «Wir sind mit der CS über die Weiterführung eines Bancomats im Gespräch», sagt er.

Nachdem die CS die Schliessung von Filialen angekündigt hatte, war Alt-Gemeinderat und Präsident des Gewerbevereins Jürg Widmer nicht überrascht, dass auch jene in Zollikon betroffen ist: «In letzter Zeit ist dort ja nicht mehr viel gelaufen, viele Dienstleistungen wurden schon vorher nach Küsnacht ausgelagert.» Er wünscht sich, dass nach Auszug der Bank ein Ladengeschäft einzieht, das wieder mehr Leute auf den Dorfplatz bringt. «Das kann zum Beispiel ein Frischwarengeschäft sein, wie sie im ­Moment im Trend sind. Und der Tresorraum im Untergeschoss könnte ja in eine sichere Smoker’s-Lounge umfunktioniert werden», fügt er scherzhaft hinzu.


Abschied nach 48 Jahren

Am 11. November 1972 öffnete die Filiale der «Schweizerischen Kreditanstalt» in Zollikon stolz ihre Türen. Am Eröffnungstag gab es laut Inserat im damaligen ZoBo eine «kundige Führung» durch die Räumlichkeiten und einen «interessanten Wettbewerb» für Gross und Klein. «Damit kommen nun die Zolliker in den Genuss all jener Dienstleistungen, welche eine moderne Bank zu bieten hat», hiess es in einem ZoBo-Artikel. Dazu gehörte beispielsweise ein Monitor, auf dem man die aktuellen Entwicklungen der Börse verfolgen konnte. «Ein kleines Bijou» sei die Schalterhalle mit ihrer Täferung auf drei Seiten. «Der helle, freundliche Warteraum» im ersten Stock werde bereichert durch ein Bild des Zolliker Malers Heini Waser. Auf dieser Etage befinde sich auch das Büro von Filialleiter Walter Bächinger. Das Herz der Bank, so war zu lesen, sei aber der Tresorraum im Keller mit seinen 600 Fächern.

Etwas klangloser informierte das Finanzinstitut, das inzwischen Credit Suisse heisst, seine Kunden per Brief über die Schliessung der Filiale, die Ende November erfolgen soll – also ziemlich genau 48 Jahre nach der Eröffnung. Damit schliesst sich ein Kapitel Zolliker Geschichte – und lässt Raum für ein neues.

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