Dörfliche Idylle und Architektur

Von Franca Siegfried ‒ 26. Januar 2023

Der private Gestaltungsplan für den Weiler Oberhueb liegt im Bauamt. Geplant sind 38 Mietwohnungen in einer dörflichen Struktur. Auch dieses Projekt finanziert die Amag-Erbin Eva Maria Bucher-Haefner, wie die 39 Tiny Homes im Zollikerberg und die geplanten 39 Mietwohnungen mit Dorfrestaurant für den neuen Dorfplatz in Zumikon.

Visualisierung des Projektes «Wohnen im Weiler» mit der Scheune an der Sennhofstrasse. (Bild: maaars)

Für den Weiler Oberhueb wird geplant und projektiert. Seit dem 13. Januar können alle Interessierten den privaten ­Gestaltungsplan bis zum 14. März beim Bauamt im Gemeindehaus Zollikon einsehen. Das Projekt realisiert UTO Real Estate Management AG, Utorem. Mit 38 Mietwohnungen wird «Wohnen im Weiler» möglich. Ab Herbst 2028 sollen die Wohnungen auf einem Grundstück von insgesamt 5033 Quadratmeter bezugsbereit sein. Die Amag-Erbin Eva Maria Bucher-Haefner ist Allein­aktionärin von Moyreal Immobilien, die alles finanziert. «Ober­hueb wird in der Absicht entwickelt, es im eigenen Bestand zu erhalten», sagt Yves Rogger, Projektleiter von Utorem. «Es soll auch noch in 20 Jahren guten Lebensraum bieten.» Das Engagement der Amag-Erbin ist diskret, doch eine Häufung in der Region ist zu beobachten: Zumikon beim neuen Dorfplatz mit 39 Mietwohnungen inklusiv Dorfrestaurant, und im Zollikerberg die futuristisch anmutenden Tiny Homes mit 39 Mikrowohnungen. Im Gegensatz zu diesen ist die ­Architektur von «Wohnen im Weiler» auf eine traditionelle, dörfliche Struktur abgestimmt – futuristisch nur etwa in der Energiefrage mit Photovoltaik und e-Mobilität. «Der sensible Umgang mit dem Ort macht das Projekt so stark», sagt Yves ­Rogger. «Es wird Mut durch Zurückhaltung bewiesen.»

Für alle Generationen

Im Gestaltungsplan ist zu lesen: «Das Projekt versteht sich nicht als noch eine neue Siedlungsform im Gebiet, sondern greift die Räumlichkeit, die Körnung und die Dichte des Weilers auf, erweitert diesen natürlich – Wohnen im Weiler.» Nussbaum, Linde und Kirschbaum dürfen weiterwachsen. Das Grundstück ist baurechtlich der Kernzone zugeordnet. Das Doppel-Bauernhaus an der Oberhuebstrasse und die Scheune an der Sennhofstrasse bleiben erhalten. Utorem hat dazu Studien erstellen lassen. Von fünf Architekturteams haben Office Haratori von Zürich und ­Manoa Landschaftsarchitekten von Meilen überzeugt. Neun Wohnungen sind in Scheune und Doppel-Bauernhaus untergebracht, 27 Wohnungen in Neubauten. Gefragt ist Wohnraum für alle Generationen mit 1,5 bis 5,5 Zimmer. Die Fassaden der Neubauten erhalten eine sägerohe, vorvergraute Bretterschalung: «Zugleich entsteht in der Reduktion und Monochromie die notwendige Ruhe gegenüber der Landschaft.» Wie teuer die Mieten sein werden, lässt sich nicht sagen. Mit dem aktuellen Teuerungsschub wäre das Kaffeesatz lesen. Im Sommer 2023 wird der Gemeinderat Zollikon über den Gestaltungsplan beraten. Baustart ist für 2026 vorgesehen. Vor gut 60 Jahren haben am Südwesthang zwischen Sennhof und Oberhueb die beiden Architekten Hans Marti und Hans Kast Einfamilienhäuser für Familien ­gebaut. Vertikal und horizontal ­gestaffelte Häuserzeilen mit Flachdach. Damals ging es um Kosten sparen durch gemeinsames Bauen, entsprechend gestaltete sich die Architektur. Die aktuell geplanten Neubauten von «Wohnen im Weiler» zeugen von einer Zeit mit Sehnsucht nach trautem Heim, nach ­einem privaten Kosmos unter Giebeldach und Nähe zur Natur. Das sensible Verhältnis Architektur und Zeitgefühl ist im Weiler im ­Zollikerberg offensichtlich.

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