Schulhäuser im Wandel der Zeit

Von Zolliker Zumiker Bote ‒ 2. November 2023

Dieses Jahr wurde die Zolliker Sekundarschule 150 Jahre alt. In ihrer Geschichte wurde an so manchen Orten unterrichtet.

Das im Jahr 1900 erbaute Sekundarschulhaus war 70 Jahre lang Stätte für viele Begegnungen. (Bild: zvg)
Das im Jahr 1900 erbaute Sekundarschulhaus war 70 Jahre lang Stätte für viele Begegnungen. (Bild: zvg)

Am 24. April 1873 bewilligte Staatsschreiber Gottfried Keller im Namen der Kantonsregierung das Gesuch des Zolliker Gemeinderats zur Einführung einer Sekundarschule. Die Gemeinde kaufte für 20 000 Franken die Liegenschaft «Zum Felsengrund» an der Oberdorfstrasse 16. Bis diese eingerichtet war, unterrichtete Rosam Giger als erster Lehrer ab dem 13. Mai 14 Buben und 8 Mädchen im Handarbeitszimmer des Primarschulhauses im Chirchhof. Am Chilbimontag 1873 fand der Unterricht erstmals im Sekundarschulhaus statt.

Die anfänglichen 20 bis 25 Schüler und Schülerinnen stieg in den 1880er-­Jahren bis über 40. 1893 verlegte man den Schulbetrieb ins Primarschulhaus im Chirchhof; die Lehrerwohnung im Erdgeschoss wurde zum Schulzimmer. Nach der Schaffung einer zweiten Lehrerstelle konnte 1895 auch das bisherige Handarbeitszimmer der Primarschule belegt werden. Als 1897 die Primarschule einen weiteren Raum beanspruchte, fand die ­Sekundarschule ein provisorisches Zimmer im Haus «Zur Linde» an der Alten Landstrasse 47. Provi­sorien gab es bis 1901 auch im Haus Bergstrasse 23 und an der Ecke Alte Landstrasse/Zollikerstrasse  im Neubau des Hauses «Schönegg».

Ein Neubau für 180 000 Franken

Im Sommer 1895 schlugen Gemeinderat und Sekundarschulpflege den Bau eines eigenen Schulhauses auf dem Buchholzhügel vor. Am 5. Juli 1896 wurde der Ankauf des Grundstücks gutgeheissen – bei einem Quadratmeterpreis von 6.50 Franken kostete es 35 000 Franken. Die Architekten Jacques Kehrer aus ­Zürich und Karl Knell vom Zollikerberg präsentierten im Herbst 1897 ihr Projekt des dreistöckigen Schulgebäudes mit freistehender Turnhalle und einem Schlauchturm für die Feuerwehr zum Preis von 180 000 Franken. Am 20. März 1898 wurden Projekt und Kredit angenommen.

Nach Verzögerungen durch Einsprachen und Verhandlungen mit der Primarschulpflege, die ebenfalls Anspruch auf das ­Gelände anmeldete, fand Ende Juni 1900 die Grundsteinlegung statt. Am 3. September 1901 wurde das Schulhaus mit einem ganztägigen Fest für die ganze Bevölkerung ­eingeweiht: mit Reden, viel Musik, einem extra komponierten Weihelied, Darbietungen des Turnvereins, der Schülerinnen und Schüler, ­einem stattlichen Umzug vorbei an geschmückten Häusern. Und Im Casino am See wurde bis in die Morgenstunden gefeiert.

Im Souterrain des Neubaus lagen die Wohnung für den Hauswart, je ein Raum für den Handfertigkeitsunterricht und die geplante Kochschule, eine Garderobe mit ­Duschen sowie Heizung und Kohlekeller. In die Eingangshalle führten von der Ost- und Westseite je ein Eingang, an die sich zwei Schulzimmer, das Lehrer- und Archivzimmer und die Toiletten anschlossen. Im 1. Obergeschoss lagen drei Schulzimmer und Nebenräume, im 2. Obergeschoss zwei Schulzimmer, Nebenräume und eine Lehrerwohnung. Der Dachboden umfasste zwei geräumige Zimmer für die Lehrerwohnung. Prägende Lehrerpersönlichkeiten aus den Anfangszeiten der Sekundarschule waren etwa Adolf Muschg, Johannes Schmid, Albert Heer und in späteren Jahren Karl Angst, Dr. Hans Zehnder und Emil Walder.

Gruss aus der Vergangenheit

Nach 1950 wurde auch dieses Schulhaus zu eng. Auf die Nordseite des Hügels kam das moderne Oberstufenschulhaus «Buchholz» der Architekten Hans Marti und Hans Kast zu stehen, an die Ostseite eine neue Turnhalle. Der «Schulpalast» wurde im Winter 1971–1972 abgetragen. Während des Abbruchs kam nach längeren Grabungen «in respektabler Tiefe» doch noch die «Zeitkapsel» zum Vorschein, die in Form einer Weinflasche am 30. Juni 1900 in der südlichen Ecke vergraben worden war, laut Protokollen mit einem «angemessenen Gedicht» von John Frey und einem «poetischen Gruss» von Pfarrer Alexander Nüesch. In der Flasche fanden sich ein Bleistift, eine praktisch aufgelöste Pergamentrolle und das Gedicht von John Frey, das mit den Worten schliesst: «Das Haus, darauf gebauet, – ob ruh’los drüber­gehn der Zeiten Wetter, Stürme – Mög felsenfest bestehn.»

Die Klasse von Lehrer Rosam Giger 13 im Gründungsjahr der Sekundarschule, 1873: 1 Gerhard Herter 
2 Paul Herter 3 Fritz Maurer 4 Arnold Thomann 5 Felix Hafner 6 August Irminger 7 Heinrich Weber 
8 Heinrich Thomann 9 Heinrich Graf 10 Gottfried Streuli 11 Emil Kienast 12 Wilhelm Müller 14 Julius Wolfensberger 15 Hermann Ernst 16 Marie Attinger 17 Mathilde Müller-Bleuler 18 Hanna Ernst-Sennhauser 
19 Rosine Wirz 20 Charlotte Rümelin 21 Berta Müller 22 Luise Maurer-Bleuler 23 Marie Trüb. (Bild: zvg)
Die Klasse von Lehrer Rosam Giger (13) im Gründungsjahr der Sekundarschule, 1873: (1) Gerhard Herter (2) Paul Herter (3) Fritz Maurer (4) Arnold Thomann (5) Felix Hafner (6) August Irminger (7) Heinrich Weber (8) Heinrich Thomann (9) Heinrich Graf (10) Gottfried Streuli (11) Emil Kienast (12) Wilhelm Müller (14) Julius Wolfensberger (15) Hermann Ernst (16) Marie Attinger (17) Mathilde Müller-Bleuler (18) Hanna Ernst-Sennhauser (19) Rosine Wirz (20) Charlotte Rümelin (21) Berta Müller (22) Luise Maurer-Bleuler (23) Marie Trüb. (Bild: zvg)
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