Rituale im Zeichen von Ostern

Von Claudia Eberle-Fröhlich ‒ 5. April 2023

Im Hinblick auf Ostern spricht Pfarrerin Diana Päpcke aus dem Zollikerberg über die Bedeutung von Ritualen in der Entwicklung von Kindern, speziell in Bezug auf ihre religiöse und kulturelle Identität. 

Mit direktem Blick auf die reformierte Kirche Zollikerberg berichtet Pfarrerin Diana Päpcke von Osterritualen mit Kindern. (Bild: cef)
Mit direktem Blick auf die reformierte Kirche Zollikerberg berichtet Pfarrerin Diana Päpcke von Osterritualen mit Kindern. (Bild: cef)

Ostern markiert einen wichtigen Punkt im christlichen Jahreskalender. Kaum ein anderes Fest bietet Familien mehr Möglichkeiten, sowohl individuelle als auch gemeinschaftliche Rituale zu praktizieren: Vom Eiermalen und -suchen übers Schmücken des Osterbäumchens bis hin zum gemeinsamen Besuch des Ostergottesdienstes. «Religiöse Rituale können Kindern helfen, eine Verbindung zu ihrem Glauben und ihren spirituellen Überzeugungen aufzubauen», erklärt Pfarrerin Diana Päpcke. Indem sie diese Rituale praktizieren, würden Kinder eine tiefere Wertschätzung für ihre Religion und ihre Traditionen entwickeln. Die Wiederholung von Ritualen verschaffe zudem ein Gefühl von Sicherheit und Kontinuität in einer oft unvorhersehbaren Welt.

Deshalb hat Diana Päpcke im Februar mit den Kindern der zweiten Klasse einen Tauferinnerungsgottesdienst durchgeführt. Bislang feierte die reformierte Landeskirche nur mit Drittklässlern Gottesdienste zu Taufe und Abendmahl. «Mit der Tauferinnerung haben wir für Zollikon und Zumikon eine etwas andere Form gewählt». 25 Familien wurden eingeladen und 18 sind gekommen, eine überraschend grosse Rückmeldung erzählt die Seelsorgerin begeistert. Die Kinder nahmen ihre Taufkerzen mit und zündeten sie an, die Katechetinnen lasen ihren Taufspruch vor und die Pfarrerin segnete sie mit einem Wasserkreuz in die Hand.

Massgeschneidert

Diana Päpcke erklärt, dass auch alte Rituale in der neuen und sich schnell ändernden Welt dazu beitragen, Kindern ein Gefühl von ­Zusammengehörigkeit und Zugehörigkeit zu vermitteln. Besonders die Coronajahre hätten Eltern stark belastet. Überforderung durch Doppelbelastung mit Familie und Beruf im Homeoffice sowie das Aufblühen von alten Rollenmodellen führten dazu, dass die Mütter mehr ausbalancieren mussten.

Aus ihrem Berufsalltag berichtet die Pfarrerin, dass Rituale heute geradezu massgeschneidert gewünscht werden. Hochzeiten und Trauergottesdienste seien bereits individuelle Kasualien der Kirchen gewesen, heute werde auch die Taufe beispielsweise in kleinem Familienkreis gewünscht und oft nicht mehr am Sonntag. Diana Päpcke bedauert diese Entwicklung: «Das Kind soll mit der Taufe in die christliche Gemeinschaft aufgenommen werden, doch das Sakrament ist für die Gemeinschaft nicht mehr sichtbar. Das Gefühl einer gemeinsamen Verantwortung für das neue Mitglied geht verloren.» Die Kirche bietet deshalb Taufen in kleinerem Rahmen jeweils an einem Samstag an, und die beteiligten Familien der Täuflinge können sich vorgängig kennenlernen. Das Angebot ist exemplarisch für den Spagat zwischen Pfarrerschaft und Elternwünschen.

Osterfest

In Zollikon seien kirchliche Osterfeiern eher schwierig durchzuführen, Familien während der Ostertage aufgrund von Reisefreudigkeit nicht für kirchliche Rituale zu gewinnen. Trotzdem spielt Ostern eine bedeutende Rolle in Familien, die oft gemeinsam Eier bemalen und festliche Osterspeisen oder -frühstücke zubereiten.

Der Ostersonntag wird weltweit gefeiert. Er symbolisiert den Neuanfang, was mit religiösen und kulturellen Traditionen einhergeht. Eine der bekanntesten Traditionen ist das Eierfärben und -verstecken, da das Ei ein Symbol für das neue Leben ist, das mit dem Frühling und der Auferstehung Jesu Christi verbunden ist.

Für die Pfarrerin ist Ostern ein wichtiger Feiertag, der seine Bedeutung das ganze Jahr über nicht verliert. «Ostern ist wie eine Haltung, eine Auferstehungshoffnung, die wir spüren und leben.» Bemerkbar gemacht habe sich dies in ihr etwa bei Kriegsbeginn: «Trotz der traurigen Nachrichten, Leid und all der schweren Gefühle, können wir die Hoffnung grösser denken als den Tod.»

Üben der Rituale

Dass Rituale mit Kindern eingeübt werden sollten, findet Diana Päpcke als Mutter einer zweijährigen Tochter und in Erwartung ihres zweiten Kindes enorm wichtig. ­Eltern hätten meist das Gefühl, sie müssen ihrem Nachwuchs alles bieten. Jedoch erprobten und erlebten die Kinder mit der Einübung von ­Ritualen ihre Selbständigkeit und Persönlichkeit. «Ein Ritual wie das Abendmahl des Drittklassunterrichts vom vergangenen Palmsonntag gibt den Kindern Vertrauen und stellen ein wichtiges Stück Identität dar», ist sie überzeugt. «Die Fähigkeit, mit Kopf, Herz und Hand zu handeln, ist im Umgang mit anderen Menschen von unschätzbarem Wert.»

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