Leuchtende Augen, triefende Nase

Von Birgit Müller-Schlieper ‒ 8. Dezember 2023

Sie waren auch in Zumikon unterwegs: der Samichlaus mit seinem Schmutzli. Sie freuten sich über Verse und schwitzten in der Stube.

War ausnahmsweise zu einem Gespräch bereit: der Samichlaus, traditionell begleitet vom Schmutzli. (Bild: zvg)
War ausnahmsweise zu einem Gespräch bereit: der Samichlaus, traditionell begleitet vom Schmutzli. (Bild: zvg)

Wohl zu keiner anderen Zeit wie der Adventszeit gehören feste Rituale. Da gibt es den Adventskranz und Adventskalender. Es wird gebacken und gesungen, gebastelt und gewünscht. Die Häuser werden mit Lichterarrangements geschmückt. Weihnachtsmärkte locken mit Glühwein und Bratäpfeln. Auch Samichlaus und Schmutzli fehlen nicht. Der Zolliker Zumiker Bote hatte das Glück, nach ihrem grossen Auftritt mit einem Zumiker Samichlaus reden zu dürfen. Angefangen hat dieser seine weihnachtliche Karriere als Gehilfe. Mittlerweile darf er selber aus dem grossen goldenen Buch vorlesen.

Zwischen ängstlich und ­rotzfrech

Am meisten freut er sich bei den Besuchen in heimischen Wohnzimmern über die Freude der Kinder. Die leuchtenden Augen, der Stolz beim Vortragen des Gedichts oder die Freude über das Geschenk inspirieren ihn. Ganz wichtig sei, dass das Positive im Vordergrund stehe. «Wir sind keine Erzieher. Was die Eltern übers Jahr nicht hinkriegen, können wir nicht in einer halben Stunde wieder zurechtbiegen.» Manchmal gebe es doch ­etwas zu kritisieren. Vielleicht hat das Kind im Laufe des Jahres sein Zimmer nicht gut aufgeräumt, seine Schwester geärgert, zu viel ­genascht oder die Aufgaben unsorgfältig gemacht. Das sieht der Samichlaus natürlich – und wird auch erwähnt. Aber sein Besuch soll in erster Linie ein schönes ­Ereignis sein. «Man spürt den ­Respekt der Kinder, auch weil wir mit unseren Bärten, dem Mantel und dem goldenen Buch eindrücklich aussehen.» Manchmal ein bisschen zu eindrücklich. Es komme schon mal vor, dass ein Bub oder Mädchen in Tränen ausbreche und türme. Da gelte es, das Eis sensibel zu brechen.

Auf der anderen Seite seien rotz­freche Burschen, die er ganz anders ansprechen müsse. Was der Samichlaus als Geschenk aus dem Sack holt, sei manchmal verwunderlich, so dass er sich frage, was es zu Weihnachten noch geben soll. «Aber Schokolade, Nüsse und Mandarinen überwiegen.»

Konzert als Dankeschön

Nicht nur die Kinder werden beschenkt, sondern auch der Samichlaus und sein Helfer. Im vergangenen Jahr zum Beispiel mit einem kleinen Konzert dreier Kinder an Cello, Klavier und Geige. Oft mit selbst gemalten Bildern oder auswendig gelernten Versen. Der Samichlaus erzählt von einem seiner ersten Besuche. Er wollte sich schon verabschieden, als das Kind kleinlaut anmerkte, es habe doch noch etwas auswendig gelernt. «Grössere Missgeschicke hat es in den Jahren nicht gegeben.» An ­einen Besuch erinnert er sich besonders. Der abendliche Einsatz war schon beendet, als die Frage kam, ob er nicht einen weiteren Jungen besuchen könne. Bei dem war ein Samichlaus zwar schon gewesen, aber das Kind hatte diesen als seinen eigenen Onkel erkannt und geoutet. «Manchmal kommt es vor, dass sich Väter, Grossväter, Nachbarn oder eben ein Onkel als Samichlaus verkleiden.» Der echte ­Samichlaus schüttelt den Kopf. Als er dann klingelte, fand dieser einen erleichterten Jungen vor. «Er hat sich so gefreut, dass doch noch der echte Samichlaus bei ihm vorbeigeschaut hat.»

Zu schaffen machte ihm auch in diesem Jahr die Temperatur in der gut geheizten Stube. Er selbst werde mit dem langen buschigen Bart und dem dicken Mantel gern direkt neben dem Cheminee platziert, in dem das Holz lodert. Da tue die kalte Winterluft danach richtig gut. Neu besucht der Zumiker Samichlaus auch die Bibliothek, wo er Kindern und Eltern oder Grosseltern aus dem grossen Geschichtenbuch vorliest.

Keine Chläusin

Das weihnachtliche Personal kennt keine Gleichstellung. «Ich bin selber traditionell geprägt und möchte ja auch keine Fee oder Hexe sein.» Gleichzeitig sind die Samichläuse jedoch flexibel. Auf Wunsch wird englisch gesprochen, und als vergangenes Jahr ein Kind plötzlich krank war, fand der Besuch eben auf der Terrasse statt. Der Junge sei mit triefender Nase und leuchtenden Augen warm eingepackt da ­gestanden. Auch vorgestern war er wieder zwischen Chapf und Gössikon, zwischen Thesenacher und In der Gandt unterwegs, um Kinder ein bisschen zu verzaubern und die Ahnung von einer höheren Instanz zu verbreiten, die alles sieht und weiss und trotzdem immer gütig bleibt.

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